Debatte um Zehentstadel

von Redaktion

Haager Gemeinderat einigt sich bei Dekoelement Goldstück, streitet aber um die Wandfarbe

Haag – In welche farbliche Richtung soll sich der Ostteil des Haager Zehentstadels bewegen? Genau um diese Frage ging es bei der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats am Dienstagabend. Um einen besseren Einblick zu bekommen, traf sich das Gremium zusammen mit Verwaltungsmitarbeitern sowie den Verantwortlichen des beauftragten Architekturbüros Rieger Lohmann Architekten vorab zu einem Besichtigungstermin.

Gesamtkonzept
für Innenausbau

Die Experten hatten für den Innenausbau bereits ein Gesamtkonzept vorgelegt, das sich eng an den bereits fertiggestellten Westteil anlehnt. Aus fachlicher Sicht darf das historische Baudenkmal nämlich nicht als zwei getrennte Abschnitte betrachtet werden, weshalb Grundmaterialien wie Bodenbeläge, Wandoberflächen sowie Türen im gesamten Gebäude einheitlich gestaltet werden. Die Besichtigung begann aus diesem Grund im Westteil, wo Parkett, Sichtestrich und Holzoberflächen im eingebauten Zustand begutachtet werden konnten.

Dann ging es eben in besagten Ostteil, wo das künftige Café, ein Foyer und Nebenräume entstehen sollen. In der anschließenden Sitzung sollte das Gremium über Materialien und Oberflächen für die Einrichtung abstimmen.

Drei Varianten
für Thekenoberfläche

So auch für das Goldstück. Gemeint ist damit die Theke im Café, deren Optik in der Vergangenheit für viele Diskussionen sorgte. Drei Oberflächenvarianten standen zur Diskussion: Neben einer strukturierten, matten Goldoberfläche vom Kirchenmaler konnte sich der Marktgemeinderat auch für eine Echtmetallspachtelung entscheiden. Die würde jedoch immense Mehrkosten von rund 125.000 Euro verursachen.

Und dann gab es noch die Variante mit einer homogen lackierten, reflektierenden Goldoberfläche. Die Vorteile: Das Goldstück integriert sich stärker in den Raum und steht in Wechselwirkung mit seiner Umgebung. Raumkonturen und Oberflächen spiegeln sich wider, zudem nimmt die goldene Fläche Farbnuancen des Raumes auf und verändert dadurch je nach Lichtsituation ihre Wirkung. Das Gremium folgte schließlich der ausdrücklichen Empfehlung der Architekten und stimmte auch mehrheitlich für diese Version.

Weniger einig war sich das Haager Ratsgremium hingegen bei der farblichen Grundstimmung des neuen Cafés. Die Planer stellten hierzu drei Varianten vor: ein warmes, beruhigendes Grün, ein aktivierendes, kommunikatives Rot sowie ein zeitloses, aber potenziell monotones, gedecktes Farbkonzept mit schwarzen Stuhlgestellen. Trotz eingehender Beratung konnte in der Sitzung keine mehrheitliche Entscheidung für eines der Farbschemata erzielt werden, weshalb dieser Punkt vorerst vertagt werden muss.

Hans Urban (CSU) bat hier die Architekten, dass sie in ihre Präsentation die verschiedenen Farben einfügen und dann dem Gremium nochmal zeigen. So sei es besser vorstellbar. Diesem Wunsch werden die Experten nachgehen.

Einstimmigkeit herrschte wiederum bei der Ausstattung der WC-Anlagen im Gästebereich, wo sich der Marktgemeinderat für die hochwertige Variante entschied, welche auch farblich gestaltet werden kann.

Um Besuchern von Veranstaltungen und Café-Gästen ein ansprechendes Ambiente zu bieten, sind Sanitärtrennwände aus Holz sowie farbige Wandfliesen vorgesehen, die einen Wiedererkennungswert schaffen und die Sanitärräume weniger wie öffentliche Toiletten wirken lassen, sondern wie ein Teil des Cafés/Veranstaltungsraums wahrgenommen werden.

Die Waschbecken werden als Doppelwaschtisch mit in den Unterschrank integriertem Abfallbehälter ausgeführt. Sämtliche Installationen werden durch diesen Unterschrank verdeckt. Mit wenig Aufwand entsteht so ein deutlich hochwertigeres Ambiente. Darüber hinaus ermöglicht ein Spiegelschrank die Integration von Seifen- und Papierhandtuchspendern, wodurch auch hier ein aufgeräumtes und hochwertigeres Erscheinungsbild entsteht.

Das Besondere an diesem Beschluss ist laut Architekten auch seine relative Budgetneutralität: Die Mehrkosten für den Unterschrank von etwa 1.250 Euro und den Spiegelschrank für rund 1.550 Euro werden durch Einsparungen bei den Trennwänden kompensiert. Statt der im Westteil verbauten Industrieausführung wird eine Schreinerausführung aus Holzwerkstoffplatten gewählt, was eine Ersparnis von 4.000 bis 5.000 Euro einbringt.

Zweckmäßige
Standardausrüstung

Der Personalbereich erhält hingegen plangemäß eine zweckmäßige Standardausstattung. Die Waschtische sowie sämtliche Zusatzkomponenten, wie Seifen- und Papierhandtuchspender oder Abfallbehälter, werden dabei einzeln an den Wänden montiert und nicht in ein durchgängiges Möblierungskonzept integriert.

Bevor der Marktgemeinderat letztlich aber final das Bemusterungskonzept freigab, kamen noch zwei Einwände aus dem Gremium. Rosmarie Heimann (PWG) plädierte dafür, dass der Fußboden in der Küche nicht wie vorgesehen schwarz sein soll. Flecken und Kratzer seien darauf deutlich sichtbarer. Tom Göschl (SPD) schlug vor, die Tische künftig auf Rollwagen zu lagern, um ihren Transport deutlich zu erleichtern.

Möbellager
im Nebenraum

Eine weitere Empfehlung äußerte er bezüglich des Nebenraums, der als Möbellager dienen soll. Hier sprach er sich gegen die vorgesehenen Holzwände aus. Da beim Bewegen von Tischen und Stühlen schnell Schrammen entstehen können, seien Holzwände zu empfindlich und schwer zu reparieren.

Stattdessen empfahl er eine Alternative wie Rigips: Entstehen dort beim Transport Kratzer, lassen sie sich einfach überstreichen. Die beiden Anmerkungen wurden in den Beschluss aufgenommen.

Artikel 8 von 11