Heilerziehungspfleger in Mühldorf fordern mehr Sichtbarkeit

von Redaktion

Zehn Auszubildende wollen auf ihren zukünftigen Beruf und dessen Bedeutung aufmerksam machen

Mühldorf – Neben kaufmännischen sowie medizinischen Ausbildungsrichtungen wird im Berufsschulzentrum seit September 2025 auch die staatliche Ausbildung zum Heilerziehungspfleger (HEP) angeboten. „Viele Menschen wissen gar nicht, was Heilerziehungspflege überhaupt ist. Deshalb hat meine Klasse sich vorgenommen, auf den Beruf aufmerksam zu machen“, so Oberstudienrätin Alexandra Berndlmaier.

Gemeinsam mit ihren Schülern hat sie sich bei den OVB-Heimatzeitungen gemeldet und zu einem Besuch in der Klasse eingeladen. Die Altersspanne der zehn Kursteilnehmer liegt zwischen 17 und 47 Jahren. Sie alle haben eines gemeinsam: den Wunsch, Menschen mit Beeinträchtigungen zu begleiten und ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Heilerziehungspfleger arbeiten mit Menschen jeden Alters, die Unterstützung benötigen – sei es aufgrund einer Behinderung, einer psychischen Erkrankung oder anderer Beeinträchtigungen. Dabei gehe es aber um weit mehr als Pflege: „Wir unterstützen und begleiten Menschen in den Bereichen Partizipation, soziale Teilhabe und Selbstständigkeit“, erklärt Lily (31). Sie arbeitet in einem integrativen Kindergarten in Neuötting. Dazu gehörten etwa die Gestaltung des Alltags, Ausflüge, pädagogische Gespräche, pflegerische Tätigkeiten oder die Förderung sozialer Fähigkeiten. Das Klientel sei vielfältig: Kindergärten, Wohnheime, Werkstätten, Förderschulen, psychiatrische Einrichtungen oder Förderstätten. Der Arbeitsalltag reiche von Arztbesuchen und Freizeitaktivitäten bis hin zur Unterstützung in Krisensituationen. Dabei stehe immer der Mensch im Mittelpunkt.

„Viele haben Angst vor dem Unbekannten“, sagt Kilian (19). Wenn man mit beeinträchtigten Menschen im Alltag nichts zu tun habe, würde man keinen Bezug zu diesem Beruf haben. Für ihn stehe vor allem die Beziehung zu den betreuten Menschen im Vordergrund. „Man sieht den Menschen und nicht das Problem. Es entsteht oft eine Verbindung, die es in einem Krankenhaus so gar nicht geben würde.“

„Alt oder krank wird jeder irgendwann einmal“, sagt Schulleiter Raphael Bablick. Mit Menschen mit Beeinträchtigungen seien viele jedoch deutlich seltener konfrontiert. Oberstudienrätin Alexandra Berndlmaier ergänzt, dass die Heilerziehungspflege im Vergleich zur Krankenpflege noch ein relativ junges Berufsbild sei. Menschen mit Behinderungen würden oft noch zu wenig sichtbar am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dabei sei gerade Inklusion ein zentrales gesellschaftliches Ziel.

Georg arbeitete früher auf dem Bau. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht mehr zu meinem Leben passt“, erzählt er. Über Bekannte wurde er auf die Heilerziehungspflege aufmerksam. Heute schätzt er besonders, dass er seine Arbeit mit der Familie vereinbaren kann sowie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Lily absolvierte zuvor eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. „Die Beziehung zu den Menschen ist hier eine andere“, sagt sie. „Man kann sie viel intensiver fördern und begleiten.“ Emily (20) kam nach einer Ausbildung im hauswirtschaftlichen Bereich zur Heilerziehungspflege. Ein Praktikum überzeugte sie endgültig. „Die Dankbarkeit der Menschen hat mich beeindruckt. Da wusste ich: Das möchte ich weitermachen.“ Auch Patrick (47) ist Quereinsteiger. „Ich wusste lange gar nicht, dass es diesen Beruf gibt“, erzählt er.

Stella (17) erinnert sich an eine Bewohnerin in einer Krise, am Anfang ihrer Ausbildung. „Ich konnte sie allein mit Worten beruhigen. Das war für mich ein besonderer Moment.“ So einen erlebte auch Lily: Durch Gespräche und Anleitung schaffte sie es, ein Kind mit Autismus-Spektrum so zu unterstützen. Es öffnete sich und spielte irgendwann mit den anderen Kindern. „Solche Fortschritte zeigen, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Patrick erinnert sich an seine eigenen Vorurteile. „Früher hatte ich Angst vor Menschen mit Behinderung. Nicht vor ihnen selbst, sondern davor, wie ich reagieren würde.“ Heute habe sich sein Blick komplett verändert. „Das sind die nettesten und liebsten Menschen. Man bekommt unglaublich viel zurück.“ Theresa Gruber

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