Rechtmehring – Sie ist verhüllt und dennoch ist es nicht zu übersehen: Die Pfarrkirche Rechtmehring wird renoviert. Der Vorlauf dauerte lange. Bereits 2014 stellte die Pfarrei hier die erste Anfrage, so Kirchenpfleger Friedl Köbinger. Nach ausführlichem Hin und Her kam zehn Jahre später, im Oktober 2024, die Zusage. Rund 2,5 Millionen Euro kostet die Maßnahme.
Köbinger erklärt, was gemacht wird. „Beginnen wir oben an der Kuppel. Diese besteht aus Kupfer und ist an einigen Stellen schadhaft. Nach erster Einsicht kann die Blechzwiebel erhalten werden“, so der Kirchenpfleger.
Schadhafte Stellen der Blechhaut können hoffentlich repariert werden. Sicher sei das jedoch bisher nicht. Das Kupferblech wird von einer umfangreichen Holzkonstruktion – der Turmzwiebel – getragen. Die Zwiebel ist weitgehend intakt und wird nur an einigen Stellen ausgebessert.
Mauer des Turms
wird abgedampft
Hier oben im Turm befindet sich die sogenannte „Karfreitags-Ratschn“, ein altes Klapper-Instrument aus Holz. Die Ratsche ist unversehrt und soll dort oben bleiben. Stets zu Karfreitag wird diese von zwei Personen bedient.
Im Inneren des Turmes gibt es ebenfalls einige beschädigte Stellen, die natürlich ausgebessert werden. Die Holztreppe, die von der Sakristei über das sogenannte „Standl“ im Turminneren auf den Turm führt, ist an mehreren Stellen ramponiert und wird wieder ertüchtigt. Das Mauerwerk des Turmes wird außen mit Heißdampf abgewaschen. Deswegen ist der Turm seit einigen Wochen verhüllt. Vor allem an der West- und Nordseite haben Farbanstrich und Putz teilweise größere Schäden. Der Hagelschlag 2021 hatte hier deutliche Spuren hinterlassen.
Das Mauerwerk des Turms nimmt zunehmend Schaden, weil es ungeschützt und teilweise beschädigt ist. Am Traufgesims des Turms haben vor etlichen Jahren Industriekletterer lose Teile entfernt. An der Süd- und Ostseite ist die Situation besser. Der Fassade des Kirchenschiffes geht es ähnlich. Auch hier sind Nord- und Westseite viel stärker renovierungsbedürftig als die Süd- und Ostseite.
Das Dach des Kirchenschiffes ist mit „Kirchenbiber“, einer besonderen Art von Dachziegeln, eingedeckt. Im Firstbereich und im Traufbereich ist dieser Dachbelag besonders mitgenommen. Nun wird das gesamte Dach mit neuen Biberschwanzziegeln eingedeckt. Was darunter an eventuellen Schäden auftaucht, wird erst nach Abdeckung der alten Ziegel sichtbar werden.
Am Dachstuhl des Langhauses (Süd und Nord) ist zuletzt im Jahr 2014 eine statische Notmaßnahme an den desolaten Fußpunkten der Dachgebinde um den Turmanschluss erfolgt. Ebenso an einigen Firstpunkten. Versteifungsmaßnahmen wurden umgesetzt.
Etliche der bei einer früheren Reparaturmaßnahme – vor 2014 – neu eingebauten Hölzer sind inzwischen verrottet. Die Auflagepunkte der Dachkonstruktion sind nicht belüftet, die Hölzer sind im Auflagerbereich eingemauert. Damit ist keine Luftumströmung vorhanden und das Holz vermodert. Insbesondere die tragenden Teile der Dachkonstruktion im Chorraum sind stark geschädigt. Hier dringt Wasser ein. Erfahrene Zimmerer beheben die Schäden.
Aufwendig war die Säuberung des „Kirchen-Dachbodens“, also des Bereichs zwischen Gewölbe und Dachhaut, wie der Kirchenpfleger erklärt. Und die Gewölbe, die Mauern und das Gebälk wurden gründlich gereinigt. Erst danach war es möglich, nach Rissbildungen im Mauerwerk zu suchen. Die Wand- und Gewölbeoberflächen im Kircheninnenraum befinden sich insgesamt in einem altersgemäß guten Zustand, so Köbinger. Lediglich in der Sockelzone befanden sich insbesondere auf der Nord- und Westseite Salzausblühungen und Putzschäden. Diese wurden bereits in den vergangenen Monaten ausgebessert und abgedichtet.
Die Kirchenverwaltung um Kirchenpfleger Friedl Köbinger begleitet die Maßnahmen zusammen mit dem Architekturbüro Spaenle aus München, das seit über 25 Jahren die Pfarrei bzw. die Kirchenstiftung Rechtmehring in verschiedenen Baumaßnahmen unterstützt. Auch mit der Baubetreuung ist das Architekturbüro Spaenle beauftragt. Die Kirchenverwaltungsmitglieder Inge Bauer, Max Reger und Franz Manzinger stehen in engem Austausch mit Bauleiter Marijan Brekalo sowie Kirchenpfleger Köbinger. Veranschlagt sind 2,5 Millionen Euro für die Maßnahmen.
Eigenmittel
der Pfarrei
Eine große Summe, die das Ordinariat der Erzdiözese München-Freising nur genehmigt hat, weil die Pfarrei 15 Prozent Eigenmittel bereitstellen kann. Schützenhilfe kam durch die Gemeinde Rechtmehring, die schon vor Längerem die Summe von 150.000 Euro zugesagt hat. Dazu kommt die Versicherungssumme aus dem Hagelschaden von 2021. Die Reparatur wurde aufgeschoben, weil die Kirchenrenovierung bereits absehbar war. Mit Eigenmitteln aus dem Haushalt der Pfarrei Rechtmehring kann der Eigenanteil gestemmt werden.