Wasserburg – Gleich zwei besondere Ereignisse prägten kürzlich einen Tag an der Berufsfachschule für Pflege am kbo-Inn-Salzach-Klinikum (kbo-ISK): die feierliche Aufnahme in das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie die Examensfeier der diesjährigen Absolventen. Wie das kbo-Inn-Salzach-Klinikum in einer Pressemitteilung schreibt, fanden beide Veranstaltungen am Freitag (10. Juli) statt und wurden von Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger begleitet.
Mit der feierlichen Übergabe der Plakette sei die Zugehörigkeit der Berufsfachschule zum Netzwerk nun auch nach außen sichtbar geworden. Voraussetzung für die Aufnahme war laut Mitteilung, dass sich mindestens 70 Prozent der Schüler sowie der Lehrkräfte freiwillig zu den Zielen des Netzwerks bekennen und sich verpflichten, sich dauerhaft gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einzusetzen.
Interesse
am Gegenüber
Thomas Schwarzenberger, der die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat, zeigte sich erfreut: „Es gibt Termine, die man wahrnimmt, weil sie einen persönlich berühren – und der heutige ist so einer. Kaum eine Schule könnte besser zu dieser Auszeichnung passen und sie glaubwürdiger tragen als eine Schule für Pflege. Denn Pflege beginnt nicht mit einer Spritze, einem Verband oder anderen medizinischen Maßnahmen. Pflege beginnt mit Begegnungen zwischen zwei Menschen, mit einem offenen Blick, einem freundlichen Wort und einem ehrlichen Interesse am Gegenüber.“ Auch kbo-ISK-Geschäftsführer Dr. Karsten Jens Adamski betonte die Bedeutung der Auszeichnung: „Die Auszeichnung ist weit mehr als ein Schild am Schuleingang. Sie ist Ausdruck einer Haltung, die jeden Tag neu gelebt werden muss. Gute Pflege kennt keine Unterschiede hinsichtlich Herkunft, Hautfarbe, Sprache oder kultureller Prägung. Sie orientiert sich ausschließlich an der Würde des Menschen. Die Initiative lebt nicht von einer einmaligen Abstimmung oder einer einzelnen Veranstaltung. Sie lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Miteinander zu übernehmen.“
Zahlreiche Ideen für
Weiterentwicklung
Sarah Eichholz, Vertreterin der Schülermitverantwortung (SMV), brachte die Bedeutung für die Schüler auf den Punkt: „Ich glaube daran, dass wir die Welt für einzelne Menschen verändern können, wenn wir die Menschen sehen, wahrnehmen und wertschätzen. Es lohnt sich, mutig zu sein. Ich danke allen Lehrkräften sowie meinen Mitschülerinnen und Mitschülern, die dieses Projekt mit ihrem Engagement möglich gemacht haben.“ Im Anschluss an die Grußworte präsentierten Schüler die Ergebnisse ihrer Projekte, die im Vorfeld der Aufnahme entstanden waren. Dazu zählten eine Ausstellung über die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, ein selbst produziertes Video mit persönlichen Statements zu den Themen Rassismus und Courage sowie der neu gestaltete Pausenraum unter dem Motto „Vielfalt & Verbundenheit“, der künftig als Ort der Begegnung und des Austauschs dienen soll.
Für Wolfgang Janeczka, kommissarischer Schulleiter der Berufsfachschule, beginne mit der Auszeichnung nun die eigentliche Arbeit: „Courage bedeutet nicht nur, in großen Momenten mutig zu sein. Courage beginnt vielmehr im Kleinen – wenn jemand beleidigt oder ausgegrenzt wird. Wenn man Menschlichkeit zeigt und jemandem beisteht, der Unterstützung braucht.“ Für die Weiterentwicklung gebe es bereits zahlreiche Ideen, so wolle sich die Schule künftig unter anderem am Wasserburger Nationenfest beteiligen.
Erfolgreicher Abschluss
in der Pflege
Am Nachmittag stand mit der Examensfeier der zweite Höhepunkt des Tages an. Im Gaberseer Festsaal wurden die Absolventen der Ausbildung zur Pflegefachkraft sowie der Krankenpflegehilfe in Anwesenheit des Bezirkstagspräsidenten geehrt. Insgesamt schlossen 28 Pflegefachkräfte sowie 18 Krankenpflegehelferinnen und Krankenpflegehelfer ihre Ausbildung erfolgreich ab. Katharina Pfaller, Nina Celine Kroll, Sahra Sami und Rosella Tavernese wurden darüber hinaus mit dem Bayerischen Staatspreis für einen Notendurchschnitt von 1,5 oder besser ausgezeichnet. Die vier Preisträgerinnen erhielten zudem eine Ehrung der Franz-und-Rosa-Eben-Stiftung, verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 1.000 Euro. Josef Mederer, Altbezirkstagspräsident und stellvertretender Beiratsvorsitzender der Stiftung, überreichte die entsprechenden Urkunden für die herausragenden Leistungen.
Pflegedirektorin Kerstin Weinisch gratulierte den Absolventen: „Mit Ihrem Examen halten Sie weit mehr als ein Zeugnis in den Händen. Sie übernehmen künftig Verantwortung für Menschen in oft schwierigen Lebenssituationen. Fachliche Kompetenz ist dabei unverzichtbar – ebenso wichtig sind Empathie, Respekt und Menschlichkeit. Genau diese Werte haben Sie während Ihrer Ausbildung in Gabersee mit auf den Weg bekommen. Darauf können Sie stolz sein. Gleichzeitig freuen wir uns sehr, viele von Ihnen künftig als Kolleginnen und Kollegen am kbo-Inn-Salzach-Klinikum begrüßen zu dürfen.“
Die Examensfeier war zugleich ein besonderer Moment für Wolfgang Janeczka selbst: Nach 45 Jahren am kbo-Inn-Salzach-Klinikum verabschiedete sich der langjährige Lehrer und kommissarische Schulleiter in den Ruhestand. „Wenn ich heute zurückblicke, dann tue ich das mit großer Dankbarkeit. Ich hatte das Glück, 45 Jahre bei einem großartigen Arbeitgeber in einem tollen Unternehmen arbeiten zu dürfen. Rund 28.000 Unterrichtsstunden liegen hinter mir – vor allem aber unzählige Begegnungen mit jungen Menschen, die heute Verantwortung in einem der wichtigsten Berufe unserer Gesellschaft übernehmen“, sagte er.
Kollegen, Wegbegleiter sowie die Absolventen würdigten sein jahrzehntelanges Engagement für die Pflegeausbildung mit lang anhaltendem Applaus.