Soyen – Im Mai feiert die Firma Dietz Offizin ihr 60-jähriges Bestehen. Die Kunstdruckerei aus Soyen hat im Verlauf der Zeit mit zahlreichen Künstlern zusammengearbeitet. Das Basisgeschäft bildet das Replizieren, also das hochwertige Kopieren berühmter Kunstwerke. „Die Demokratisierung der Kunst“ lautet das Credo des Unternehmens: das Bereitstellen von Kunst für alle Menschen.
Höhen
und Tiefen
Höhen und Tiefen zeichnen die Geschichte des Unternehmens aus. Bei der Gründung im Jahr 1966 arbeiteten lediglich der Firmengründer Günter Dietz, seine Tochter Petra und ein Lehrling im Betrieb. Die Drucktische standen zunächst im Erdgeschoss des Wohnhauses. Das Unternehmen wuchs jedoch rasant: Im Jahr 1968 entstand eine kleinere Halle, ein Jahr später bereits ein großes Betriebsgebäude. In beiden Bauten ist heute noch die Produktion untergebracht. Auch der Ausstellungsbereich und die Büros finden sich hier. Bis in die 1970er-Jahre wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf über 20. Auch der ältere Sohn war als Siebdruckmeister am Aufbau des Betriebs beteiligt.
Die Kunst der
perfekten Replik
Dem raschen Aufstieg des Unternehmens ging die Entwicklung einer bestimmten Drucktechnik voraus. Günter Dietz, selbst Künstler, hatte sie bereits Jahre zuvor in seiner Heimat Bremen entwickelt und perfektioniert. Die Grundlage bildet der Siebdruck.
Eine Besonderheit ist, dass bis zu 120 Farben gedruckt werden können – und das auf dem originalen Untergrund wie Leinwand, Holz, Papier, Kupfer oder Pergament. Damit entsteht bei den Dietz-Repliken eine Struktur, die dem Original-Kunstwerk sehr nahekommt, wie das Unternehmen stolz berichtet. Der erste Druck war das Porträt von Johann Sebastian Bach, gemalt von Elias Gottlob Haußmann.
Seitdem hat der Betrieb nach eigenen Angaben zahlreiche Werke aus allen Epochen der Kunstgeschichte repliziert, hauptsächlich für Privatkunden und Verlage. Die Kunstdruckerei habe sich den Ausspruch des Künstlers Edouard Manet (1832 bis 1883) als Leitsatz gesetzt: „Hätte ich doch nur eine geistvolle Maschine, die so zu reproduzieren vermöchte, dass ihre Beschaffenheit vom Original sich nicht mehr trennen ließe.“
Auch Friedensreich Hundertwasser lobte die Drucktechnik: „Mit dem Seidendruck betrete ich ein Paradies, das der Malerpinsel nicht mehr erreicht.“ Ab 1971 lebte der Künstler für zwei Jahre im Wohnhaus der Familie Dietz. Unter anderem entstanden hier Werke zu den Olympischen Spielen 1972 sowie die berühmte Kassette „Regentag“.
Nach passendem
Material gesucht
Seniorchefin Petra Roßner-Dietz erinnert sich gerne an die frühen Zeiten: „Wir waren häufig in Italien bei dem Künstler Marino Marini, für den wir 68 verschiedene Grafiken gedruckt haben. Die Originale holten wir zum Vergleich mit dem Druck nach Bachmühle und brachten sie nach Fertigstellung wieder zurück.“
Ein Werk hatte der Künstler auf Packpapier mit schwarzem Fahrradlack gemalt. Tagelang suchten Dietz und seine Tochter in Mailand nach dem passenden Material. Dann die Sensation: Der Künstler konnte sein Original nicht mehr vom Druck unterscheiden, berichten die Firmeninhaber stolz.
1979 eröffnete in Wasserburg das „Imaginäre Museum“ unter städtischer Leitung, in dem alle Repliken des Unternehmens ausgestellt wurden. Dr. Martin Geiger, Wasserburger Bürgermeister von 1972 bis 2002, nannte es ein „Museum der Museen“. Es bestand bis 2014.
Die Zukunft in
dritter Generation
Schließlich starb Günter Dietz im Jahr 1995. Sein Enkel Philip Roßner hatte zu diesem Zeitpunkt gerade seine Ausbildung zum Siebdrucker begonnen. Tochter Petra führte das Geschäft nun weiter. Inzwischen leitet der Enkel den Betrieb mit acht Mitarbeitern in dritter Generation.