Preissprung an der Zapfsäule unübersehbar

von Redaktion

Die Bundesregierung hat die Mineralölsteuer für zwei Monate abgesenkt. Nach dem Ende der Maßnahme am Mittwoch, 1. Juli, stiegen die Preise wieder deutlich an. Autofahrer reagierten mit Frust, während Tankstellenbetreiber in der Region nach einem großen Ansturm nun eine Ruhephase erlebten.

Wasserburg/Mühldorf/Altötting – Der Preissprung: Er war beim Blick auf die Zapfsäule unübersehbar. Wer am 30. Juni zum Tanken fuhr, zahlte in Wasserburg für Super E10 noch rund 1,80 Euro, für Diesel im Schnitt 1,89 Euro. Jetzt, Anfang Juli, kostet der Kraftstoff gut 20 Cent mehr. Der Tankrabatt ist seit dem 1. Juli Geschichte. Autofahrer müssen beim Sprit nachfüllen nun wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen. Bei vielen sorgt das für Frust.

Nur noch Fahrten für
Kinder und zum Einkaufen

Etwa bei Ruth Marschner. Die alleinerziehende Mutter aus Eiselfing achtet nun sehr darauf, wie oft sie fährt. „Ich nutze das Auto nur noch für Fahrten für die Kinder und zum Einkaufen“, erklärt sie. Außerdem tanke sie möglichst vormittags. Bevor die Tankstellenbetreiber mittags ihre Preise anheben dürfen. „Dann wird es ja noch teurer“, sagt sie. Der Tankrabatt war für Marschner eine Erleichterung, dennoch sagt sie: „Eigentlich sollte es so eine Regelung nicht geben müssen“. Die hohen Spritpreise seien ein Problem, für das die Politik eine nachhaltige Lösung finden müsse. Sie verweist etwa auf die hohen Steuern auf Sprit in Deutschland.

Zwei Monate lang hatte die Bundesregierung die Mineralölsteuer um 17 Cent abgesenkt. Diese Maßnahme sollte vor allem Vielfahrer und Pendler an der Zapfsäule entlasten. Doch damit ist jetzt Schluss. Viele Autofahrer fuhren kurz vor Auslaufen des Tankrabatts zur Tankstelle, in der Hoffnung, Diesel und Benzin noch einmal zu einem günstigeren Preis zu bekommen. „Da war einiges los bei uns“, erklärt Adrian Zeislmeier. Seine Familie betreibt eine freie Tankstelle an der Salzburger Straße in Wasserburg. Der große Run auf den Kraftstoff sorgte dafür, dass ihnen der Sprit teilweise sogar ausging. Super-Bleifrei war ausverkauft. „Beim Diesel“, ergänzt Zeislmeier, „war es knapp“.

Am Donnerstag (2. Juli) füllt Peter Suittenpoitner wieder Diesel in seinen Transporter. Ein Preis von 1,96 Euro steht in leuchtender Schrift auf der Anzeigetafel. „Wenn ich das Auto vollmachen würde, müsste ich 120 Euro zahlen“, sagt er. Das nimmt er jedoch mit Galgenhumor. „Da muss man durch“, betont er. In die Arbeit müsse er mit dem Auto fahren. 60 Kilometer pendle er aktuell. In der Freizeit könnte er sich durchaus vorstellen, das Auto öfter stehenzulassen. „Mehr mit dem Zug zu fahren“ wäre für Suittenpoitner eine Idee. Wenn man mit der Bahn denn gut an das gewünschte Ziel käme.

