Jugend trifft Lokalpolitik

von Redaktion

40 Schüler äußern Wünsche und Kritik an Stadtspitze und machen konkrete Vorschläge

Wasserburg – Jungen Leuten brennt viel unter den Nägeln. Sehr viel. Das zeigte sich alleine schon daran, wie viele Ideen, Wünsche und Kritik die Mädchen und Buben bei der jüngsten Jungbürgerversammlung am vergangenen Mittwochabend im Wasserburger Rathaus zu Papier brachten. Ganze neun vollgeschriebene Plakate hatten die Organisatoren der Versammlung vorzustellen, als nach einer Arbeitsstunde Stadtrat, Presse und Bürgermeister den Sitzungssaal betreten durften, um sich die Anregungen anzuhören.

40 Schüler waren an diesem sommerlichen Abend ins Rathaus gekommen. „Teilweise haben sie sich schon vorher in Freundesgruppen zusammengetan und sich gemeinsam Ideen überlegt“, berichtet Jana Steffinger vom Wasserburger Jugendtreff „Innsekt“, die die Versammlung mit ihren Kollegen wieder auf die Beine gestellt hatte. Das Format ist gewachsen. Nach Startschwierigkeiten wird das Angebot inzwischen sehr gut angenommen. „Mir hat imponiert, wie viele Jugendliche heute gekommen sind“, erklärte der frisch gewählte Bürgermeister Bastian Wernthalter im Nachgang. „Wenn in diesem Sitzungssaal immer so viel Leben herrschen würde, wäre es wunderbar.“

Zahlreiche Ideen
vorgetragen

Die Schüler erfüllten den Sitzungssaal nicht nur mit Leben, sondern eben auch mit vielen Ideen, die teilweise nicht das erste Mal auf dem Tisch landeten. Ganz wichtig waren den Jugendlichen Maßnahmen, die für Schatten sorgen. So wünschten sie sich mehr Pflanzen oder Sonnensegel in der Stadt, damit sie sich im Sommer nicht so aufheizt. Oben auf der Prioritätenliste standen auch Trinkbrunnen. „Da arbeiten wir schon dran“, betonte Wernthaler. Aber es habe ihn noch einmal nachdenklich gestimmt, wie stark die Jugendlichen offensichtlich die Folgen des Klimawandels wahrnehmen und wie sehr sie sich für Hitzeschutz einsetzen. „In die Thematik werden wir reingehen“, versprach der Rathauschef.

Das Klima und wie sich die Stadt gegen heiße Sommer wappnen kann, sind Themen, die die Jugendlichen schwer beschäftigen. Daneben wünschen sie sich mehr Orte, an denen sie sich draußen treffen und gemeinsam Sport machen können. „Mehr Sportflächen“ war ein Punkt, den Steffinger und ihre Kollegen immer wieder vorlasen. Konkret regten die Schüler etwa an, den Sportkäfig am Palmanopark zu überdachen, damit er auch bei schlechtem Wetter genutzt werden kann. Vorstellen könnten sich die Jugendlichen auch einen „schönen Stadtstrand am Inn“, Open-Air-Kino in den Straßen oder einen Acqua-Park.

Alle Wünsche können Stadtrat und Bürgermeister freilich nicht erfüllen. Eine „Vier-Tage-Woche für Schüler“ lässt sich wohl eher schwer umsetzen. Ob ein Kunstrasenplatz für den TSV 1880 finanzierbar ist, wird sich zeigen. Auch darauf, ob es weniger regnet, haben die Lokalpolitiker natürlich keinen Einfluss. Mit anderen Anregungen trafen die Jugendlichen hingegen einen Nerv. Die Schüler plädierten etwa dafür, dass die Stadtbusse pünktlicher kommen sollten oder der Leerstand in der Stadt bekämpft wird. So schlugen sie vor, leer stehende Räume zur freien Nutzung, etwa für Bands, zur Verfügung zu stellen. „Da waren einige Dinge dabei“, unterstrich Wernthaler, „die umsetzbar sind“. Der Rathauschef versprach eine Nachbesprechung aller Ideen, die die Jugendlichen vorgebracht hatten. Ihnen signalisiert das: Sie werden ernst genommen. Für Dominik Joachim vom Jugendtreff „Innsekt“ habe sich die Jungbürgerversammlung genau aus diesem Grund so erfolgreich entwickelt. Wenn Ideen, wie der Vorschlag, mehr Trinkbrunnen zu bauen, sehr schnell umgesetzt werden, „fühlen sich die Jugendlichen gehört“, sagte Joachim. „Dann bringen sie sich auch ein.“

Bürgermeister verspricht
Nachbesprechung

Der Stadtrat wird sich alle Vorschläge der Jugendlichen genau ansehen. Priorität werde voraussichtlich auf dem Hitzeschutz liegen, deutete Wernthaler an. Die politischen Entscheidungsträger werden sich um Maßnahmen für mehr Schatten und die Trinkbrunnen kümmern. „Es werden bereits Brunnen gebaut“, erinnerte Wernthaler. „Aber das können wir sicher ausbauen.“ Auch den Punkt Sportflächen werde man angehen. „Die Frage, wo können sich die Jugendlichen ohne Konsumzwang treffen“, erläuterte der Bürgermeister, „ist ein Thema, um das wir uns kümmern werden.“

Im Herbst haben die Jugendlichen dann wieder die Gelegenheit, ihre Ideen einzubringen – und vielleicht nachzuhaken, was aus den Vorschlägen von diesem Mal geworden ist. Die nächste Jungbürgerversammlung ist für den 27. Oktober angesetzt.

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