Schnaitsee – In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Gemeinderat intensiv mit dem neuen Bebauungskonzept „Südlich des Mitterwegs“. Im Rahmen eines Sachstandsberichts wurde das ambitionierte Planungskonzept vorgestellt, das künftig Platz für sieben neue Bauparzellen bieten soll.
Der „Bauturbo“ als
rechtlicher Rückenwind
Damit das Projekt zügig voranschreiten kann, soll eine neue Grundlage angewandt werden. Wie die Verwaltung in der Sitzungsvorlage ausführte, greift hier das seit dem 30. Oktober 2025 in Kraft getretene „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“, besser bekannt als Bauturbo.
Dieser Paragraf 246e im Baugesetzbuch fungiert als eine Art Experimentierklausel. Er soll die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum spürbar erleichtern und beschleunigen – und das, ohne die kommunale Planungshoheit oder die Rechte der Nachbarschaft unangemessen zu beeinträchtigen. Die Klausel ermöglicht es den Kommunen, flexibel von den starren Regelungen des Baugesetzbuchs, der Baunutzungsverordnung sowie städtebaulichen Satzungen abzuweichen.
Mischung aus Einzel-
und Doppelhäusern
Nach ersten Abstimmungsgesprächen mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde am Landratsamt Traunstein wurde für die bereits erworbene Fläche ein konkretes Konzept ausgearbeitet. Die Planung sieht eine ausgewogene Mischung für das Areal im Bereich südlich des Mitterwegs vor. Insgesamt sollen sieben Parzellen entstehen, darunter zwei Doppelhausgrundstücke mit Flächen zwischen 439 und 527 Quadratmetern. Außerdem sind drei Einzelhäuser geplant mit einer Grundstücksfläche zwischen 527 und 621 Quadratmetern.
Die baulichen Vorgaben sind präzise gesteckt: Erlaubt sind zwei Vollgeschosse mit einer seitlichen Wandhöhe von maximal 5,75 Metern, gemessen ab der Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss. Für die klassischen Satteldächer sind Dachneigungen zwischen 20 und 26 Grad zulässig. Um die Parksituation nicht zu belasten, müssen pro Wohneinheit zwei Stellplätze nachgewiesen werden. Bei den Einzelhäusern gilt zudem eine Obergrenze von maximal zwei Wohneinheiten pro Gebäude. Auch die Höhenlage der Gebäude sowie mögliche Geländeänderungen für jede einzelne Parzelle wurden bereits festgesetzt.
Mit dem Neubauprojekt wird auch die verkehrstechnische Erschließung angepasst. Der Mitterweg soll entlang der sieben neuen Bauparzellen um eineinhalb Meter verbreitert werden, um eine zeitgemäße Gesamtbreite von fünfeinhalb Metern zu erreichen.
Rechtssicherheit für
Gemeinde und Käufer
Um das Projekt rechtlich absolut sicher auf die Beine zu stellen, hat die Gemeinde bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde bereits eine offizielle Bauvoranfrage eingereicht. Der bereits vorliegende Vorbescheid dient zusammen mit dem Bebauungskonzept „Südlich des Mitterwegs“ als verbindliche Grundlage für die anstehenden Notarverträge zwischen der Gemeinde Schnaitsee und den potenziellen Grundstückskäufern.
Wer Letztere sein werden, das grenzte Bürgermeister Thomas Schmidinger (CSU) auch ein: „Uns ist wichtig, dass hier heimische Leute wohnen oder welche die einen Bezug zu Schnaitsee haben.“ Wie das Vergabeverfahren genau aussehen wird, könne der Rathauschef aber noch nicht sagen. Dazu müssen erst noch Gespräche geführt werden.
Zum Bebauungskonzept an sich bestand in der Sitzung kein Diskussionsbedarf. Vielmehr interessierten sich die Mitglieder für die Anwendung des Bauturbos. Dr. Korbinian Wäsle (ÜWG) wollte wissen, wie entschieden werde, wann dieser zum Einsatz komme. Hierzu erklärte Schmidinger, dass jeder Einzelfall genau untersucht und dann entschieden werden muss. Die Gemeinde müsse zudem eine Art „Gerüst“ erstellen, in dem die Schritte genauer festgelegt sind.
Matthias Maier (ÜWG) meldete sich daraufhin zu Wort. „Wenn die Gemeinde sich erst noch ein Gerüst für die Anwendung geben muss, warum werde dann jetzt schon vorab über einen Einzelfall entschieden“, erkundigte er sich. Darauf antwortete Schmidinger, der Bauturbo laufe nur bis 2030 und daher gelte es, schnell zu handeln. Mit dieser Maßnahme würde man sich Zeit sparen, denn das Gebiet müsse ebenso bis 2030 bebaut werden, um die Erschließungskosten möglichst günstig zu halten. Außerdem wurden grundlegende Aspekte des Projekts bereits im alten Gemeinderat ausführlich besprochen.
Bewerbungen können eingereicht werden
Das Gremium zeigte sich geschlossen überzeugt von den Plänen. Mit der einstimmigen Kenntnisnahme des Sachstandsberichts wurde somit ein weiteres wichtiges Etappenziel für das neue Quartier am Mitterweg vorgenommen.
Geheimhaltung
entfällt
Wie Bürgermeister Schmidinger auf Anfrage bekannt gibt, wurden die Grundstückspreise noch am selben Abend im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung behandelt. Dabei wurde auch festgelegt, dass deren Geheimhaltung entfalle.
Der Grundstückspreis pro Quadratmeter liegt laut dem Bürgermeister demnach zwischen 520 und 550 Euro. Die Erschließungskosten sind hier nicht einberechnet. Außerdem gibt es gute Nachrichten für Interessenten: Denn die können sich ab sofort bis zum 20. Juli bewerben. Die E-Mail-Adresse lautet: bauamt@schnaitsee.de. Bei weiteren Fragen steht ebenso das Schnaitseer Bauamt zur Verfügung. Ein Überblick soll zudem noch auf der Gemeindehomepage veröffentlicht werden sowie in den Gemeindenachrichten.