Mühldorf/Altötting/Traunstein/Berchtesgaden – „Ich wünsche mir vor allem, dass sich unsere Mitarbeiter ihren Fleiß, ihr Herzblut, ihren Mut zur Veränderung und natürlich ihre Freude bei der Arbeit bewahren“, hatte Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender des InnKlinikums Altötting-Mühldorf, im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de zum Jahreswechsel betont. Mut zur Veränderung hat das Personal in der Tat in den vergangenen Jahren bewiesen: Klinikstandorte wurden umgewandelt, Abteilungen verlagert und zentralisiert, Umstrukturierungen angegangen, Kooperationen umgesetzt. Es blieb gewissermaßen kein Stein auf dem anderen.
Aufatmen nur
von kurzer Dauer
Ein Umbruch, der auch viele Emotionen freisetzte. Beispiel Haag: Das Krankenhaus gibt es nicht mehr, es wurde Gesundheitszentrum. Ein Vorgang, der von vielen Protesten begleitet war, mittlerweile jedoch akzeptiert ist. Doch die Mühen haben sich gelohnt: Das Defizit beim InnKlinikum konnte innerhalb von drei Jahren von 33,4 auf zuletzt 23,1 Millionen Euro gesenkt werden. Ähnliches Bild bei den Kliniken Südostbayern: 2024 lag der Fehlbetrag noch bei etwa 24 Millionen Euro. 2025 soll er laut ersten Verlautbarungen etwa um die Hälfte geschrumpft sein.
Aufatmen in den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Traunstein Anfang 2026. Doch die Erleichterung währte nicht lange. Nach aktuellen Schätzungen würden die nun vorgesehenen Sparmaßnahmen der Bundesregierung im Rahmen des geplanten Beitragssatz-Stabilisierungsgesetzes für die Gesetzlichen Krankenkassen das InnKlinikum zusätzlich mit rund neun Millionen Euro und die KSOB mit rund 14 Millionen Euro belasten, schreiben die Klinikverbünde in einer Presseerklärung.
Beide betonen deshalb: „Krankenhausreformen benötigen Zeit, finanzielle Mittel und verlässliche politische Rahmenbedingungen anstatt blinden Aktionismus.“ Und weiter: „Die geplanten kurzsichtigen Sparvorhaben schaden den regionalen medizinischen Kernstrukturen nachhaltig und gefährden damit die medizinische Versorgung in der Fläche.“ In Südostbayern hat die Krankenhausreform bereits begonnen. „Die KSOB und das InnKlinikum haben in den vergangenen Jahren erhebliche Transformationsarbeit geleistet, um die Krankenhausversorgung in Südostbayern zukunftsfähig aufzustellen“, betont KSOB-Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher. „Seit 2023 entwickeln wir die gemeinsame Versorgungsregion über vier Landkreise mit mehr als 500.000 Einwohnern kontinuierlich weiter, um die regionale medizinische Versorgung langfristig sicherzustellen“, ergänzt Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender des InnKlinikums.
Zentrale Ziele bereits
frühzeitig umgesetzt
Dazu gehören unter anderem die Bündelung medizinischer Leistungen, die verbundübergreifende Bildung spezialisierter Zentren, der Abbau von Doppelstrukturen sowie die stärkere regionale Vernetzung der Versorgung. Heute arbeiten beide Verbünde bereits mit gemeinsamen Chefärzten, einer gemeinsamen Pflegedirektorin, gemeinsamen IT- und Einkaufsstrukturen sowie abgestimmten medizinischen Standards. Damit haben die Klinikverbünde zentrale Ziele der bundesweiten Krankenhausreform frühzeitig umgesetzt: „bessere Qualität, verlässliche Mindestmengen, effizientere Strukturen und gleichzeitig eine hochwertige wohnortnahe Grundversorgung“.
Die notwendigen Veränderungen seien in der Region nicht nur angekündigt, sondern effizient geplant und umgesetzt worden – oft verbunden mit „schwierigen und emotional belastenden Entscheidungen“. Die Kliniken Südostbayern hätten beispielsweise den Standort Berchtesgaden in eine Fachklinik umgewandelt, die Versorgung am Standort Ruhpolding nach Trostberg und die akutstationäre Versorgung in Freilassing nach Bad Reichenhall verlagert und somit von sechs Kliniken mit Rund-um-die-Uhr-Versorgung auf drei Kliniken angepasst.
Das InnKlinikum hat unter anderem seine beiden Standorte Haag und Burghausen in Gesundheitszentren umgewandelt, darüber hinaus wurden Leistungen zentriert beziehungsweise ausgebaut, beispielsweise die Geburtshilfe, Schlaganfall- und Herzinfarktversorgung in Altötting oder das Lungenzentrum und ein orthopädischer Schwerpunkt in Mühldorf. An beiden Standorten wurden die Notaufnahmen organisatorisch neu aufgestellt, um den stark ansteigenden Patientenzahlen gerecht zu werden, teilt Ewald mit.
Insgesamt wurden in den vergangenen drei Jahren in der Region die ehemals zehn Klinikstandorte auf fünf Akutkliniken reduziert – schon lange, bevor die bundesweite Krankenhausreform beschlossen wurde, heißt es in der Presseerklärung. Die Klinikverbünde seien damit bayernweit Vorreiter der konsequenten Umsetzung der Krankenhausreform und Vorbild für viele andere Klinikverbünde.
Geplante Sparmaßnahmen
gefährden die Versorgung
KSOB und InnKlinikum fordern daher ausreichende wirtschaftliche Spielräume für Kliniken, um die Krankenhausreform im Sinne einer guten Patientenversorgung umsetzen zu können. Des Weiteren wird eine Reformgestaltung gefordert, die bereits erbrachte Transformationsleistungen berücksichtigt und Träger mit Vorleistungen nicht zusätzlich benachteiligt.
Zudem wird eine nachhaltige und auskömmliche Finanzierung versorgungsrelevanter Bereiche wie Geburtshilfe, Pädiatrie, Altersmedizin und Notfallmedizin verlangt sowie eine Beseitigung der bürokratischen Zwänge, die die Handlungsfähigkeit der Kliniken massiv einschränken.
Wie die in der Regierung mit entscheidenden Bundestagsabgeordneten aus der Region auf die Forderungen reagieren, lesen Sie demnächst.