Hackgeräte sollen das Spritzen verringern

von Redaktion

Zehn Anbieter und rund 170 Besucher beim Feldtag des Maschinenrings und des AELF Töging

Töging/Kirchweidach – Wie die Landwirte ist auch der Maschinen- und Betriebshilfsring Altötting-Mühldorf stark vom Wetter abhängig. So musste er im Frühjahr einen ersten Feldtag kurzfristig absagen. Damit ihm das bei seinem zweiten Feldtag zum Thema „Mechanische Unkrautbekämpfung im Mais“ nicht wieder passiert, hatte er vorsorglich eine Vorführung von Striegel- und Hackgeräten in der Maschinenhalle der Gsuk Sedlmaier GbR organisiert und das auch gleich mit angekündigt. Weil es zuvor zur Freude der Landwirte nach langer Trockenheit geregnet hatte und die Felder nicht befahrbar waren, griffen der Maschinenring und sein Mitveranstalter, das Töginger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), auf ihren „Plan B“ zurück.

Pflanzenschutzmittel
sollen halbiert werden

Pflanzenbau-Berater Franz Prinz dankte vor rund 170 Teilnehmern seinem Gastgeber Johannes Gsuk, der den reinen Ackerbaubetrieb seit 2018 nach Bioland-Richtlinien führt. Prinz schilderte den Besuchern den Hintergrund des Feldtags. „Es geht um die Vorgabe, die Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel bis 2028 gegenüber dem Stand von 2014 bis 2018 um 50 Prozent zu verringern“, erklärte er.

„Nach dem Grundsatz des integrierten Pflanzenschutzes sollen chemische Mittel nur noch als letztes Mittel eingesetzt werden.“ Daher wollten das Amt und der Maschinenring auch andere Maßnahmen wie die mechanische Unkrautbekämpfung ins Bewusstsein holen.

Das bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) honoriere das über drei Programme mit Prämien pro Hektar. Zusätzliche Förderungen gebe es über Öko-Regelungen für den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.

Im Grundsatz gehe es nun darum, nicht nur in Bio-Betrieben auf Spritzmittel zu verzichten, die solche gar nicht einsetzen dürfen, sondern deren Einsatz auch in konventionellen Betrieben weitgehend zu verringern. Dem Einsatz von Striegeln und Hackgeräten stünden wegfallende Kosten von Herbiziden gegenüber.

Nach dieser Einleitung rollten nacheinander 13 Traktoren mit Anbaugeräten von zehn Anbietern zum einen Hallentor herein und zum anderen wieder hinaus auf den Hof, wo sie anschließend genauer besichtigt werden konnten.

Die Firmen, die zum Teil aus Österreich stammten, klappten ihre Anbaugeräte, die hochkant zum Acker gebracht werden, seitwärts aus und zeigten den auf Biergarnituren vor ihnen sitzenden Landwirten, welche großen Arbeitsbreiten sie so erreichen können. Wie der Haiminger Johannes Hofer, Ackerbauer und stellvertretender Vorsitzender des Maschinenrings, am Rande erläuterte, geht es bei der mechanischen Unkrautbekämpfung zum einen um das Striegeln mit Rollhacken oder Zinken auf der ganzen Fläche, solange die Kulturpflanzen noch recht klein sind, und um das Hacken im höheren Bestand auch innerhalb der Kulturreihen.

Der Fahrer ist bei diesen
Arbeiten sehr wichtig

Bei beiden Arbeitsgängen, die in der Regel kombiniert werden, geht es darum, Unkräuter zu entwurzeln und ein Wiederanwachsen zu verhindern, während „Hackkulturen“ wie Mais, Soja, Sonnenblumen oder Zuckerrüben unbeschadet weiterwachsen können.

„Bei diesen Arbeiten ist der Fahrer sehr wichtig. Er muss sich den ganzen Tag über konzentrieren“, sagte Jan Farrenkopf von der Firma Pöttinger. „Mit Kameratechnik kann man ihn entlasten.“ Solche Kameras mehrerer Hersteller sorgen dafür, dass der Verschieberahmen der Hackgeräte entlang den in Reihen gesäten Kulturpflanzen seitwärts verschoben wird.

„Mit der Kamera kann ich fast doppelt so schnell fahren“, berichtete Christian Kurz. Er bewirtschaftet 80 Hektar in seinem Milchviehbetrieb und stellte als selbstständiger Agrartechniker ein Gerät der Firma Hatzenbichler vor. „Ich habe 2016 auf Bio umgestellt, rate aber allen konventionell arbeitenden Kollegen, das Striegeln und das Hacken zu probieren“, erklärte er.

Philipp Schmitsberger vom oberösterreichischen Hersteller Samo Maschinenbau zeigte ein „In-Row-Hackgerät“, das gleich von vier Kameras angesteuert wird. Sie sollen mit 34 Bildern pro Sekunde die Reihe und Einzelpflanzen erkennen und dann entscheiden, ob es sich um eine Kulturpflanze handle oder nicht. Das Gerät arbeite mit Druckluft, die viel Kraft habe und bei der die Dichtheit gegen Öl kein Thema sei. Daher werde es auch zu 80 Prozent im Gemüsebau eingesetzt, wo niemand Öltröpfchen auf dem Salat sehen wolle.

Wie Johannes Hofer dazu am Rande anmerkte, ist der Druckluftantrieb auch wegen der nötigen Luftreinigung teurer als die übliche Hydraulik. Selbst die neuesten Schlepper brächten die dafür nötige Leistung nur bedingt auf. Für eine optimale Nutzung bräuchte man eine eigene Anlage mit Kompressor und Reinigungsanlage auf dem Traktor.

Mehrere Referenten betonten, die Sämaschine und das Hackgerät müssten wegen der Reihenabstände aufeinander abgestimmt sein. Besonders für den Einsatz in hügeligem Gelände sei es wichtig, dass das in der Regel hinten angebaute Gerät nahe der Traktorachse sitze. Das verringere den Achsdruck, verringere die Ausschläge beim Lenken, schone so die Kulturpflanzen und erleichtere auch den Einsatz kleinerer Trecker.

Kamera erkennt
auch Hangneigung

Den Reihenabstand einzustellen und Verschleißteile wie Zinken leicht auszutauschen, sollte ohne Werkzeug möglich sein. Die Firma Horsch zeigte als einzige neben einem Hackgerät auch eine Spritze für das „Bandspritzen“ in konventionellen Betrieben. Sie verfügt alle 25 Zentimeter über eine Düse, um nicht die ganze Fläche zu bestreichen, sondern gezielt genau auf Kulturpflanzen zu sprühen. Thomas Bedenk stellte ein Hackgerät von Amazone mit einer selbst entwickelten Kamera vor, die die Hangneigung erkennt und den Verschieberahmen entsprechend steuert.

Außerdem zeigte er, dass man mit einem oben angebauten Saatguttank in einem Durchlauf gleich auch noch Untersaaten ausbringen kann. Sie sind im Maisanbau mittlerweile ein Thema.

Peter Falter, Geschäftsführer des Maschinenrings, wies die Landwirte abschließend darauf hin, dass sie Geräte wie die vorgeführten auch zu mehreren gemeinsam anschaffen könnten. Zu zweit oder dritt könne man sicher mit den zur Verfügung stehenden Zeitfenstern klarkommen. „Der Betrieb, die Flächen und der Betriebsleiter müssten für diese Art der Bodenbearbeitung zueinander passen“, sagte er, bevor die Schar auf den Hof ging und sich die dort im schönsten Sonnenschein präsentierten Geräte genauer anschaute.

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