Vegane Würstl aus Amerang

von Redaktion

Die Nachfrage nach fleischlosen Grill-Alternativen wird immer größer. Eine Manufaktur aus Amerang bedient diesen Trend und bietet vegane Würste an. Ihr Angebot kommt gut an, obwohl sich die Gründer auch mit Vorurteilen konfrontiert sehen.

Amerang – Das Zischen. Das Brutzeln der Wurst auf dem Grill. Das Feuer. Den Rauch. Den Geruch. All das will Marie-Theres Schurrer nicht missen. Sie liebt das klassische Grillerlebnis. Doch: Sie findet, für diesen Genuss sollte kein Tier leiden müssen. In ihrer veganen Wurstmanufaktur in Amerang stellt die Vorsitzende der Wildtierhilfe Amerang mit ihrem Mann vegane Würstl her. So hat der Betrieb etwa Brat- und Currywürste für eine Grillparty im Sortiment. Offenbar sind die Kunden überzeugt von den Produkten. Jetzt, da die Grillsaison Fahrt aufnimmt, verkaufen sich die Brat- und Currywürste bestens, berichtet Schurrer.

Tierwohl und
eigene Gesundheit

Sich vegan zu ernähren, hat an Bedeutung gewonnen, so ihr Eindruck. „Immer mehr Leute denken über das Tierwohl und die eigene Gesundheit nach“, unterstreicht Schurrer. Und beschließen dann, keine tierischen Produkte mehr zu essen. Diese Entscheidung falle dann in der Regel nicht aus einem Hype heraus, oder wegen eines Trends. „Sondern aus Überzeugung.“

Ein sehr gemischtes Publikum kaufe bei der Bayrisch Veganen Wurstmanufaktur ein. „Wir haben Jüngere, Ältere, Sportler, Mütter mit Kindern, Eltern, deren Tochter sich vegan ernährt und die sich jetzt auch vegan ernähren“, erläutert Schurrer. Die veganen Würstl aus Amerang können laut Schurrer mit klassischen Fleischprodukten mithalten. „Sie brutzeln genauso wie herkömmliche Würstl, man muss überhaupt nichts beachten oder anders machen“, beteuert sie. Ihre Produkte kämen zudem komplett ohne chemische Zusätze aus, erklärt sie. „Wir sparen auch nicht am Geschmack.“ So reichern die Manufaktur-Gründer etwa die Brat- und Currywurst mit einer ganzen Reihe an Gewürzen an. Unter anderem Paprika, Koriander, ein bisschen Knoblauch und Chili verleihen den Würsten ihre Würze. In der Currywurst ist auch etwas Kurkuma drin.

„So unterscheidet sich unser Angebot schon sehr von den veganen Produkten, die man im Supermarkt bekommt“, unterstreicht die Amerangerin. „Da würde ich selbst auch nicht alles essen, vieles Vegane, was man im Supermarkt bekommt, wäre mir auch zu fad.“ Für Schurrer und ihren Mann ist aber wichtig, dass ihre Produkte nahrhaft, sättigend und aromatisch sind. Lange hätten die beiden an der Rezeptur getüftelt. Ihre Würstl beinhalten fast 30 Prozent pflanzliches Eiweiß. Somit füllen sie auch die Energiespeicher im Körper ordentlich auf, sind die Betreiber der Manufaktur überzeugt. „Vegane Lebensmittel sollen keine Ersatzprodukte sein.“

Die Resonanz seit der Gründung des Betriebs sei positiv. „Das hat uns selbst überrascht“, sagt Schurrer. Anfangs dachten sie, dass hauptsächlich Caterer, Gastronomen, Groß- und Geschäftskunden ihre Ware abnehmen. Aber auch viele Privatkunden fanden den Weg nach Amerang zum Wolfsberg, wo die Manufaktur zu finden ist. „Damit haben wir anfangs gar nicht gerechnet.“ Mittlerweile könnten die Interessenten nicht nur im Hofladen, direkt an der Manufaktur, einkaufen. Sie hätten auch die Möglichkeit, über einen Online-Shop zu bestellen. Allein in dieser Woche hatten Schurrer und Pratz laut eigenen Angaben für einen Zeitraum von drei Tagen 120 Bestellungen.

