Weniger Verkehrstote, mehr Betrüger

von Redaktion

Sicherheits-Bilanz für Wasserburg präsentiert

Wasserburg – Unfall auf der B15. Unfall auf der B304. Diese Meldung geht bei der Polizeiinspektion (PI) Wasserburg immer wieder ein. „Mit zwei Bundesstraßen haben wir in unserem Dienstbereich ein besonders hohes Verkehrsaufkommen“, erklärt Dienststellenleiter Markus Steinmaßl. Umso stolzer ist er aber auf einen Fakt: Im vergangenen Jahr gab es im Zuständigkeitsbereich der PI nicht einen Verkehrstoten zu beklagen. Gerade, wenn man sich zum Vergleich die Zahl aus dem Vorjahr ansieht, eine sehr erfreuliche Meldung. „2024 hatten wir noch sechs Verkehrstote, das war eine bittere Pille“, unterstreicht Steinmaßl.

Zahl der Unfälle
konstant

Die Zahl der Verkehrsunfälle selbst hat sich dabei nur gering verändert. 2024 krachte es im Zuständigkeitsbereich der PI Wasserburg noch 1395-mal, 2025 waren 1373 Unfälle zu verzeichnen. „Da bewegen wir uns auf einem gleichbleibenden Niveau“, sagt Steinmaßl. Die Ursachen für die Unfälle seien vielfältig. Im Winter etwa könne es an Tagen mit Blitzeis häufig zu Crashs kommen. 14 Prozent der Unfälle passierten der Auswertung zufolge beim Abbiegen, Rückwärtsfahren oder Wenden. 19-mal wurde Autolenkern das Fahren unter Alkoholeinfluss zum Verhängnis.

„Alkohol als Unfallursache Nummer eins zu nennen, ist zu einfach gedacht“, erläutert der Dienststellenleiter. „Aber Alkohol ist Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle.“ Die Autofahrer setzen sich nach wie vor häufig unter Alkohol- und Drogeneinfluss ans Steuer. Das Cannabis-Gesetz von 2024, das den Besitz und privaten Anbau von Cannabis in kleinen Mengen legalisierte, trägt hier in Steinmaßls Augen seinen Teil bei. „Es wird mehr unter Drogeneinfluss gefahren“, sagt er.

Zunehmende
Kontrollerfolge

Wobei die Polizei hier „zunehmende Kontrollerfolge“ verzeichnet. 65 Alkohol- und Drogenfahrten haben die Beamten rechtzeitig feststellen können, bevor etwas passierte.

Positiv blickt der Hauptkommissar auf die Zahl der Schulwegunfälle. Zwei Kinder erwischte es 2025 auf dem Weg zwischen Zuhause und Klassenzimmer. „Sie wurden aber Gott sei Dank nur leicht verletzt“, betont Steinmaßl. Grundsätzlich gelte freilich: Jeder Unfall sei einer zu viel. „Aber ich bin froh, dass wir so geringe Zahlen haben.“

Auch mit der Kriminalitätsentwicklung zeigt sich Steinmaßl zufrieden. Die Bürger im Wasserburger Land scheinen im Großen und Ganzen brav gewesen zu sein. Und, so betont der Dienststellenleiter einmal mehr: „Man lebt in und um Wasserburg sicher.“

2025 ist die Anzahl der Straftaten insgesamt abermals gesunken. 2024 verzeichnete die Polizei im Raum Wasserburg noch 1139 Delikte, 2025 waren es 1066. Die Inspektion darf sich über eine hohe Aufklärungsquote freuen. Bei 74 Prozent aller Vergehen konnte die Polizei den Täter ermitteln. 54-mal handelte es sich bei den Delinquenten um Jugendliche. 195-mal erwiesen sich ausländische Staatsbürger als Tatverdächtige. In diese Statistik fließen aber auch Straftaten ein, die nur ausländische Staatsbürger begehen können, erklärt Steinmaßl, also zum Beispiel Vergehen nach dem Asylverfahrensgesetz. Das Fazit des Dienststellenleiters: Aus seiner Sicht gebe es in Wasserburg weder mit Jugend- noch mit Ausländerkriminalität ein Problem.

Deutlich abgenommen habe die Rauschgiftkriminalität. Die Zahl der Fälle sank auf 26 (2024: 48). „Hier erleben wir schon im zweiten Jahr einen enormen Rückgang“, sagt Steinmaßl. Auch dies hänge mit dem Cannabis-Gesetz von 2024 zusammen. Cannabis-Besitz, der vorher noch strafbar war, ist dann legal geworden.

