Zwangsabstieg der Löwen: Fan bleibt Verein treu

von Redaktion

Christian Stadler, Stadtrat in Wasserburg, ist bekennender Fan des TSV 1860 München. Nach dem Zwangsabstieg seines Vereins bleibt er den Löwen treu und erklärt, warum der sonst so sachliche Kommunalpolitiker emotional wird und einen symbolträchtigen Schritt vollzogen hat.

Wasserburg – Bauexperte, Kommunalpolitiker, überzeugter Radfahrer – und Fan der Münchener Löwen: Das ist Christian Stadler aus Wasserburg. Der Stadtrat, der sich in der Öffentlichkeit und in den sozialen Netzwerken fast nur zu politischen oder fachlichen Themen äußert, macht bei einem Punkt eine Ausnahme: wenn es um die Münchener Löwen geht. Dann ist er ganz Fan, ein leidenschaftlicher. Wie geht es ihm emotional, jetzt, nachdem der Zwangsabstieg klar ist? Überraschende Antworten.

Herr Stadler, wie ist Ihre Gemütslage seit dem Horror-Tag, an dem der Zwangsabstieg feststand?

Christian Stadler: Meine Gemütslage ist so stabil, dass ich mich, ehrlich gesagt, selbst darüber wundere. Natürlich ist die aktuelle Situation für den Verein mal wieder schwierig und vor allem noch deutlich herausfordernder als beim letzten Zwangsabstieg vor neun Jahren. Wichtig ist aber, dass man diesmal die Chance auf einen echten Neustart nutzt – und der kann nur ohne den bisherigen Investor gelingen. Ein wie auch immer gearteter „Neuanfang“ mit dem Investor wäre von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil wir dann auf absehbare Zeit wieder am gleichen Punkt anlangen würden wie jetzt.

Was sind in Ihren Augen Fehler, die gemacht wurden?

Stadler: Die Wurzel allen Übels war und ist aber nicht Hasan Ismaik, sondern das war die Beteiligung an der viel zu großen und nicht finanzierbaren Allianz-Arena als gleichberechtigter Gesellschafter. Dieser Kardinalfehler wurde ohne Not und gegen zahlreiche Widerstände aus der Fanszene mit teilweise haltlosen Versprechungen (finanziert sich von selbst, wir haben eine Abstiegsversicherung) durchgedrückt. Alles, was danach an teilweise fatalen Fehlern kam – also der viel zu günstige Verkauf der Stadionanteile, die Unterzeichnung eines ruinösen Mietvertrags und eben in letzter Konsequenz der Anteileverkauf an einen Investor, der ohne Ahnung, dafür aber mit völlig falschen Vorstellungen in die Sache reingestolpert ist – waren Entscheidungen aus höchster Not heraus, zwar grundsätzlich falsch, aber irgendwo noch mit akuten Notlagen erklärbar.

Sehen Sie eine Chance auf baldige Rückkehr?

Stadler: Was aktuell Hoffnung macht, ist einerseits, dass die Vorstandschaft des e.V. den Eindruck vermittelt, dass man von der aktuellen Lage nicht ganz unvorbereitet getroffen wurde. Andererseits natürlich der Zusammenhalt und die Loyalität der Fans. Offensichtlich gab es innerhalb der letzten Woche schon mehr als 600 Neumitglieder. Andere, darunter auch ich, haben ihre bisherige Mitgliedschaft in eine Lebenszeitmitgliedschaft umgewandelt. Was es jetzt noch braucht, ist zur Abwechslung mal Geduld. Natürlich muss das Ziel sein, möglichst bald wieder aufzusteigen. Aufgrund der derzeitigen Gemengenlage ohne gültige Verträge beim e.V., möglicher juristischer Auseinandersetzungen mit Hasan Ismaik undsoweiter, ist jedoch nicht davon auszugehen, dass dies gleich im ersten Jahr gelingen wird. Bei allen genannten Unwägbarkeiten bleibt aber immerhin eine Gewissheit: Langweilig wird es uns mit den Löwen auch in Zukunft nicht.

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