Jubiläum im Kloster

von Redaktion

Stiftung Ecksberg feiert erfolgreiche Integration mit ihrer Wohngemeinschaft in Ramsau

Ramsau – Seit 30 Jahren befindet sich eine Wohngemeinschaft der Stiftung Ecksberg im früheren Kloster in Ramsau, Gemeinde Reichertsheim. Dieses runde Jubiläum wird von Freitag, 19. Juni, bis Sonntag, 21. Juni, gefeiert.

Damals suchte die Stiftung Ecksberg weitere Wohnräume, denn die Mindestwohnverordnung ließ die zu klein gewordenen Dreibettzimmer nicht mehr zu. Im Ramsauer Kloster waren Räume vorhanden, denn die Zahl der Franziskanerinnen, die das mehr als 600 Jahre alte Kloster 1899 erworben hatten, war rückläufig. Auch die Belegungszahlen im dortigen Kinderheim St. Joseph reduzierten sich, da Jugendämter und Fürsorgestellen zunehmend Pflegefamilien favorisierten.

Bis zu 150 Kinder
lebten im Heim

Zwischen 1900 und 1983 lebten hier bis zu 150 Kinder. Ab 1983 zogen körperbehinderte junge Frauen vom Berufsbildungswerk der Salesianer Don Bosco aus Waldwinkel ins Haus, die von Schwestern bis ins Jahr 1996 mitbegleitet wurden. Darüber hinaus beherbergten die Schwestern von 1991 an für fünf Jahre bis zu 75 kroatische Kriegsflüchtlinge, fast die Hälfte davon waren Kinder.

Vor 30 Jahren stand daher die Integration behinderter Menschen im Vordergrund. Der Start begann mit 40 Bewohnern und Marianne Osl als Leiterin. Sie hat sich erst im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet.

Von Anfang an, das hatte sie bereits mitgeteilt, seien alle, Bewohner und Mitarbeiter, im Ort „mit offenen Armen aufgenommen worden“. Dabei sei auch stets Feingefühl gefragt gewesen, sobald Bewohner, die sich nicht in der Sprache ausdrücken können, lauter werden oder ungestüm reagieren.

Gespräch mit der
Bevölkerung gesucht

Dann, so Osl, habe sie das Gespräch mit der Bevölkerung gesucht. Denn „wenn es einmal förmlich wird“, dann sei es zur Distanz nicht mehr weit. Das ist ihr und den Mitarbeitern die Jahre über offenbar gut geglückt.

Die Räume im Kloster seien „ein Glücksgriff“ gewesen, bestätigt auch der heutige Leiter Raphael Stellner. Alle seien von Anfang an aufeinander zugegangen, gleich ob Einwohner, Kirche oder Vereine. Glück habe man auch mit dem Dorfladen als feste Bezugsgröße im Ort, das sei ein wertvoller Treffpunkt.

Stellner hat Anfang 2025 die Leitung übernommen und ist seit 2013 im Unternehmen. Auch ihm ist das gute Miteinander wichtig. Das drücke sich unter anderem auch in einem Projekt mit der Haager Realschule aus. Ziel sei es dort, den jeweils anderen besser kennenzulernen, zu kommunizieren und gegenseitiges Verständnis aufzubringen.

Von Anfang an waren auch die Förderung und der Erhalt eines zweiten Lebensbereichs ein großes Ziel. So entwickelte sich parallel zum Wohnen die Förderstätte. Dafür sind nach und nach die Räume mit dem Ziel einer ganzheitlichen Begleitung erweitert worden. Wichtig sei es für die Bewohner auch, so Stellner, etwas mit einem Wert herzustellen. Daher haben die Gebrauchsgegenstände für Haus und Garten eine große Bedeutung.

Eine weitere Priorität liege auf dem respektvollen Umgang miteinander. Dazu zähle auch, die Privatsphäre stets zu schützen. Heute leben hier 62 Menschen ab 18 Jahren, teilweise mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung, betreut von 150 Mitarbeitern überwiegend in Teilzeit. Die Förderstätte umfasst 47 Plätze. Viel mehr sollen es auch nicht werden, so Stellner, denn in sieben Wohngruppen sei noch eine familiäre Atmosphäre möglich, dabei solle es bleiben.

In den kommenden Jahren steht die Renovierung des Südflügels an. Das betrifft die Erneuerung von Sanitäranlagen bis hin zu Fenstern. Im früheren Bereich der Schwestern sind neue Zimmer vorgesehen und der Kapellenbau bietet Platz für die Förderstätte. In Betrieb ist bereits eine neue Pelletsheizung und saniert ist der Hauptaufzug.

Die Arbeiten würden, so erklärt es der Geschäftsführer der Franziskanerinnen Au am Inn, Franz Linner, noch mit dem Bezirk abgestimmt. Die Hoffnung liege auf einem Baubeginn im kommenden Jahr. „Generell“, erklärt Linner zur Stiftung Ecksberg als Mieter, gestalte sich „die Zusammenarbeit sehr gut“. Man habe den Eindruck, dass sich alle wohlfühlen und die Integration gelinge. Das sei wichtig, „denn nicht wenige unserer eigenen Schülerinnen und Schüler wechseln nach ihrer Zeit in Au nach Ramsau oder in eine andere Einrichtung der Stiftung Ecksberg“.

Drei Tage Festprogramm zum Jubiläum

Am Freitag, 19. Juni, beginnt ein Festival mit vier Bands. Um 17 Uhr steht „Das Rote Motorrad“ auf der Bühne als Musikgruppe aus Steinhöring. Um 18.30 Uhr spielen „Voodoo Chile“, die „Reischhamer City Rockers“ und später um 21 Uhr Boosted. Sämtliche Bands sind aus der näheren Umgebung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Es gibt Essen und Trinken und Barbetrieb.

Am Samstag ist hier ab 15 Uhr der Seniorennachmittag mit Essen und Trinken sowie Kaffee und Kuchen mit einem Unterhaltungsprogramm. Erwartet werden die Trachtenkinder und der Zirkus Farfalle der Stiftung. Ein Hol- und Bringdienst kümmert sich um diejenigen, die nicht selber fahren können.

Karussell
und Kutschenfahrten

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Als Ehrengäste sind unter anderem der Landrat Max Heimerl, die Bezirksrätin Claudia Hausberger und andere geladen, die durch ihren Einsatz einen erheblichen Beitrag zu einer gelingenden Inklusion leisten. Danach folgen Ansprachen, zum Mittagstisch spielt die „Saukopfmusi“. Kletterturm, Klangmärchen, Karussell, Kutschenfahrten, Alpakas und bayerische Spiele zählen zum Unterhaltungsprogramm. Dazu gibt es eine Zeitreise mit vielen Geschichten und eine Tombola mit Preisen aus der Förderstätte.

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