Ein Lieblingsprodukt hätten die Kunden nicht. Die veganen Pfefferbeißer, die vegane Leberwurst – Lieberwurst genannt – sowie natürlich die Brat- und Currywurst: Sie alle erfreuen sich laut Schurrer einer treuen Fangemeinde. Natürlich gehen die Brat- und Currywurst zur Grillsaison verstärkt über die Ladentheke. „Zu dieser Zeit kaufen die Leute auch vermehrt Großpackungen.“ Der Wunsch, beim Grillfest auch nichttierische Produkte auf den Tisch bringen zu können, ist offenbar groß. „Mittlerweile gibt es in fast jeder Familie jemanden, der kein Fleisch isst und der beim Grillen etwas Fleischloses haben möchte“, erklärt Schurrer.

Auf der anderen Seite schlage Anhängern veganer Ernährung immer noch Kritik entgegen. „Ein gern gebrachtes Argument lautet, dass wir Landwirten die Existenzgrundlage entziehen“, erläutert die Amerangerin. Ein Vorwurf, den sie für ihre Manufaktur zurückweist. „So viele Zutaten wie möglich beziehen wir aus der regionalen Landwirtschaft.“ Tofu und Zwiebel stammen etwa von Bauern aus Erding. „Insofern bekommen wir selbst von dem Gegenwind gar nicht so viel ab.“ Dass vegane Ernährung immer noch vielen Vorurteilen ausgesetzt ist, weiß auch Alex Saalfeld von den Vegans of Rosenheim. „Leider“ gebe es noch „eine große Bandbreite an Vorurteilen und Mythen zur veganen Ernährung“, berichtet er. Die Vegans of Rosenheim, eine Gemeinschaft, in der sich Veganer aus Rosenheim und Umgebung zusammengeschlossen haben, haben sich vor genau fünf Jahren gegründet. Ihre Veranstaltungen finden meist in der Stadt Rosenheim statt, immer wieder ist die Gruppe aber auch im ganzen Landkreis unterwegs. Den Vegans ist es ein großes Anliegen, Menschen zusammenzubringen, betont Saalfeld. Er ist überzeugt: „Die allermeisten wollen nicht, dass Tiere leiden.“ Dennoch kursierten immer noch Fehlannahmen zu veganer Ernährung, „zum Beispiel, dass vegan immer teuer und kompliziert ist, oder dass für Tofu Regenwald abgeholzt würde.“

Die Vegans of Rosenheim möchten dieser Polarisierung entgegenwirken. Sie richten sich gegen Politiker, die manchmal „gerne so tun, als wäre Veganismus eine Bedrohung für die Essgewohnheit der Menschen“. Aber sie wenden sich „natürlich auch an diejenigen, die so tun, als wäre man als Veganer ein besserer Mensch“. Wichtig ist es der Gemeinschaft, dass die Menschen vegane Ernährung als Option verstehen, unterstreicht Saalfeld. „Jedes vegane Produkt bekämpft die Massentierhaltung, egal wie konsequent man das dann macht“, ergänzt er. „Wenn wir alle ein bisschen veganer werden, können wir bereits sehr viel erreichen.“

Vertrauter
Geschmack

Bei ihren wöchentlichen Veranstaltungen merke die Gruppe aber, „dass mehr Menschen wissen, was vegan bedeutet“, sagt Saalfeld. Immer mehr Leute würden vegane Alternativen in ihre Lebensweise einbauen, „zum Beispiel mit Pflanzenmilch oder eben veganem Grillgut“. Viele Veganer setzen bei Grillfesten nach wie vor „gerne auf die Klassiker“, stellt Saalfeld fest. Sie greifen also etwa zu gefüllten Champignons, Maiskolben, Folienkartoffeln oder mariniertem Tofu. Doch vegane Würstl oder pflanzliche Steaks haben in seinen Augen ebenfalls einen großen Vorteil. „Sie sehen nicht nur ähnlich aus wie die tierischen Produkte, sondern gehen auch geschmacklich in eine ähnliche Richtung“, unterstreicht er. Das mache das Erlebnis beim Grillen „zu etwas Vertrautem und nicht zu etwas ,Komischem‘ oder ,Anderem‘“.

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