Wer ins Wasserburger Umland muss, sei stark auf den eigenen Pkw angewiesen, betonen mehrere Autofahrer an diesem Donnerstag. Zudem ist derzeit die Bahnstrecke zwischen Wasserburg und Rosenheim gesperrt. Sieben Wochen lang fahren auf der Route nur Busse. Diejenigen, die aus dem Wasserburger Land nach Rosenheim zur Arbeit müssen, haben es daher derzeit auch deutlich schwerer, öffentlich voranzukommen. Die Autofahrer haben den Eindruck: Gerade wer pendelt oder zwingend irgendwohin muss, komme nicht weg vom Auto. Und nicht ums Tanken herum. Manche Autofahrer betonen, sie würden die Spritpreise noch im Internet vergleichen und dann die Tankstelle anfahren, die am günstigsten ist. Suittenpoitner nicht. „Im Großen und Ganzen“, erklärt er, „ist es doch überall gleich teuer“.

Zeislmeier hat den Eindruck, die Autofahrer schauten nun durchaus genauer, wo sie tanken. Doch für die freien Tankstellenbetreiber betont er auch: „Wir machen die Preise nicht.“ Die freien Tankstellen seien nicht an die großen Mineralölkonzerne gebunden, sie könnten die Kraftstoffe noch halbwegs frei einkaufen, erklärt Zeislmeier. „Aber der Markt ist, wie er ist“, sagt er. „Auch wir müssen den Sprit für den Preis abnehmen, für den wir ihn bekommen.“

Ob der Tankrabatt eine sinnvolle Maßnahme war, bezweifelt er. Es brauche in seinen Augen eine langfristige Lösung. Die im April eingeführte 12-Uhr-Regel befürwortet der Wasserburger hingegen. Jetzt hätten die Tankstellen immerhin eine einheitliche Regelung, wie beziehungsweise wann sie die Preise anheben dürften.

Diese Regelung befürworten aber nicht alle Tankstellenbetreiber. „Nur einmal, am Mittag, den Preis anheben zu dürfen, ist ein Krampf“, sagt Eva Prinz, Mitarbeiterin der Tankstelle Bruchmayer in Altötting. Denn dann müsste der Kraftstoff um 12 Uhr stets ordentlich teurer werden. „Aber nicht jeder kann noch in der Früh tanken“, sagt Prinz. „Da kommen sich die Autofahrer doch verarscht vor.“ Manch einer lade in der Tankstelle durchaus seinen Frust ab, berichtet eine Mitarbeiterin einer kleinen, freien Tankstelle aus Mühldorf. Der Unmut richte sich aber in der Regel nicht gegen die Mitarbeitenden dort, sondern gegen den Staat, unterstreicht sie.

Den Tankstellenbetreibern will auch Osman Jafer in Wasserburg keinen Vorwurf machen. Das Tanken schmerze ihn derzeit aber schon. Er ist beruflich viel mit dem Auto unterwegs, muss zwei- bis dreimal im Monat Sprit nachfüllen, berichtet er. Die gestiegenen Preise spürt Jafer im Portemonnaie. Die Tankfüllung koste ihn jetzt im Juli 20 Euro mehr als noch im Juni.

Ansturm vor
dem Auslaufen

„Das geht auf Dauer ins Geld“, betont er. „Schade, dass der Tankrabatt nicht länger lief.“ Der Meinung schließt sich Prinz aus Altötting an: „Wenn, dann hätte er noch bis Ende August laufen sollen“, sagt sie. „Dann hätten die Familien noch was davon gehabt, wenn sie in den Sommerferien in den Urlaub fahren.“

Kurz vor Auslaufen des Tankrabatts, vor allem am 29. und 30. Juni, erlebten die Tankstellen also noch einen Ansturm, der seinesgleichen suchte. Sogar mit Kanistern seien die Kunden gekommen, um sich möglichst viel Kraftstoff zu einem möglichst günstigen Preis zu sichern, berichtet Prinz.

Jetzt, in den ersten Juli-Tagen, sei hingegen deutlich weniger los. Diejenigen, die beruflich viel fahren müssen, füllen Sprit nach. Viele andere Autofahrer kämen mit dem preiswerter besorgten Kraftstoff noch eine Weile über die Runden. „Wir erleben gerade eine Ruhe nach dem Sturm“, sagt Prinz.

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