Wasserburg – Ein buntes Fest für Vielfalt und Toleranz. Gegen Diskriminierung und für eine offene Gesellschaft. Das steigt in Wasserburg wieder am kommenden Samstag, 4. Juli. Unter dem Motto „Liebe ist Liebe“ richtet der Verein „Blickwinkel“ einmal mehr den Christopher Street Day aus. Zum dritten Mal kommt die Veranstaltung jetzt bereits in die Inn-Stadt. Die Organisatoren um Johanna Retzlaff und Hanna Kulke, die beiden Vorsitzenden von „Blickwinkel“, wollen ein Zeichen setzen. Es ist ihnen wichtig, dass LGBTQI+-Personen sichtbar sind. Vor allem aber soll der CSD die Gelegenheit geben, sich zu begegnen. Sich auszutauschen. „Jeder ist willkommen“, betonen Retzlaff und Kulke. Egal ob queer oder nicht.
Umfangreiches
Programm in der Hofstatt
Ab 16 Uhr lockt ein umfangreiches Programm in die Hofstatt. Den Anfang machen Redebeiträge verschiedener Vereine und Institutionen. Vertreter des Bündnisses wasserburg.bunt und des Jugendzentrums Innsekt werden sprechen. Ebenso wie Bürgermeister Bastian Wernthaler. Aus der Landeshauptstadt hat sich der queere Sportverein „Team München“ angekündigt. Erstmals mit dabei ist „JuLes“, eine offene Freizeitgruppe für bisexuelle und lesbische Mädels von 14 bis 19 Jahren, ebenfalls aus München. Zudem kommen Vertreter des GOC, der queeren Sektion des Deutschen Alpenvereins und Organisatoren des CSD Ebersberg. „Wir versuchen, eine große Bandbreite queeren Lebens abzubilden“, unterstreicht Kulke.
Im Wachsen
begriffen
Bereits zum zweiten Mal agiert der Verein „Blickwinkel“ federführend bei der Ausrichtung des CSD. Vor anderthalb Jahren hat sich der Verein gegründet. Auslöser hierfür war der erste Christopher Street Day in Wasserburg. „Den haben wir noch gemeinsam mit den Organisatoren des CSD Ebersberg veranstaltet“, berichtet Retzlaff. Doch dann wären Wasserburger auf sie zugekommen und hätten betont: Eine solche Veranstaltung können wir doch auch selbst organisieren. Es brauchte aber noch die passenden (Vereins-)Strukturen. So gründete sich im Januar 2025 „Blickwinkel“. Seitdem sind der kleine Verein wie auch der CSD im Wachsen begriffen. Im vergangenen Jahr kamen noch rund 200 Menschen zum CSD. „Wir hoffen, dass es dieses Jahr mehr sein werden“, unterstreicht Kulke. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die Veranstalter bieten dieses Mal sogar erstmals Live-Musik. LIZZN, eine in Berlin lebende Rapperin, wird ab 19 Uhr in der Hofstatt auftreten. Die Musikerin ist stark in der queeren Szene aktiv. In ihren gesellschaftspolitischen und feministischen Texten greift sie Themen wie Gewalt gegen Frauen, mentale Gesundheit und Antifaschismus auf. Die Organisatorinnen sind stolz, LIZZN als Live-Künstlerin gewonnen zu haben. „Sie ist ein echtes Energiebündel“, betont Kulke. „Und sie spricht ganz stark die Jugend an.“ Gleiches gilt für die Münchner Poetry-Slammerin Svea Paul, die am Nachmittag auftreten wird.
Eines machen Kulke und Retzlaff deutlich: Ohne die Hilfe der Stadt und von Wasserburger Vereinen sowie Unternehmen wäre es nicht möglich, den CSD auf die Beine zu stellen. Der gemeinnützige Kulturverein „Movinn forward“ stellt die Bühnentechnik für das Konzert zur Verfügung. Der Kulturkreis Wasserburg hilft ebenfalls. Unternehmen und Betriebe aus der Stadt unterstützen die Veranstaltung mit Spenden. Und die Stadt selbst leistete einen Zuschuss in Höhe von 500 Euro. Für Stadtmanager Simon Arnold ist es selbstverständlich, dass die Verwaltung den CSD fördert. „Die Veranstaltung steht für die Gleichberechtigung aller“, betont Arnold, „und für die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen.“ Das entspricht den Werten der Stadt. „Wir wollen für alle Bürger da sein“, betont Arnold.
„Wir erleben die Gesellschaft in Wasserburg grundsätzlich als sehr offen“, betont Retzlaff. Trotzdem sei aber auch nicht jeder in der Kleinstadt damit einverstanden, dass ein CSD stattfindet. Die Organisatorinnen berichten nicht von Gewalt, aber von Vorbehalten und Vorurteilen gegenüber queeren Menschen. Retzlaff und Kulke erklären, dass vereinzelt Plakate abgenommen wurden. Oder Firmen nicht spenden beziehungsweise öffentlich mit dem CSD in Verbindung gebracht werden wollten, weil sie Umsatzeinbußen fürchteten.
Straftaten
nehmen zu
Die Sicherheitslage für queere Menschen hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Die Zahl der Straftaten gegen LGBTIQ+-Personen hat – auch in Bayern – drastisch zugenommen. Darauf wiesen sowohl die Polizei als auch der Verband Queere Vielfalt Bayern bereits hin. In Wasserburg selbst hatte 2024 die AfD gegen den CSD mobil gemacht, wenngleich auch nicht erfolgreich. In diesen politisch angespannten Zeiten scheint der CSD wichtiger denn je. Er soll die vielfältige Gesellschaft, unabhängig von Herkunft, Alter, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung, zusammenführen. Jeder, der an demokratische und freiheitliche Grundwerte glaube, sei willkommen.
Ganz
normale Menschen
Queere Menschen „sind keine Aliens“, sagt Retzlaff. Sondern ganz normale Menschen mit einem gewöhnlichen Alltag und den üblichen Sorgen. „Und das wollen wir am Samstag zeigen.“
Die queere Community will in Wasserburg am Samstag auf sich aufmerksam machen. Für ihre Rechte einstehen. Für ihre Anliegen richtig demonstrieren, durch die Altstadt ziehen im Stile der Paraden bei großen CSDs, werden sie hier jedoch noch nicht. „Dafür sind wir noch zu klein“, erklärt Retzlaff. „Vielleicht“, ergänzt sie, „sind wir aber nächstes Jahr so weit.“