Erneut mit Prädikat ausgezeichnet

von Redaktion

Architekturbüro Kammerl und Kollegen aus Pfaffing nimmt mit zwei Objekten bei „Architektouren“ teil

Pfaffing/Edling/Wasserburg – Die Fassade musste wieder in dem gleichen Blau erstrahlen wie früher. Die Holzbalkendecken durften im sanierten Bau nicht fehlen. Das Grabendach, also die nach innen abwärts geneigte Dachfläche, musste ebenfalls haargenau so nachgebaut werden, wie es war. Das Stadthaus an der Salzsenderzeile 18 in Wasserburg instandzusetzen, stellte für das Architekturbüro Kammerl und Kollegen aus Pfaffing eine enorme Herausforderung dar. „Das Haus ist denkmalgeschützt“, erklärt Magdalena Breu, Architektin aus dem Pfaffinger Büro.

Enge
Abstimmungen

Insofern hatten sich ihre Kollegen, die Architekten Geraldine Kammerl-Pottrick, Philipp Straetling, Anja Born und Georg Raig nicht nur eng mit Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann, sondern auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abzustimmen.

Wie das Team das Gebäude letztlich instandgesetzt hat, hat offenbar bis in hohe Kreise Eindruck gemacht. Die Bayerische Architektenkammer hat das Projekt nun ausgezeichnet. Am Samstag, 27. Juni, kann sich die Öffentlichkeit ein Bild von dem Gebäude machen. Im Rahmen der „Architektouren“, bei denen die Bürger am letzten Juni-Wochenende (27. und 28. Juni) ausgewählte Bauten besichtigen können, steht auch das Wasserburger Altstadthaus zwischen 14 und 15 Uhr offen.

Effiziente
Nachverdichtung

Den Architekten ist an der Stelle eine effiziente Nachverdichtung gelungen. Früher waren in dem Gebäude, in dem sich unten die Metzgerei Stechl befindet, zwei Wohnungen untergebracht. Jetzt sind es fünf. „Wir haben drei neue Wohnungen geschaffen“, betont Breu. „Dabei ist die Wohnfläche gleich geblieben.“ Für diesen Kniff, Flächen gespart zu haben, verlieh die Bayerische Architektenkammer den Planern das Prädikat „KlimaKulturKompetenz“. Die neuen Wohnungen haben im Innenhof, wie ihn klassische Altstadthäuser in Wasserburg haben, Balkons bekommen. „Das hat den Innenhof aufgewertet“, sagt die Architektin. „Es gibt mehr Freifläche und mehr Bezug nach draußen.“ Somit könnten sich die Bewohner auch besser austauschen.

Das hat auch Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann imponiert. „Es ist ein gelungenes Beispiel“, betont sie, „dass der Charakter eines mittelalterlichen Gebäudes mit wechselvoller Geschichte behutsam weiterentwickelt werden kann, wenn Eigentümer mit Respekt vor der Historie ein Stadthaus für die Zukunft sichern.“

Herrmann empfand die Sanierung jedoch auch als einen Kraftakt. Wichtig sei gewesen, das neue Treppenhaus und den Ausbau des Dachgeschosses in die alte Bausubstanz zu integrieren, ohne dabei die Brandschutzanforderungen außer Acht zu lassen, sagt sie. Eine Herausforderung stellte ebenso dar, „die Vorgaben des Denkmalschutzes und zeitgemäße energetische Standards unter einen Hut zu bringen“. Zudem durften die Planer modernen Wohnkomfort und Belichtung bei der Wohnungsaufteilung nicht vergessen. Fenster-, Tür- und Toranordnung konnten hingegen unverändert bleiben. „Lediglich beim Sonnenschutz wurde mit den Eigentümern auf die historisch nachweisbare Lösung mit der Kupferverkleidung zurückgegriffen.“

Das Wasserburger Altstadthaus an der Salzsenderzeile ist nicht das einzige Haus, mit dem das Pfaffinger Büro Kammerl und Kollegen bei den „Architektouren“ dabei ist. Das Büro hat die Sanierung und die Erweiterung des Rathauses in Edling begleitet. Im Januar ist ein Neubau fertig geworden, der einen größeren Sitzungssaal für den Gemeinderat, einen Bürgersaal sowie unten eine Arztpraxis beherbergt. Gegenüber des „alten“ Rathauses steht nun ein moderner Kubus, das Edlinger Gemeindehaus. Dessen Fassade mit Holzpaneelen ist bewusst offen gestaltet. Das lädt dazu ein, in das Gebäude hineinzublicken. Die Räumlichkeiten erstrahlen dadurch hell.

Das neue Gemeindehaus soll den Rathausplatz im Ortskern attraktiver gestalten, die Menschen im Ortszentrum zusammenbringen. Es ist barrierefrei. Noch dazu haben die Architekten es eigenen Angaben zufolge geschafft, dass der Neubau energieeffizient ist. Die Gemeinde ließ eine PV-Anlage auf dem Dach bauen, daraus gewonnener Strom wird auch ins öffentliche Netz eingespeist. Außerdem nutzt die Kommune Fernwärme und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

In dem Kubus verarbeiteten die Verantwortlichen mehrere Baustoffe: Holz, Mauerwerk und Stahlbeton. Zudem seien hochwertige Dämmmaterialien zum Einsatz gekommen, betont Breu. Also erhielten Kammerl und Kollegen von der Bayerischen Architektenkammer auch für dieses Projekt das Prädikat „KlimaKulturKompetenz“, dieses Mal in den Bereichen „Klimaeffizienz“ und „Barrierefreiheit“. Insgesamt hat die Architektenkammer in diesem Jahr 85 Projekte mit Prädikaten ausgezeichnet, erklärt die Präsidentin Professor Lydia Haack in einer Pressemitteilung. Den Entscheidungsträgern bei der Kammer ging es darum, „nachhaltige Planung sichtbar zu machen“, sagt Haack.

Am 27. Juni wird das Gemeindehaus in Edling offiziell eingeweiht. An diesem Samstag bekommt das Architekturbüro Kammerl und Partner ab 13 Uhr die Auszeichnung „KlimaKulturKompetenz“. Ab 14 Uhr können Interessierte das Gebäude besichtigen.

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