Gemeinde greift finanzielle Rücklagen an

von Redaktion

Die Gemeinde Edling hat für 2026 einen Haushalt von 18,6 Millionen Euro aufgestellt. Trotz großer Investitionen und steigender Ausgaben plant die Kommune, keine neuen Schulden aufzunehmen. Dafür wird auf die finanziellen Rücklagen zurückgegriffen, die bis zum Jahresende deutlich schrumpfen sollen.

Edling – Er wollte nicht schwarzmalen. „Auf gar keinen Fall“, betonte Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer. „Uns geht es finanziell gut“, erklärte der Rathauschef. Aber in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, in der der Haushaltsplan der Kommune für 2026 auf der Tagesordnung stand, machte Schnetzer auch deutlich: „Wir müssen bei unseren Investitionen genau hinschauen.“ Dem konnten die Gremiumsmitglieder nur folgen. Dem Haushaltsplan für 2026, der auch wieder einige Investitionen im sechsstelligen Bereich beinhaltet, sowie dem Finanzplan bis 2029 stimmten sie einstimmig zu.

Einweihung
am Samstag

Im Edlinger Haushalt sind, so erläuterte Kämmerer und Geschäftsstellenleiter Christian Spötzl, auch Ausgaben für Projekte eingeplant, die die Gemeinde seit Jahren begleiten oder die sie nun abgeschlossen hat. Gerade sind die Sanierung und der Erweiterungsbau des Rathauses fertig geworden. Am kommenden Samstag wird das neue Gemeindehaus gegenüber dem „alten“ Rathaus eingeweiht. Zum Abschluss des Projekts hat die Kommune für 2026 noch einmal eine Million Euro eingeplant. Der Bikepark, für den die Kommune vor drei Jahren grünes Licht gegeben hatte, schlägt heuer mit einem Ansatz von 95.000 Euro zu Buche. Das nächste Großprojekt, das in den Startlöchern steht, ist ebenfalls in die Planung einkalkuliert. Edling muss seinen Trinkwasser-Hochbehälter sanieren. Für 2026 veranschlagt die Kommune hier 100.000 Euro.

Insgesamt beläuft sich der Edlinger Haushalt für das laufende Jahr Spötzls Schätzungen zufolge auf 18,6 Millionen Euro. Für den Vermögenshaushalt veranschlagte er 7,3 Millionen Euro, für den Verwaltungshaushalt 11,3 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem Edling bereits viel Geld in die Hand genommen hat, ist das Haushaltsvolumen etwas gesunken. Das liege daran, dass sich die Investitionsausgaben 2026 reduzieren, erklärte Spötzl. „Wir haben einige Projekte fertiggestellt“, erinnerte der Kämmerer. Nun laute die Devise: Gerade bei Maßnahmen, bei denen es sich um freiwillige Leistungen handelt, achtsam Geld auszugeben. Denn die Gemeinde investiert zwar weniger, muss auf der anderen Seite aber auch mit höheren Ausgaben rechnen. Die Kreisumlage steigt laut Spötzl um gut eine Million Euro auf rund 3,8 Millionen Euro. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, betonte Schnetzer. „Das bedeutet für uns: Wir müssen gut eine Million Euro mehr an das Landratsamt Rosenheim überweisen.“

Dabei erhöht sich der vom Landkreis festgelegte Hebesatz für die Kreisumlage eigentlich nur moderat. Er steigt um einen Prozentpunkt von 48,5 auf 49,5. Die tatsächlichen Kosten für Edling treibt hier die sogenannte Steuerkraftmesszahl in die Höhe, erklärte Spötzl. Diese berechnet sich anhand der wichtigsten Steuereinnahmen der Gemeinde – Gewerbe- und Grundsteuer sowie der Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer – und gibt an, wie finanzstark eine Gemeinde ist. Und bei den Steuern durfte Edling seit 2023 jedes Jahr mehr Einnahmen verzeichnen. Also wird der Landkreis Rosenheim bei der Kreisumlage 2026, der Kalkulation des Kämmerers zufolge, deutlich mehr zulangen. Je höher die Finanzkraft einer Gemeinde, desto höher fällt in der Regel auch ihr Beitrag zur Kreisumlage aus.

Spötzl geht auch nicht davon aus, dass sich die Situation bei der Kreisumlage in Zukunft entspannt. Er rechnet damit, dass diese Abgabe in den kommenden Jahren weiter ansteigt. „Der vom Landkreis festgelegte Hebesatz wird wahrscheinlich noch auf weit über 50 Prozent gehen.“ Die Personalkosten sind ebenfalls angewachsen, auf jetzt gut drei Millionen Euro. Die Gemeinde möchte sich für Mehrausgaben wappnen.

Denn: „Wir haben Pflichtaufgaben“, betonte Schnetzer. Darunter fallen der Hochbehälter oder der Neubau eines Gerätehauses für die Freiwillige Feuerwehr Steppach. Für 2026 sind hier Planungskosten in Höhe von 100.000 Euro angesetzt. Für eine freiwillige Leistung greift Edling heuer auch noch beachtlich in die Tasche. Die Kommune treibt den Breitbandausbau voran, kalkuliert bei diesem Punkt mit Ausgaben in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Insgesamt plant Edling, noch einmal ordentlich in die Rücklagen zu greifen. Den Planungen des Kämmerers zufolge sollen die bis Jahresende von gut 15 auf rund neun Millionen schrumpfen.

„Haben finanzielles
Polster“

„Wir haben ein finanzielles Polster“, unterstrich Schnetzer. „Das gibt uns die Möglichkeit, zu reagieren.“ Neben allen Investitionen und Ausgaben betonten die Verantwortlichen im Rathaus: Edling bleibt schuldenfrei. Die Kommune plant auch nicht, Kredite aufzunehmen. Auf dem finanziellen Polster ausruhen will man sich aber nicht. Generell habe Spötzl den Haushaltsplan sehr vorsichtig kalkuliert. Die voraussichtlichen Einnahmen aus der Gewerbesteuer und die Einkommensteuerbeteiligung, die größten Posten, die Geld ins Gemeindesäckel fließen lassen, hat der Kämmerer behutsam angesetzt.

Bei der Gewerbesteuer rechnet er mit Einnahmen in Höhe von 3,3 Millionen Euro. Er geht also davon aus, dass 2026 weniger Geld von den kommunalen Betrieben ans Rathaus fließt, als es den aktuellen Zahlen zufolge 2025 der Fall war. Laut der vorläufigen Rechnung nahm die Gemeinde im Vorjahr knapp über vier Millionen Euro Gewerbesteuer ein. Für heuer plant Spötzl ganz bewusst weniger ein. „Wir haben eine angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt“, erinnerte er. Bei der Einkommenssteuerbeteiligung kalkuliert Spötzl mit 3,6 Millionen Euro. „Beide Ansätze sind sehr konservativ“, unterstrich er.

„Wenn mehr Geld kommt, freuen wir uns“, ergänzte Schnetzer. Ansonsten würden die niedrig gewählten Ansätze Spielraum lassen, mögliche Mehrkosten an anderer Stelle zu stemmen. „Die nächsten Jahre werden anstrengend“, schwor der Bürgermeister die Gemeinderäte ein. Bis 2029 sollen die Rücklagen der Gemeinde voraussichtlich um weitere 3,5 Millionen schrumpfen. Schnetzer sah eben noch keinen Grund zur Panik. „Aber“, so betonte er mit Blick auf den langfristigen, weiteren Finanzplan, „wir müssen uns als Gremium Gedanken machen.“

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