Mühldorf – In den vergangenen Monaten verzeichnete Bayern mehrere Todesfälle durch das seltene, aber lebensbedrohliche Borna Disease Virus 1 (BoDV-1). Der jüngste Fall im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zeigt die Tücke des Erregers: Die Infektion wurde erst nach dem Tod im Rahmen einer Obduktion nachgewiesen. Obwohl die dortige Kreisbehörde betont, dass es sich um einen äußerst seltenen Einzelfall handle und keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung bestehe, wirft das Ereignis auch im Landkreis Mühldorf Fragen auf. Denn auch im Landkreis sind in den vergangenen Jahren zwei Menschen am Bornavirus verstorben.
Wie hoch ist das Risiko
im Landkreis Mühldorf?
Da das Bornavirus in Bayern endemisch ist, also dauerhaft und örtlich begrenzt vorkommt, bleibt das Thema auch für die Region Mühldorf relevant. Das Gesundheitsamt Mühldorf, gibt jedoch Entwarnung für den Alltag. Im Fall des Bornavirus sei das individuelle Risiko für eine Infektion sehr gering, da die meisten Fälle Tiere und Wildtiere betreffen würden. Übertragungen auf Menschen seien demnach sehr selten.
Das Bornavirus wird primär durch Feldspitzmäuse übertragen. Da Katzen tote Mäuse ins Haus schleppen können oder die Tiere sich in Schuppen aufhalten, ist vor allem bei staubaufwirbelnden Arbeiten und beim Entsorgen von Kadavern Vorsicht geboten. Wer eine tote Maus beseitigen muss, sollte stets Gummihandschuhe und eine FFP2-Maske tragen. Auch beim Auskehren von Schuppen oder Kellern, wo Spitzmäuse gelebt haben könnten, schützt eine Maske vor dem Einatmen von kontaminiertem Staub. Für tiefgehende Informationen verweist das Gesundheitsamt auf das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Neben Borna tauchen regelmäßig Berichte über weitere Erreger wie Hanta, Corona oder das Newcastlevirus auf. Doch wie gefährlich ist beispielsweise das Newcastle-Geflügelvirus für uns? Laut Gesundheitsamt Mühldorf ist eine Infektion des Menschen mit der Newcastle-Krankheit bei engem Kontakt mit infizierten Vögeln oder infektiösem Material zwar möglich, aber ebenfalls sehr selten. In der Regel verursachen die Viren beim Menschen milde, von selbst abklingende Symptome wie Bindehautzündungen oder grippeähnliche Beschwerden. Schwere Verläufe mit Todesfolge wurden in der Vergangenheit nur in Einzelfällen bei stark geschwächten Patienten beschrieben, so das Gesundheitsamt.
Obwohl in der Bevölkerung oft der Eindruck entsteht, Epidemien stünden direkt vor der Haustür, lässt sich laut Gesundheitsamt eine pauschale, globale Zunahme an neuen Viren nicht bestätigen. Dass uns Erreger heute präsenter erscheinen, liegt an einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Ein wesentlicher Grund ist die verbesserte Überwachung, auch Surveillance genannt. Dank moderner Genom-Sequenzierung, höherer Testkapazitäten und optimierter Meldesysteme würden Ausbrüche heute viel früher und präziser erkannt als in der Vergangenheit. Gleichzeitig veränderten sich die Umwelt und die Tierhaltung. Der Klimawandel, der Verlust von natürlichen Lebensräumen und zunehmende Wildtierkontakte würden die Gelegenheiten für Kontakte zwischen Mensch und Tier erhöhen. Viele neue Ausbrüche springen als sogenannte Zoonosen vom Tier auf den Menschen über, bestätigt die Mühldorfer Behörde.
Zusätzlich begünstigen hygienische und soziale Faktoren wie die Bevölkerungsdichte, Massentierhaltung sowie die fortschreitende Urbanisierung die Verbreitung von Krankheiten. Durch den schnellen, weltweiten Reiseverkehr im Zuge der Globalisierung könnten sich Erreger zudem rascher über Grenzen hinwegbewegen.
Müssen wir uns
vor Ebola fürchten?
Zuletzt hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai 2026 aufgrund eines Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo eine „Gesundheitliche Notlage Internationaler Tragweite“ ausgerufen. Das Gesundheitsamt beruhigt jedoch bezüglich einer Pandemiegefahr für unsere Region, betont aber gleichzeitig, dass es sinnvoll ist, sich auf mögliche Pandemien vorzubereiten. Aufgrund internationaler Flug- und Reiseverbindungen lässt sich zwar nie gänzlich ausschließen, dass infizierte oder exponierte Personen nach Europa einreisen. Ebola-Ausbrüche blieben im Regelfall jedoch regional begrenzt, sofern ein effizienter Infektionsschutz besteht.
Dazu zählen nach Amtsangaben konsequente Hygienemaßnahmen, die schnelle Meldung von Verdachtsfällen sowie die sichere Behandlung von Patienten. Für den Ernstfall ist das medizinische Personal auch in der Region gut vorbereitet. Das Gesundheitsamt verweist hierbei auf die strikten Handlungshinweise, das Flussschema zur Verdachtsabklärung sowie den interaktiven Leitfaden für medizinisches Personal des Robert-Koch-Instituts (RKI).