Babensham – Es ist ein wahres Kleinod der Gemeinde, ein Erbe aus vergangener Zeit, gleichwohl fällt das Gebäude am Ortsrand von Babensham gegenüber der Feuerwehr kaum auf. Die Wegmühle ist in einem Wohnhaus untergebracht, man glaubt nicht, dass hier ein uralter Handwerksbetrieb seinen Sitz hat. Seit mehr als 500 Jahren wird hier Mehl gemahlen. Robert Eckerl, der hier zu Hause ist, hat dazu auch im Bayerischen Hauptstaatsarchiv recherchiert.
Orte der
technischen Innovation
Es ist Pfingstmontag, an dem Eckerl sein Hobby anlässlich des jährlich stattfindenden Deutschen Mühlentags der Öffentlichkeit präsentiert. Veranstaltet wird dieser Aktionstag von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung und ihren Landesverbänden mit dem Ziel, die Mühlen als Orte der technischen Innovation, der Kommunikation und der Begegnung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Rund 400 Besucher waren an Pfingsten bei der Besichtigung, eine stattliche Zahl für den kleinen Ort.
Geduldig und kompetent gibt Eckerl bei der Gelegenheit auch dem Mann von der Zeitung Auskunft und schwärmt von der beinahe unverwüstlichen Technik der Wegmühle. Viele Teile sind aus dem Jahr 1895 oder nur wenig jünger. Es ist das Erbe seines Großvaters, der die Mühle noch bis 1982 rund um die Uhr betrieb. „Es war sein Lebenswerk“, sagt der 57-Jährige. Und wenn der Opa nur ein paar Mark im Monat verdient hätte, wäre er in seine Mühle gegangen, so Eckerl.
Ihm und seiner Frau Monika ist es zu verdanken, dass die Anlage 1992 – ein Jahrzehnt nach Aufgabe des Betriebs – vor dem Verfall gerettet und zu neuem Leben erweckt wurde. Mit viel Geschick und unermüdlichem Fleiß haben es die beiden geschafft, in Babensham ein grandioses Technik-Denkmal zu erhalten.
Auf drei Stockwerken kann man darüber staunen, wie in einem Holzgewerk mithilfe von einem Dutzend Transmissionsriemen und einem komplexen Räderwerk die Apparatur ratternd die Arbeit verrichtet. In Säcken werden Schrot, Dunst, Grieß und Mehl abgefüllt. Ein von einem Weiher gespeister Bach liefert die nötige Energie, um die Mühle anzutreiben. Ganz ohne Strom geht es aber doch nicht. Eckerl ist ein gelernter Schreiner, ein begnadeter Tüftler und Bastler. Im Ameranger Bauernhausmuseum ist er mit dem Erhalt alter Anlagen beschäftigt, er weiß genau, worauf es ankommt. Den Rat von Vater und Großvater, aus dem Gebäude ein Wohnhaus zu machen, schlug er aus. Wobei er niemals ans Geldverdienen dachte. „Das ist reines Hobby, ich wollte weiterführen, was mein Opa geschaffen hat“, so beschreibt Eckerl seine Motivation.
Ein zeitraubendes und anstrengendes Unterfangen – bevor es überhaupt mit dem Mahlen losgeht, muss alles akribisch sauber sein, die Reinigung nimmt ihn ziemlich in Anspruch. Und weil er nur alle zwei Jahre produziert, muss er langfristig planen. Das Getreide, alles Bio, stammt vom Nachbarn.
Vielleicht
ein Museum?
Und wofür plagt sich Eckerl eigentlich so sehr? Abnehmer habe er genug, sagt er, Freunde, Bekannte. „Das Mehl ist ratzfatz weg, es hat eine gute Qualität. Das sieht man schon, wenn meine Frau Dampfnudeln macht.“ 850 Kilo, eine Rekordmenge, hat er in der aktuellen Mahlphase hergestellt. Verkaufen darf er freilich nicht, das Gewerbe ist abgemeldet.
Und wie soll es eines Tages mit dem Betrieb weitergehen? Robert Eckerl denkt bei dieser Frage in erster Linie an seine beiden Töchter. „So eine Mühle wird ja im Lauf der Jahre immer interessanter“, glaubt er. „Vielleicht machen meine Nachkommen mal ein Museum draus.“