Mühldorf/Altötting – Es ist das wohl größte Beachvolleyball-Spektakel Bayerns, wenn am kommenden Wochenende die besten Teams der Welt nach Ebersberg zu den Beach Open kommen. Die Weltranglisten-Ersten aus Norwegen, die Olympiasieger von Paris, die Dritten der Weltrangliste aus Schweden und die Olympiazweiten von 2024, Nils Ehlers & Clemens Wickler. Beachvolleyball auf allerhöchstem Niveau also, der da am 13. und 14. Juni in Eberberg geboten wird.
Trainingsdefizit
ist nicht aufzuholen
Eigentlich mit dabei: Kilian Nennhuber aus Altötting (21), der sein Volleyball-Handwerk in Mühldorf gelernt hat und als Hallenspieler in der vergangenen Saison zum TV Grafing gewechselt war. Zumindest sollte er mit seinem Spielpartner Flo Schweikart in einem der drei bayerischen Teams antreten. Doch daraus wird jetzt nichts. Vor acht Wochen erlitt der 21-Jährige einen schweren Verkehrsunfall in Barcelona. Schweren Herzens entschied er sich nun: „Ich mache den Platz frei für einen anderen Spieler.“ Zwar schreite die Genesung voran, er habe auch schon wieder Turniere gespielt. „Aber das Trainingsdefizit ist einfach zu groß!“
Das ist umso bitterer, da Kilian Nennhuber, der als begnadetes Annahme-Ass gilt, in der Vorrunde die Olympiasieger von Paris, David Åhman und Jonatan Hellvig aus Schweden, als Gegner gehabt hätte. „Eine Chance, die sich nicht jeden Tag bietet“, weiß auch Nennhuber. „Aber es hilft nichts.“ Zu groß ist der Trainingsrückstand.
Was war passiert? Der 21-Jährige verbrachte vor acht Wochen seinen Urlaub in Spanien, unternahm mit seiner Freundin auf einem Roller eine Stadtrundfahrt durch Barcelona und kollidierte frontal mit einem Bus. „Wie genau der Unfallhergang war, weiß ich nicht mehr. Meine Freundin und ich hatten beide eine Gehirnerschütterung, konnten uns nicht mehr daran erinnern“, erzählt Kilian Nennhuber.
Doch der Zusammenstoß muss heftig gewesen sein. Während seine Freundin als Beifahrerin lediglich einen Bänderriss erlitten hatte, brach sich Nennhuber den Kiefer und zog sich eine tiefe Platzwunde am Bein zu, „die ging bis auf den Knochen“. Er musste genäht werden. Für Nennhuber stand fest: Ebersberg kann er sich abschreiben. Zu heftig waren die Verletzungen. Doch er erholte sich gut, musste sich mehreren Zahnbehandlungen unterziehen. Und auch die Wunde am Bein verheilte relativ gut. Vor zwei Wochen versuchte es der Altöttinger, der mit dem deutschen Meistertitel im Beachvolleyball-Meister der U18 im Jahr 2021 seinen bislang größten Erfolg gefeiert hatte, dann schon wieder im Sand. Zunächst bei einem Turnier in Lenggries. Unter größter Sorgfalt, die Naht einbandagiert.
Eine Woche vor dem Mega-Event in Ebersberg stand er dann genau dort, wo er gegen die Schweden ran sollte, im bereits aufgebauten Stadion. Mit seinem Spielpartner Flo Schweikart sprang beim topbesetzten DVV-Premium-Turnier am Ende nur ein enttäuschender 13. Platz heraus. Einen Tag später beim Beach-Masters in Lohhof, einem Kategorie-2-Turnier, reichte es dann knapp nicht zum Turniersieg. Nennhuber und Schweikart wurden Zweite. Die Platzierung zeugt zwar von einem starken Aufwärtstrend, doch die Hiobsbotschaft ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem er mit dem verletzten Bein an der Linie hängengeblieben war, schmerzte es erneut. Jetzt macht ihm eine Kapselverletzung einen Strich durch die Rechnung, bei seinem Plan, sich Wettkampfpraxis bei Turnieren zu holen und in Form zu kommen.
Ebersberg hatte er aber schon lange abgehakt. Kein Duell gegen die Weltmeister von 2022 aus Norwegen, Anders Mol und Christian Sorum. Kein Tête-à-Tête mit den Vize-Weltmeistern von 2025, Jacob Hölting Nilsson und Elmer Andersson aus Schweden. Und natürlich hätte es auch seinen Reiz gehabt, die deutschen Silbermedaillengewinner in Paris, Nils Ehlers und Clemens Wickler, zu treffen. Doch Nennhuber hat abgesagt, will stattdessen einem Spieler den Vorzug geben, der topfit ist und seinen Platz neben Flo Schweikart einnehmen wird.
Fokus liegt jetzt auf
der Quali für die EM
Er selbst wird sich die Spiele in Ebersberg nicht ansehen. „Das spare ich mir!“ Zu tief sitzt die Enttäuschung. „Aber vielleicht klappt es ja ein anderes Mal.“ Mit seinen 21 Jahren sei er auch noch jung. Statt der Beach Open in Ebersberg plant er einen Kurzurlaub in Italien, und gönnt sich Zeit zur Regeneration.
Den Fokus auf Beachvolleyball behält er bei: Vom 22. bis 24. Juni will er zusammen mit Valentin Schneckenburger den Titel bei der deutschen Hochschulmeisterschaft verteidigen, um sich damit für die Europameisterschaft im nächsten Jahr zu qualifizieren. In der Woche vor den Beach Masters in Mühldorf (27./28. Juni) also die optimale Vorbereitung. Und Nennhuber verspricht: „In Mühldorf wollen wir dann g‘scheit angreifen!“