Streit um Johannifeuer entbrannt

von Redaktion

Haager Feuerwehr löscht Flammen – Veranstalter von Firmenfeier kritisiert Einsatz

Haag – Es war eine privat veranstaltete Feier der Firma SL Rack, bei der ein kleines Johannifeuer, Höhepunkt einer Biergartenveranstaltung, plötzlich zum größeren Problem wurde: Auf einem Teilstück der Haager Freiham sollen sich laut Augenzeugen die Flammen auf die Wiese ausgebreitet und der Holzscheit extrem hoch gezündelt haben. In der Nähe hätten Autos geparkt. Die Feuerwehr Haag wurde alarmiert, weil ein Bürger eine Rauchentwicklung gemeldet hatte. Nach der Lageeinschätzung der Einsatzleitung wurde das Feuer gelöscht.

Veranstaltung für Kunden
und Geschäftspartner

Die Aufregung war groß, wie Beobachter berichten. Es gab Wortgefechte zur Frage, wie gefährlich die Situation war. Im Nachhinein im Fokus: Unternehmer Ludwig Schletter. Seine Firma war die Gastgeberin des Festes.

Es handelte sich nach Schletters Angaben um eine Firmenveranstaltung für Kunden und Geschäftspartner. Das Brauchtumsfeuer sei als Bestandteil des Programms eingeplant gewesen. Gegen 20.45 Uhr sei es entzündet worden: laut Schletter auf einer offenen Wiese ohne Waldnähe. Der Untergrund sei mit Metallplatten geschützt worden, um eine Ausbreitung auf den Boden zu verhindern. Das Feuer sei ordnungsgemäß bei der Gemeinde angemeldet worden. Diese Tatsache bestätigt Haags Bürgermeister Dr. Florian Haas. Er betont auf Anfrage weiter: Da es sich um eine private Firmenfeier gehandelt habe, sei das Feuer genehmigungsfrei gewesen. „Allerdings wurden der Kreisbrandrat und die Freiwillige Feuerwehr Haag informiert.“ Sie hätten Kontakt mit der Firma aufgenommen und in Hinweisblättern „sowie auch in Vor-Ort-Terminen vor dem Fest auf die Gefahren und notwendige Maßnahmen hingewiesen“. Die Feuerwehr habe außerdem darum gebeten, dass die Firma SL Rack am Tag der Veranstaltung mit dem Landratsamt Kontakt aufnehme, um die aktuelle Warnstufe für Wald- und Vegetationsbrände einzuholen.

SL Rack betont, es habe eine gemeinsame Begehung und Abstimmung mit dem Kommandanten der Feuerwehr Haag stattgefunden. „Dabei wurden die Planung, der Standort sowie sämtliche vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen gemeinsam besprochen.“ Kommandant Stefan Reger teilt dazu mit, die Feuerwehr sei am Montag, also zwei Tage vorher, zur Besichtigung der Örtlichkeit vor Ort gewesen. Bei diesem Termin, der sehr kurzfristig zustande gekommen sei, habe der Veranstalter mitgeteilt, das Feuer werde in etwa die Größe einer Feuerschale haben. Reger betont, er habe das Unternehmen darauf hingewiesen, die Auflagen des Landratsamts zu berücksichtigen. Das Feuer müsse jederzeit eingedämmt werden können, ansonsten sei die Wehr im Alarmfall verpflichtet, sich ein Lagebild vor Ort zu machen und entsprechend zu reagieren. „Es war eine private Firmenfeier, der Veranstalter ist damit vollumfänglich für den Brandschutz zuständig“, ergänzt Haas.

SL Rack weist darauf hin, dass zwei qualifizierte Brandschutzbeauftragte des Unternehmens vor Ort gewesen seien. Der Geschäftsführer selbst verfüge über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Feuerwehrdienst. „Wir hätten eine Brandwache der Feuerwehr ausdrücklich begrüßt und dies auch angesprochen. Die Feuerwehr hielt eine Brandwache jedoch nicht für erforderlich“, nimmt Geschäftsführer Schletter Stellung.

Haas weist den Vorwurf im Namen der Wehr zurück: „Die Anfrage zur Brandwache kam und es wäre eine freiwillige Dienstleistung der Feuerwehr gewesen. Die Anfrage war allerdings zu kurzfristig, um hier eine Mannschaft inklusive Fahrzeug abzustellen.“

Die Geschäftsführung betont, zum Zeitpunkt des Entzündens hätten windstille Verhältnisse geherrscht. „Das Feuer entwickelte sich kontrolliert und entsprach dem Charakter eines traditionellen Brauchtumsfeuers. Es bestand keine unverhältnismäßige Ausbreitung oder Gefahr einer Sachbeschädigung“, findet der Veranstalter. „Die spätere vollständige Ablöschung des Feuers durch die Feuerwehr halten wir für nicht verhältnismäßig. Nach unserer Einschätzung wäre eine situationsgerechte und abgestufte Vorgehensweise möglich gewesen, ohne das Brauchtumsfeuer vollständig zu beenden“, so der Vorwurf.

Der Bürgermeister entgegnet im Namen der Einsatzkräfte: „Die Aufgabe der Feuerwehr ist die Eindämmung von Gefahren. Per Gesetz ist der Einsatzleiter vor Ort alleinig verantwortlich, aufgrund der Lageeinschätzung die Art der Löschmaßnahmen zu bestimmen. Dies ist aufgrund des Lagebildes (Wetter, Vegetation, Brandausbreitung …) so geschehen.“

Wehr: Ausbreitung weit
fortgeschritten

Will heißen: Das Feuer habe nach fachlicher Einschätzung komplett gelöscht werden müssen, da die Brandausbreitung schon weit vorangeschritten gewesen sei und der Veranstalter nicht mehr die Möglichkeit gehabt habe, es selbst zu löschen, so die Einschätzung der Feuerwehr.

Schletter hält diesen Schritt für überzogen. Und wehrt sich gegen den Eindruck, er als Gastgeber habe leichtfertig oder unverantwortlich gehandelt. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir sämtliche, uns bekannten und mit den zuständigen Stellen abgestimmten Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben. Die Planung erfolgte transparent, verantwortungsbewusst und in enger Abstimmung mit der örtlichen Feuerwehr“, findet er.

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