Chieming – Im Jahr 2009 begann Familie Kirchmaier, ihren konventionell betriebenen Bauernhof mit damals 50 bis 60 Milchkühen zu einem der größten Landwirtschaftsbetriebe der Region auszubauen. Betriebsleiter Franz Kirchmaier und seine Ehefrau Veronika zeigten dem Energiestammtisch des Bürgervereins Chieming unter der Leitung von Karl Fritz Roll ihren vielseitigen und CO2-neutralen Betrieb. Dabei erklärten sie, wie traditionelle Landwirtschaft mit modernster Energietechnik gekoppelt werden kann. Rund 60 interessierte Gäste besichtigten den Hof.
Milchviehbetrieb
mit rund 190 Kühen
Der Hof umfasst 225 Hektar landwirtschaftliche Fläche, wovon 90 Prozent im Umkreis von drei Kilometern liegen. Davon sind 120 Hektar Ackerland und 80 Hektar Grünland. Angebaut werden Mais, Weizen, Gerste und Kleegras. Aus weiteren 25 Hektar Waldfläche, die zum Hof gehören, wurde das für den Hofumbau benötigte Bauholz gewonnen und für den Hackschnitzelbetrieb verwendet, schilderte Franz Kirchmaier beim Hofrundgang.
Das Ehepaar führt einen voll bewirtschafteten Milchviehbetrieb mit rund 190 Kühen inklusive Nachzucht. Darüber hinaus gehören Fünf-Sterne-Ferienwohnungen mit Sauna und Pool, ein Hofcafé, ein Hofladen, ein Spielplatz, ein Streichelzoo mit Ziegen und Alpakas, 350 Legehennen, Masthähnchen, Puten und Schweine sowie Bootsliegeplätze für 250 bis 300 Segelboote zum Betrieb.
Herzstück des Energiekonzepts ist eine 75-kW-Biogasanlage zur Stromerzeugung, die die Familie seit 2012 betreibt. Die Anlage wird zu 90 Prozent mit Gülle und Mist aus dem eigenen Stall sowie Futterresten betrieben. Täglich werden so rund 20 Kubikmeter Gülle und sechs Tonnen Mist und Futterreste in saubere Energie umgewandelt. Die Gärreste werden anschließend als hochwertiger Dünger auf die Felder ausgebracht, was eine geschlossene Kreislaufwirtschaft ermöglicht. Pro Jahr erzeugt der Hof rund 625.000 Kilowattstunden Strom aus Biogas und hat sich damit zu einem regionalen Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit entwickelt.
Ergänzt wird die Biomasse-Nutzung durch eine 1.200-kWp-Photovoltaikanlage auf den Dächern der Wirtschaftsgebäude und eine etwa 150-kW-Holzgasanlage zur Stromgewinnung. Insgesamt ergibt dies jährlich eine Strommenge von etwa 2,5 Millionen Kilowatt. Neben den großen Strommengen erzeugen die Biogas- und Holzvergasungsanlagen auch viel Wärme. Diese „Abwärme“ versorgt ganz Schützing mit etwa 80 Grad warmem Wasser über ein Nahwärmenetz, so Franz Kirchmaier. Ein Blockheizkraftwerk mit Holzvergasungsanlage, eine eigene Trafostation mit zwei Wechselrichtern und öffentliche Elektroladesäulen gewährleisten die effiziente Transformation der produzierten Energie in Wärmeversorgung und Stromgewinnung. In weiterer Planung sollen Elektrofahrzeuge wie ein leistungsstarker Schlepper und ein Hoflader in den hofeigenen Fuhrpark integriert werden.
„Energieproduktion war schon immer ein Hobby von mir, das ich am Moierhof umsetzen möchte“, sagte Franz Kirchmaier. Die hohen Investitionskosten sind dabei gewinnbringend angelegt, was zum Betriebsmodell des Großlandwirts gehört. Den erzeugten Strom und die Wärme nutzen die Kirchmaiers nicht nur für den Eigenbedarf des Hofs, den Wellnessbereich und das Hofcafé. Über ein hofeigenes Nahwärmenetz wird ganz Schützing beheizt. Dazu gehört auch das Gebäude des Kreisjugendrings, das einzige Gebäude im Besitz des Landkreises Traunstein, das mit Biogas-Wärme versorgt wird. „Insgesamt kann man mit dieser Menge an Strom nur aus Biogas circa 750 private Haushalte ein Jahr lang versorgen“, erklärte Betriebsleiter Franz Kirchmaier bei der Hofführung. Damit beweisen Franz und Veronika Kirchmaier eindrucksvoll, dass moderne Landwirtschaft ein verlässlicher, CO2-neutraler Energielieferant für die ganze Region sein kann.
750 Privathaushalte
werden versorgt
Dass der idyllisch gelegene Hof am Chiemseeufer ein überregionales Aushängeschild ist, belegen Großveranstaltungen wie „nextgeneration“ des Bauernverbands, die erfolgreiche Teilnahme von Veronika Kirchmaier als Oberbayern-Vertreterin bei der Landfrauenküche des Bayerischen Fernsehens in der Staffel von 2025 oder vor Kurzem als Austragungsort der Preisverleihung des Goldenen Gockels für Bayerns gastfreundlichste Ferienhöfe. Für ihren Mut, als junge Landwirte ein derart großes klimaneutrales Hofprojekt zu wagen und umzusetzen, erhielt das Ehepaar großen Applaus der Besucher.