Wasserburg – Beim Wasserburger Stadtbus soll sich etwas ändern. Denn: „Wir haben hier zwei größere Eckpunkte“, erklärte ÖPNV-Beauftragter Andreas Hiebl in der jüngsten Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses. Zum einen läuft der bisherige Verkehrsvertrag aus. Dieser soll bis Ende 2028 verlängert werden. Ein neuer Vertrag, der ab Ende 2028 oder Anfang 2029 gelte, müsse europaweit ausgeschrieben werden.
Zum anderen soll die Pünktlichkeit des Stadtbusses verbessert werden. Eines der „größten Probleme“ sei laut Hiebl die begrenzte Umlaufzeit. Durch knapp bemessene Fahrzeiten und ein hohes Verkehrsaufkommen würde sich der Bus zu Stoßzeiten häufig verspäten und infolgedessen würden die Fahrgäste den Zug in Reitmehring nicht mehr erwischen.
Hiebl schlug vor, dass der Bus durchs Burgerfeld in Form einer Schleife verkehren sollte. So würde er in Richtung Badria wie gewohnt fahren, bei der Rückfahrt solle er jedoch direkt über die Rosenheimer Straße zum Gimpelberg fahren und so zwei Haltestellen, zehn „Rechts-vor-links“ und das Abbiegen von der Ponschabaustraße in die Rosenheimer Straße einsparen. „Das macht rund 1,5 bis zwei Minuten Zeitersparnis aus“, sagte Hiebl.
So müssten Fahrgäste aus dem Burgerfeld, die zum Bahnhof wollen, jedoch schon früher in den Bus einsteigen. Zudem könnten Bürger, die in den Supermärkten nahe der Priener Straße einkaufen, nicht mehr mit dem Bus ins Burgerfeld fahren, räumte Hiebl ein. Die Verwaltung schlage deswegen vor, dass nur jeder zweite Bus die Schleifenfahrt über die Rosenheimer Straße fahren soll. Sollte es in Reitmehring aufgrund des Bahnübergangs zu Stau kommen, soll der Bus, wie er es teilweise bereits tut, über die Bahnhofstraße zum Bahnhof fahren. Ansonsten sei jedoch die Münchner Straße zu bevorzugen, so Hiebl. Am Samstag soll der Bus zudem bis mindestens 16 Uhr im Halbstundentakt verkehren.
Viel Zeit in Anspruch nehme zudem, dass der Busfahrer Fahrkarten verkaufe und kontrolliere. „Derzeit fehlen vom MVV noch die technischen Voraussetzungen für einen automatischen Kartenverkauf im Bus“, sagte Hiebl. In Rosenheim soll jedoch ein bargeldloser Verkauf in eine Testphase starten. Diesen Versuch will die Stadt Wasserburg noch abwarten, erklärte der ÖPNV-Beauftragte.
Damit Fahrgäste auch in Zukunft den Bus in Richtung Stadt in Reitmehring gesichert erreichen können, soll es feste Wartezeiten geben, so Hiebl. Eine Fahrplanänderung soll so bald wie möglich in Kraft treten, sagte der ÖPNV-Beauftragte. Im Zuge der neuen Vertragsvergabe sollen zudem zwei E-Busse und ein dritter, anders angetriebener Bus zum Einsatz kommen, so Hiebl.
Der Stadtbus wird laut Hiebl von immer mehr Bürgern benutzt.
Während 2019 noch rund 1.000 Fahrgäste an einem Werktag den Stadtbus benutzten, waren es laut aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2025 bereits 2.200 bis 2.300 Fahrgäste an einem Tag unter der Woche. Auch in den Ferien und an Samstagen fahren rund 1.500 Personen mit dem Stadtbus. An Sonn- und Feiertagen waren es fast 900 Fahrgäste.
Aufgabe des
Landkreises
Bürgermeister Bastian Wernthaler (parteilos) erklärte, dass der öffentliche Nahverkehr Aufgabe des Landkreises sei. Dass der Stadtbus im Halbstundentakt fahre, stelle die Stadt Wasserburg auf freiwilliger Basis zur Verfügung.
Norbert Buortesch (Bürgerforum) sagte, dass in einem Antrag des Bürgerforums eigentlich beschlossen wurde, der Bus solle am Samstag nicht nur bis 16 Uhr, sondern bis 19 Uhr im Halbstundentakt fahren.
Christian Stadler (Grüne) freute sich über den zukünftigen Einsatz von E-Bussen, störte sich aber an der Schleifenfahrt durch das Burgerfeld. Dadurch gehe die einheitliche Linie durch die Stadt verloren, sagte er. Er schlug vor, im Bereich der Brunhuber Straße zwei Parkplätze zu streichen, so könne der Bus besser abbiegen. „Zudem könnte man auf der Busroute die Vorfahrt ändern. Dann ist das Rechts-vor-Links kein Thema mehr“, sagte er. An der Kreuzung Ponschabaustraße und Rosenheimer Straße könnte eine Ampel, die sich nur dann einschalte, wenn der Bus komme, den Verkehr regeln. Zeit gewinnen könnte der Bus auch, wenn er manchmal schon bei der Priener Straße umkehre und das Badria nicht mehr anfahre, sagte Stadler. „Das ist dann eine Verschlechterung des Angebots“, räumte er ein. Bürgermeister Wern- thaler sagte, die Vorfahrt zu ändern, mache „viel Sinn“, das Badria nicht immer anzufahren hingegen sei weniger sinnvoll. Stadler meinte, das würde dann nur diejenigen treffen, die direkt vom Bahnhof in Reitmehring zum Badria fahren würden. „Das sind weniger Leute als die, die von der Priener Straße ins Burgerfeld wollen“, sagte er. Armin Sinzinger (Wasserburger Block) setzte sich dafür ein, die Fahrkartenkontrolle und den Barverkauf durch die Busfahrer abzuschaffen. Wernthaler sagte dazu, dass der MVV derzeit noch vorschreibe, wenn es keine Automaten gebe, dass der Busfahrer die Karten verkaufen müsse. Auch der Bürgermeister meinte, dass hier jedoch viel Zeit eingespart werden könne. Fahrkarten könnten zudem weiterhin im Bürgerbüro mit Bargeld gekauft werden.
Letztlich beschloss der Bauausschuss einstimmig, dass das neue Vergabeverfahren eingeleitet werden soll. Zudem soll der Bus auch samstags bis 19 Uhr im Halbstundentakt fahren. Zur Verbesserung der Pünktlichkeit sollen alternativ die Schleifenfahrt durchs Burgerfeld oder das Wegfallen der Haltestelle Badria betrachtet werden. Des Weiteren kann die Pünktlichkeit durch eine Vorfahrtsregelung entlang der Buslinie sowie die Beseitigung von Parkplätzen verbessert werden. Der Ausschuss war sich einig, dass der Busfahrer keine Tickets mehr gegen Bargeld verkaufen soll, sobald das rechtlich möglich ist.