Erster G9-Jahrgang verabschiedet

von Redaktion

83 Absolventen des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg haben ihr Abitur bestanden. Bei einem Festakt im Rathaussaal nahmen die Schüler ihre Zeugnisse entgegen. Die Redner betonten, dass die Schulzeit mehr als nur Wissen vermittelt habe.

Wasserburg – Ein voller Rathaussaal, gepaart mit großer Hitze, bildete den äußeren Rahmen der Wasserburger Abiturfeier 2026, die musikalisch von den Abiturienten Theresa Hubmann und Nicholas Thornton eröffnet wurde. Die Freude über das bestandene Abitur war groß, die extrem hohen Temperaturen konnten sie nicht trüben.

Schulleiterin Tanja Oberhofer freute sich über die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, neben dem stellvertretenden Landrat Matthias Eggerl waren dies Wasserburgs Bürgermeister Bastian Wernthaler und die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sowie Ursula Winkler-Budenhofer als Vorsitzende der Luitpoldiana Studiengemeinschaft und Markus Schwalb als Vorsitzender des Elternbeirates.

Auf die innere
Stimme hören

In seinem Grußwort berichtete Eggerl, der selbst sein Abitur am Luitpold Gymnasium erworben hat, bei seiner damaligen Abifeier sei es ebenfalls sehr heiß gewesen, allerdings habe es noch keine Klimageräte gegeben. Er verwies auf die bayerische Verfassung, die den Schulen neben der Vermittlung von Wissen die Aneignung sozialer Fähigkeiten vorgibt. Der Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Bastian Wernthaler, erinnerte sich an seine Schulzeit, als es ein Problem war, wenn der gewünschte Buchtitel gerade nicht in der Bibliothek verfügbar war. Heutzutage sei es für einen Schüler eher problematisch, wenn kein WLAN vorhanden sei. Er gab den Abi-Absolventen den Rat, auf die innere Stimme zu hören, wenn es um die Frage gehe, welchen Weg man einschlagen möchte, egal ob Studium oder Ausbildung.

Markus Schwalb, der Vorsitzende des Elternbeirats, zeigte das Bild von Willy Reichert, das anschließend jedem Absolventen als Geschenk überreicht wurde. Er verwies darauf, dass dieses Werk auch eine Lebenserfahrung widerspiegele: Wenn man ganz nah ans Bild herangehe, erkenne man wenig. Trete man ein wenig zurück, habe man einen viel besseren Überblick. Gleichzeitig ist er sich sicher: Wer das Bild in einigen Jahren betrachte, denke nicht mehr an Noten, Punkte und Oberstufenlehrgänge. Die Vorsitzende der Luitpoldiana Studiengemeinschaft, Ursula Winkler-Budenhofer, stellte heraus, dass dieser Abiturjahrgang nach der „Pause“ im Vorjahr das erste G9 Abitur verkörpert. Aus ihrer Sicht ist es das Ziel eines Abiturs, sich vom Mittelmaß zu entfernen, und ständig nach Verbesserungen zu streben. Für sie sei es auch durchaus hinnehmbar, mit einem Vorhaben einmal zu scheitern. Solche Misserfolge würden zum Leben dazugehören, ohne sie gebe es sonst keinerlei Fortschritt. Gleichsam sei es elementar, gerade über die erlebten Schuljahre hinweg ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Als Vertreter der Abiturienten begann Samuel Schatz seine humorvolle und inhaltlich sehr ansprechend gehaltene Rede mit den überraschenden Worten: „Die Rente ist sicher“. Er erntete dafür zunächst etwas erstaunte Reaktionen im Publikum. Schatz führte jedoch weiter aus, es seien nun wieder über 80 gut ausgebildete Fachkräfte als künftige Einzahler ins System am Start, womit auch die These vieler Menschen widerlegt sei, die heutige Jugend sei überwiegend faul und vorrangig an möglichst viel Freizeit interessiert.

Samuel Schatz listete die zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten in den vergangenen neun Jahren intensiver Gemeinschaft auf, neben Klassenfahrten, Sommerfesten, Bundesjugendspielen und Besinnungstagen wurde naturgemäß die meiste Zeit im Unterricht verbracht. Als erwähnenswert beschrieb Samuel Schatz auch noch die Klassenfrühstücke, die zum Teil bezüglich der Vorbereitung mit dem morgendlichen Satz an die Mutter, begannen: „Mami, wir brauchen heute schnell noch 30 Semmeln.“

Samuel Schatz bedankte sich bei den Lehrkräften, denen es über kurz oder lang dann doch gelungen sei, erzieherisch auf die Schüler einzuwirken. Als Beispiel nannte er einen Schüler, der es in den vergangenen zwei Jahren geschafft habe, seine durchschnittliche Verspätung von 90 auf fünf Minuten zu reduzieren.

Der abschließende Dank galt den Eltern, für Samuel Schatz gab es hierzu auch die Erfahrung, wie unterschiedlich die Eltern „ticken“ würden. So sei die Mutter der Meinung, der Junge lerne zu wenig, der Vater finde, eher zu viel. Oder die Mutter meine, das Kind sei viel zu viel außer Haus unterwegs, der Vater sei dagegen der Meinung, es solle sich nicht abkapseln.

Letztlich war sich Samuel Schatz sicher, die gesammelten Erinnerungen, Freundschaften und Erfahrungen der vergangenen neun Jahre würden für immer im Gedächtnis bleiben. Besonders lang anhaltender Applaus war der Lohn für seine gelungene Rede.

Schulleiterin Tanja Oberhofer verwies in ihren Ausführungen nochmals auf den ersten G9-Jahrgang, der geehrt wird. Die Schüler hätten in dieser Zeit drei Schulleiter sowie die Corona-Einschränkungen durchlebt und überstanden. Die Abiturprüfungen wurden nach ihren Angaben von 84 Absolventen geschrieben, wovon 83 erfolgreich bestanden. Der Durchschnitt von 2,14 liege fast exakt auf dem Bayernwert von 2,13, berichtete Oberhofer.

Ganz besonders stolz ist die Schulleitung auf die sechs Abschlüsse mit 1,0, genau so aber auch über 17 Abschlüsse mit 1,5 oder besser und immerhin 33 Abschlüsse mit einer Eins vor dem Komma.

Herausragend seien die Ergebnisse von Lena Kaltenhauser und Samuel Schatz, die in ihren Prüfungen 875 beziehungsweise 870 von 900 möglichen Punkten erreicht hätten.

Tanja Oberhofer betonte in Bezug auf das diesjährige Abiturmotto, es sei wichtig, das Abitur zu erhalten, noch wichtiger sei es jedoch, was man daraus mache. Sie verwies auch darauf, dass heute noch gar nicht zu wissen sei, welche neuen Arbeitsplätze es in zehn oder 20 Jahren gebe und wie genau der Einfluss der KI verlaufen werde.

Sie zitierte in diesem Zusammenhang Albert Einstein, der die Entwicklung von Fantasie als wichtiger als das Wissen einschätze.

Schlusslied
„Auf uns“

Vor der Überreichung der Abiturzeugnisse und der Ehrung der besten Abiturientinnen und Abiturienten gratulierte Tanja Oberhofer ganz herzlich zum bestandenen Abitur, sie wünschte den Absolventen alles erdenklich Gute für die Zukunft.

Das gemeinsame Abschlusslied „Auf uns“ von Andreas Bourani bildete den passenden Abschluss der Feier.

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