Mühldorf – 40 Jahre lang hat Gabriele Blechta für die Erziehungsberatung der Caritas gearbeitet. Jetzt verabschiedete sie sich in die Altersteilzeit und hatte zu einer Abschiedsfeier in das Caritas-Zentrum geladen.
Zunächst ergriff Gabriele Blechta selbst das Wort: „Am 1. Juli 1986 startete ich meine Tätigkeit an der Beratungsstelle. Ich war 24 Jahre und sehr nervös – ob mich die Klienten wohl akzeptieren würden? Ich fand ein gutes Team vor und konnte auch meine Münchner Erfahrungen aus der Musiktherapie einbringen“.
Vier Fragen haben sie in letzter Zeit beschäftigt: Warum blieb ich so lange hier? Es war die Vielfalt der Tätigkeiten und die Einarbeitung in spannende Themen, die vielen Herausforderungen, die es zu bewältigen galt.
Der zweite Punkt betraf die Leitung, die sie 32 Jahre innehatte. Es war eine permanente Herausforderung dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. Es gab auch viele Umstrukturierungen bei der Caritas, es gab immer etwas. Ein Kollege nannte dies „caritös“.
Dankbarkeit empfinde sie jetzt, das sei ihr dritter Punkt – für das konstruktive Miteinander, für das Vertrauen und die Kooperation. Auch dass sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen konnte. Die letzte Frage, die sie sich stellte: „Was kommt jetzt? Das ist einfach: Keine Termine mehr, verreisen, ins Restaurant gehen“. Die Gruppe Pentasax spielte passenderweise „When I’m 64“ von den Beatles. Landrat Max Heimerl meinte: „Ich danke Ihnen für die enge, hochprofessionelle und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Sie haben die Beratungsarbeit geprägt und die Leitungsaufgabe hat sie als Person geprägt. Wir konnten uns immer auf menschlicher Ebene begegnen, auch wenn es schwierige Entscheidungen zu treffen galt. Jetzt gib es eine Zäsur, eine Institution geht. Sie werden fehlen. Doch mit 64 ½ Jahren kann man in den Vorruhestand gehen – noch“.
Stephen Kroner, der Direktor des Amtsgerichts Mühldorf bedankte sich für die hervorragende Kooperation: „Ihr Herz liegt bei den Familien und den Kindern, dem Kern unserer Gesellschaft, die es zu schützen gilt. Oft ist das Kindeswohl gefährdet – umso wichtiger ist ihre Arbeit. Die Erziehungsberatung verhindert Eskalation, je besser sie ist, desto weniger Prozesse gibt es, desto weniger Kosten für das Landratsamt entstehen und desto weniger junge Menschen brechen ihren Beruf ab“.
Professor Lohmeier besucht mit seinen Studierenden oft die Erziehungsberatungsstelle. Er führte aus: „40 Jahre lang galt folgende Gleichung: Erziehungsberatung + Mühldorf = Gabriele Blechta. Wir kennen uns seit 1993, woran ich mich besonders erinnere: Viele fassungslose Gesichter von dir, wenn die Caritas wieder einmal ‚caritös‘ war und dein Engagement für Kinder und Jugendliche in Mühldorf – mit Herz und Hand“.
Last but not least trat Alexandra Bohn ans Rednerpult: „Wir ahnten, dass es passiert – jetzt ist es da. Du gehst in Ruhestand. Die Erziehungsberatung war immer ein stabiles Team, es war dir wichtig, dass sich Klienten und Mitarbeiter hier wohlfühlten. Es geht aber auch weiter – jüngere Kolleginnen werden einspringen, auch wenn die Zeiten nicht so schnell besser werden. Die Hauptaufgabe ist die Veränderung, die wir aber mitgehen und durchstehen werden“.
Zum Abschluss überreichten die Kolleginnen aus dem Team Gabriele Blechta eine Reihe von Gutscheinen, mit denen sie ihre jetzt bevorstehende Zeit des Ruhestands sinnvoll nützen kann. Viele illustre Gäste waren erschienen sowie Wegbegleiter aus dem Jugendhilfenetzwerk. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von den fünf Damen der Gruppe Pentasax. Mit Musik, einem Büffet und konstruktiven Gesprächen nahm die Feier ein harmonisches Ende. hra