Bürgermeister „baff“ über Messergebnisse

von Redaktion

Weil in Wasserburg immer wieder Autos zu schnell fahren sollen, hat die Stadt die Aufstellung fester Blitzer geprüft. Probemessungen an drei Standorten lieferten jedoch widersprüchliche Ergebnisse. Nun soll ein Sachverständiger für Klarheit sorgen, nachdem sich der Bürgermeister über die Resultate „baff“ zeigte.

Wasserburg – Wird in Wasserburg gerast? Ja, meinte zumindest der Wasserburger Stadtrat vergangenes Jahr. Auf Antrag der Grünen hat schon im April 2025 der Stadtrat entschieden, an drei Standorten in Wasserburg Probemessungen durchzuführen, um daraufhin einen festen Blitzer zu installieren.

Wasserburg misst
an drei Standorten

Wie Bauamtsmitarbeiter Thomas Rothmaier in der jüngsten Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses erklärte, waren zwischen Mitte Juni und Anfang August 2025 kleine Topo-Boxen der Stadt in der Salzburger Straße auf Höhe des Gymnasiums, in der Rosenheimer Straße Höhe Klosterweg (Mittelschule) und auf der B304/Münchner Straße rund 200 Meter hinter der Ortstafel von Reitmehring installiert. Hierbei hätten einige Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerorts um mehr als sechs km/h überschritten. Eine Vergleichsmessung des Zweckverbands Kommunaler Dienst Oberland (ZKDO) vom März 2026 ist laut Rothmaier jedoch zu anderen Ergebnissen gekommen. Demnach hätten beim Gymnasium nur rund 2,4 Prozent der Autos die Geschwindigkeitsgrenze überschritten, bei der Mittelschule seien es sogar nur 0,04 Prozent gewesen. „Die Verstöße waren hier gering. Deswegen darf kein Blitzer aufgestellt werden“, erklärte Rothmaier. Auf der Münchner Straße fuhren rund 11,5 Prozent zu schnell. „Auffällig dabei war, dass die Autos nicht in Richtung München, sondern ortsauswärts in Richtung Wasserburg zu schnell dran waren – und das hauptsächlich zwischen 20 und 6 Uhr“, sagte Rothmaier. Ein stationärer Blitzer wäre hier zulässig.

Um diesen aufzustellen, müsste die Stadt dort Grund kaufen. Der Bau einer Blitzersäule kostet laut Rothmaier rund 30.000 Euro. Hinzu kommen noch Kosten für das Fundament sowie den Stromanschluss. Den laufenden Betrieb würde der Zweckverband abwickeln. Dieser stelle auch die Messtechnik bereit, wofür derzeit 125 Euro Gebühren pro Tag und Messrichtung berechnet würden. Das wären rund 91.000 Euro pro Jahr. Hinzu komme eine Fallpauschale von vier Euro. „Dafür erhält die Stadt sämtliche Einnahmen aus den Verwarnungs- und Bußgeldern“, erklärte Rothmaier.

Wolfgang Janeczka (SPD) stellte die Frage, ob sich ein stationärer Blitzer wirtschaftlich rechne. Bürgermeister Bastian Wernthaler (parteilos) entgegnete dazu, dass die Wirtschaftlichkeit bei einem Antrag dafür keine Rolle spielen dürfe. Über die Ergebnisse war er dennoch ziemlich „baff“. „Ich war mir sicher, dass die Leute in der Stadt zu schnell fahren“, sagte er.

Messgeräte
waren geeicht

Christian Stadler (Grüne) fasste noch einmal die vergangenen Ereignisse zusammen: Zwar habe bereits die Polizei gemeint, an den betroffenen Stellen fahre niemand zu schnell. „Wir haben aber damals schon gesagt, dass ein großer Blitzer sehr auffällig ist und sich das in der Stadt schnell herumspricht“, erklärte Stadler. „Dann hatte die Stadt mit geeichten Topo-Boxen gemessen. Hier kam raus, dass die Leute zu schnell fahren. In der Rosenheimer Straße waren es sogar mehr Autos, die zwischen 60 und 70 km/h gefahren sind, als 50 km/h.“

Anschließend messe der Zweckverband und komme auf ein anderes Ergebnis. „Das ist eine Verarsche“, sagte Stadler. „Ich weiß nicht, wieso man in der Verwaltung automatisch davon ausgeht, dass unsere Messungen falsch waren.“

Rothmaier sagte daraufhin, dass die Geräte vom Zweckverband zweimal im Jahr geeicht würden. Und auch die Polizei habe der Stadt gegenüber gesagt, dass hier nicht zu schnell gefahren werde. „Mich würde es wundern, wenn uns etwas Falsches vorliegen würde“, sagte er.

„Wir brauchen ein valides Ergebnis“, sagte Dr. Ursula Winkler-Budenhofer (FWRW) und schlug vor, dem Fehler erst einmal auf den Grund zu gehen. Auch Norbert Buortesch (Bürgerforum) kommt es „unglaubwürdig“ vor, dass nur in der Nacht in Reitmehring zu schnell gefahren werde.

„Wir haben zwei unterschiedliche Messergebnisse“, fasste Wernthaler zusammen. Es gebe jetzt drei Möglichkeiten. „Entweder wir nehmen Abstand von einem stationären Blitzer, beauftragen dafür aber den Zweckverband damit, noch mehr mit mobilen Blitzern zu kontrollieren, oder wir stellen gleichzeitig die Topo-Boxen des Zweckverbands und die der Stadt auf, dann haben wir aber eventuell wieder unterschiedliche Ergebnisse und wissen nicht, welche stimmen. Oder wir beauftragen einen unabhängigen Sachverständigen mit einer Messung.“

Sachverständiger
soll Klarheit bringen

Simone Huber (CSU), Wolfgang Schmid (CSU), Armin Sinzinger (Wasserburger Block) und Janeczka sprachen sich dafür aus, vermehrt mit mobilen Blitzern kontrollieren zu lassen. Mit fünf Stimmen von Wernthaler, Stadler, Budenhofer-Winkler, Buortesch und Sofia Jokisch (Linke) beschloss der Ausschuss, einen unabhängigen Sachverständigen mit einer Messung zu beauftragen.

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