Neue Tagesklinik für Suchtkranke

von Redaktion

Am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg können Suchtkranke nun auch ambulant behandelt werden. Chefarzt Dr. Aljoscha Spork erklärt, warum dieser Schritt Sinn macht und für wen diese Art der Behandlung nicht infrage kommt.

Wasserburg – Neue Wege für Suchterkrankte geht das kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg. Seit Anfang Juni gibt es eine Tagesklinik für Suchterkrankungen am Standort Gabersee. In einer Pressemitteilung erklärt das Klinikum, so auf den steigenden Bedarf an niederschwelligen und alltagsnahen Therapieformen zu reagieren.

Denn „Suchterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt und betreffen oft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Familien und das soziale Umfeld massiv“, erklärt Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums. Die neue Tagesklinik soll ein wichtiges Bindeglied zwischen ambulanter und stationärer Therapie darstellen.

Die Patienten verbringen den Tag in einem strukturierten therapeutischen Rahmen und kehren abends wieder nach Hause zurück. „Gerade dieser unmittelbare Bezug zum eigenen Lebensumfeld gilt in der modernen Suchtmedizin als wichtiger therapeutischer Faktor“, sagt Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt des Fachbereichs Suchtmedizin am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.

Auch die Wochenenden verbringen die Patienten zu Hause, erklärt Spork auf Anfrage. Und das hat Vorteile. Die Erkrankten würden auch während ihrer suchtspezifischen Therapie mit den Herausforderungen des normalen Lebens konfrontiert sein. So können in der Behandlung gelernte Verhaltensweisen unmittelbar im Alltag angewendet werden. Patienten sehen sofort, ob sie praktisch und wirksam seien, erklärt Spork.

Doch auch im privaten Umfeld können Gefahren für Suchterkrankte lauern. Deswegen müssen Patienten laut dem Chefarzt eine gewisse Stabilität und Abstinenzfähigkeit besitzen, um eben in ihrem unverändert lebenden Umfeld stabil und abstinent bleiben zu können.

Wenn eine Suchterkrankung jedoch mit schweren körperlichen und psychovegetativen Begleiterscheinungen – wie Entzugsdelirien, Psychosen oder Krampfanfällen – verbunden ist, kann auch eine stationäre Behandlung erforderlich sein, erklärt Spork. Je nach Suchterkrankung könne auch erst mit einer ambulanten Therapie begonnen und bei Bedarf auf eine vollstationäre gewechselt werden, erklärt der Chefarzt. Dabei besonders wichtig: „Eine Suchtbehandlung sollte immer die individuellen Lebensumstände des Patienten berücksichtigen. Die Behandlung muss sich dem Patienten anpassen und nicht andersherum“, betont der Chefarzt.

Das neue Angebot am Standort Gabersee komme bereits gut an, sagt Spork. „Wir konnten bereits die ersten qualifizierten Entzugsbehandlungen erfolgreich abschließen. Diese Patienten beginnen nun mit der Entwöhnungsbehandlung, also dem zentralen Baustein der Suchttherapie, während der sie sich intensiv mit den Ursachen und Auslösern ihrer Sucht auseinandersetzen und Strategien zur Rückfallvermeidung erlernen.“

Insgesamt hat die Tagesklinik vier Plätze. Behandelt werden laut Pressemitteilung sämtliche stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen – darunter Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit – ebenso wie stoffungebundene Verhaltenssüchte. Die Behandlung verbindet medizinische, psychotherapeutische sowie sozialtherapeutische Elemente in einem multiprofessionellen Setting.

Dabei werden laut Angaben der Klinik auch Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, ADHS, Persönlichkeitsstörungen oder psychotische Erkrankungen umfassend diagnostisch und therapeutisch berücksichtigt. „Viele Menschen mit einer Suchterkrankung leiden gleichzeitig unter weiteren psychischen Belastungen oder Erkrankungen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Abhängigkeit isoliert zu behandeln, sondern die gesamte psychische Situation der Betroffenen in den Blick zu nehmen“, sagt Spork.

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