Wenige
Wohnungseinbrüche

Bei den Diebstählen sind die Zahlen im Vergleich zu 2024 leicht zurückgegangen. 223 Fällen im Jahr 2025 stehen 246 Fälle im Vorjahr gegenüber. Die Beamten in Wasserburg hatten auch wenige Wohnungseinbruchdiebstähle zu verzeichnen. Sieben Vergehen schlugen hier bei der PI auf (2024: zwölf). „Da bewegen wir uns auf einem niedrigen Niveau.“ Zudem bearbeitete die Polizei 54 Sexualstraftaten. Hier nahm die Zahl der Anzeigen nur geringfügig ab. (2024: 55).

Steinmaßl hat sich auch angeschaut, wie viele Fälle häuslicher Gewalt im Haus eingingen. Bei der PI Wasserburg kümmert sich eine Sachbearbeiterin eigens um dieses Thema. Anhand der Fallakten kann der Dienststellenleiter sagen: Die Fallzahl ist im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant geblieben. 58 Anzeigen gingen 2025 ein, im Vorjahr waren es 65. „In den meisten Fällen sind Frauen das Opfer“, betont Steinmaßl. Er rechnet aber mit einer Dunkelziffer. Für viele Frauen sei der Schritt, etwa einen Partner anzuzeigen, noch sehr schwer, etwa weil sie finanziell von ihm abhängig seien.

Bei Sexualstraftaten hat Steinmaßl aber das Gefühl, dass die Anzeigenbereitschaft zugenommen hat. „Das hat sicher auch mit Kampagnen wie Me-Too zu tun.“

Keine großen Veränderungen hat die Polizei im Bereich Rohheitsdelikte zu vermelden. Insgesamt bearbeiteten die Wasserburger Beamten 259 Fälle von Körperverletzung, Raub, Straftaten gegen die persönliche Freiheit, Nötigung, Freiheitsberaubung, Bedrohung und Stalking (2024: 257). Die Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzung, also Straftaten, die mit Waffen oder gemeinschaftlich verübt werden, oder bei denen das Opfer mit langwierigen körperlichen oder psychischen Folgen zu kämpfen hat, haben hingegen um 39 Prozent zugenommen. Die Zahl der Taten stieg von 23 (2024) auf 39. „Das ist nicht erfreulich“, unterstreicht Steinmaßl.

Auch gefällt ihm nicht, dass Vollstreckungsbeamte immer wieder tätliche Angriffe erleiden mussten. Nicht nur Polizisten, auch Feuerwehrleute und Rettungsdienstleister sahen sich 2025 insgesamt 19-mal Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt. Das ist zwar insgesamt ein leichter Rückgang, 2024 verzeichnete die Polizei noch 25 Delikte gegen Vollstreckungsbeamte. „Der Respekt vor Vertretern staatlicher Organe“, hält Steinmaßl aber fest, „hat abgenommen“.

Zugenommen haben Vermögens- und Fälschungsdelikte. Hier nahm die PI Wasserburg 155 Anzeigen auf (2024: 133). 47-mal kümmerten sich die Beamten um Waren- und Warenkreditbetrug, also Fälle, in denen Personen etwa bei Online-Käufen oder auf Auktionsportalen betrogen wurden. Zum Vergleich: 2024 erfasste die Polizei in diesem Bereich noch 25 Taten.

Immer
neue Maschen

Zu einem großen Problem haben sich in Steinmaßls Augen Callcenter-Betrüge entwickelt. Seien es Schockanrufe, der berüchtigte Enkel-Trick oder Whatsapp-Nachrichten mit der Information, jemand habe angeblich eine neue Handynummer. Die Gauner haben sich in der Vergangenheit immer wieder neue Maschen einfallen lassen. „Callcenter-Betrug ist wirklich die Geißel der letzten Jahre“, betont der Hauptkommissar.

299 Delikte in diesem Bereich kamen bei der PI Wasserburg 2025 zur Anzeige (2024: 287). „Prävention und Aufklärungsarbeit im Bereich Callcenter-Betrug zeigen zwar Wirkung“, unterstreicht Steinmaßl. Die Polizei konnte Betrüger auch dingfest machen, sie bei der Übergabe hoher Geldsummen oder von Wertgegenständen ergreifen. An das Netzwerk hinter den Abholern zu kommen, sei aber nach wie vor schwierig. Die Drahtzieher sitzen häufig in Callcentern im Ausland.

Massive
seelische Folgen

Immer wieder seien auch 2025 Bürger in der Region durch Schockanrufer schwer geschädigt worden. „Da geht es ja nicht nur ums Geld, für die Opfer, meist alte Menschen, hat sowas ja auch massive seelische Folgen“, sagt Steinmaßl. „Wir können da nur dranbleiben“, ergänzt er. „Wir müssen weiter aufklären.“ Immer wieder informieren, dass die Polizei etwa nie Wertgegenstände oder Geld als Kaution verlange.

Das Thema Callcenter-Betrug beschäftigt die Polizei weiter intensiv. „Das“, sagt Steinmaßl, „bereitet mir wirklich Sorgen.“

Artikel 4 von 11