Rente betrifft alle Generationen

von Redaktion

Interview Nicole Bonna vom VdK-Kreisverband Mühldorf spricht über die Reformen

Mühldorf – Nicole Bonna ist erst 38 Jahre alt, engagiert sich aber als Vertreterin der jüngeren Mitglieder im Vorstand des VdK-Kreisverbands Mühldorf. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt sie, warum es soziale Stärken und Schwächen in der Region gibt, warum bei der jetzt anstehenden Rentenreform vor allem ältere Menschen im Fokus stehen und was das für Jüngere bedeutet.

Warum engagieren Sie sich als junger Mensch im Sozialverband VdK, dessen Klientel meist ältere Menschen sind?

Der VdK setzt sich für viele Themen ein: bezahlbares Wohnen, gute Gesundheitsversorgung, Inklusion. Mir geht es darum, Barrieren zu brechen, die zwischen Jung und Alt stehen.

Wie schätzen Sie die soziale Situation in der Region ein?

Wir stehen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf gut da, denn es gibt viele Arbeitsplätze im Handwerk und in der Industrie. Auf der anderen Seite sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch. Auch sind die meisten Menschen auf Autos angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Das sind feste, zusätzliche Kosten.

Unterscheidet sich die soziale Situation in der Region vom Leben in der Stadt oder Region München?

Beides hat seine Vor- und Nachteile: In der Großstadt sind die öffentlichen Verkehrsmittel sehr hilfreich, dafür sind die Wohnkosten aber sehr hoch. Auf dem Land wird das Vereinsleben sehr großgeschrieben, aber man ist auf ein Auto angewiesen.

Halten Sie Reformen des Sozialstaats grundsätzlich für nötig?

Ja, Reformen sind grundsätzlich notwendig, um den Sozialstaat zukunftsfest zu machen. Die Sozialversicherungssysteme stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Aber: Ziel darf nicht der Abbau von sozialen Leistungen sein, sondern die Sicherung. Der VdK macht deshalb zahlreiche Vorschläge, wie die Finanzierung gesichert werden kann und Versicherte gleichzeitig nicht immer mehr belastet werden.

Warum stehen bei Rentenreformen vor allem ältere Menschen im Fokus?

Die Rente ist für viele ältere Menschen die wichtigste oder einzige Einkommensquelle, Rentenreformen wirken sich also direkt auf ihren Lebensstandard aus. Das zeigen auch die Zahlen. Bayern hat im Vergleich der Bundesländer die höchste Armutsgefährdungsquote von Menschen ab 65 Jahren. Sie lag 2025 bei 22,1 Prozent, für Frauen ab 65 betrug sie sogar 24,8 Prozent. Der Schutz vor Altersarmut muss daher die zentrale Aufgabe der Politik sein. Aber auch jüngere Generationen profitieren von einem stabilen Rentensystem mit langfristig gesicherter Finanzierbarkeit.

Wie wirkt sich die geplante längere Lebensarbeitszeit auf die Rente von jungen Menschen aus?

Längere Lebensarbeitszeiten bedeuten möglicherweise einen späteren Renteneintritt. Wer aufgrund harter körperlicher Arbeit aber nicht länger arbeiten kann, muss dann Rentenkürzungen hinnehmen.

Auch die Änderungen bei der Rentenfinanzierung betreffen die junge Generation als Beitragszahler. Ebenso würde eine Reform der Erbschaftsteuer vor allem Jüngere treffen. Eine Reform der Erbschaftsteuer muss das Ziel haben, die breite Masse zu entlasten.

Bei hohen Erbschaften müssen dagegen die Ausnahmen abgeschafft werden. Hier gibt es aktuell eine große Ungerechtigkeit zugunsten von besonders reichen Erben. Das dadurch zusätzlich eingenommene Geld kann wiederum jungen Menschen zugutekommen, wenn es richtig investiert wird.

Welche Maßnahmen würden den Sozialstaat reformieren, ohne junge Menschen überproportional zu belasten?

Im Zentrum stehen Reformen der Versicherungssysteme. Bei Rente, Pflege und Gesundheit müssten alle einzahlen, also auch Selbstständige oder Beamte. Außerdem wäre es wichtig, dass versicherungsfremde Leistungen wie Mütterrente oder Krankenversicherungskosten für Bürgergeldempfänger durch den Bund übernommen werden. Aktuell finanzieren das die Beitragszahler.

Der Staat muss gute Löhne und sichere Beschäftigung fördern, die gesetzliche Rente stärken und Altersarmut bekämpfen. Wir brauchen mehr Investitionen in Bildung, Ausbildung und Familienförderung. Wichtig wäre es, flexible statt pauschal längere Lebensarbeitszeiten zu ermöglichen. Und schließlich müssen wir hohe Vermögen und große Erbschaften stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls heranziehen.

Markus Honervogt

Das ist der Sozialverband VdK