Wasserburg – Ein simulierter Busunfall mit zahlreichen Verletzten, mitten im laufenden Klinikbetrieb: Mit diesem Szenario hat die Romed-Klinik Wasserburg ihre Notfallabläufe für einen sogenannten Massenanfall von Verletzten auf die Probe gestellt. Die Übung fand an einem Wochentag vormittags statt, wie aus der Pressemitteilung der Romed-Kliniken hervorgeht.
Nichts an
Aktualität verloren
Auch zehn Jahre nach dem Zugunglück in Bad Aibling hätten Szenarien mit einer Vielzahl an Verletzten nichts an Aktualität verloren, heißt es in der Mitteilung. Abläufe für solche Unglücke müssten für Rettungsdienst und Kliniken genau geplant und strukturiert sein, damit alle Patienten die nötige Behandlung erhalten.
Solche Strukturen beschreibe für ein Krankenhaus der Alarm- und Einsatzplan. Ob die theoretischen Konzepte auch im Realbetrieb funktionieren – und das zusätzlich zum normalen Betrieb einer stark frequentierten Notaufnahme –, habe die Romed-Klinik Wasserburg herausfinden wollen. Gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), der Johanniter-Unfall-Hilfe aus Wasserburg und der Integrierten Leitstelle (ILS) sei deshalb eine praxisnahe, klinikintern fokussierte Übung geplant worden.
Das Szenario sah einen schweren Busunfall auf der B15 mit mehreren Fahrzeugen und zahlreichen Schwerverletzten vor. Dieser Massenanfall von Patienten sollte parallel zum weiterlaufenden Echtbetrieb bewältigt werden. „Heute geht es um eine reine Belegungsübung – maßgeschneidert für unsere Klinik. Wir trainieren Wege, Übergaben, Entscheidungen. Der Rettungsdienst liefert in diesem Setting die Patientinnen und Patienten an, ohne aber direkt aus Fahrzeugen zu retten“, erklärte Dr. Julia Härtl, ärztliche Leiterin der Übung. „Eine Vollübung mit Bergung aus einem umgestürzten Bus wäre deutlich komplexer. Für unsere Ziele heute ist das nicht nötig.“
In der nahen Rettungswache des BRK seien 15 Menschen durch das Team der Johanniter für die realistische Unfalldarstellung vorbereitet worden. Zwei Rettungswagen der Johanniter und des BRK hätten die „Unfallopfer“ in kurzen Abständen zur Klinik gebracht. Zusätzlich zu den „Verletzten“ des fiktiven Unfalls habe ein simulierter häuslicher Herzinfarkt die Last im Sichtungsablauf erhöht und für realistische Bedingungen gesorgt.
Am Klinikeingang übernehme in solchen Situationen der Leitende Arzt der Sichtung die Ersteinschätzung anhand eines standardisierten Algorithmus. Ein klinikinterner Koordinator lege dann Reihenfolge und Therapie fest und weise die Patienten den Behandlungsteams und -räumen zu. Der normale Klinikbetrieb sei während der Übung parallel weitergelaufen, reale Notfälle seien priorisiert versorgt und in die Abläufe eingebunden worden. Für nicht kritische Fälle habe es während der Übung rund 30 Minuten zusätzliche Wartezeit gegeben. „Die Sicherheit der echten Patienten ist natürlich unser oberstes Gebot“, betonte Dr. Härtl.
Nachdem die Romed-Klinik Wasserburg Ende 2022 auf ein neues Gelände umgezogen war, sei der Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplan von einem Team um die langjährige Notärztin Dr. Julia Härtl neu erstellt worden. Der Probelauf habe die geplanten Abläufe unter Realbedingungen validieren und Schwachstellen aufdecken sollen. So habe die Leistungsfähigkeit der Klinik bestätigt werden können, insbesondere in der Schockraum-Versorgung schwer verletzter Patienten. Zugleich seien praktische Details aufgefallen: „Sich automatisch ständig öffnende Türen stören den Sichtungsbereich. Dinge wie diese sieht man nur im Betrieb“, sagte Dr. Härtl. „Dafür brauchen wir eine pragmatische Lösung.“
Engmaschige Kooperation der Rettungskräfte
Rund zehn Beobachterinnen und Beobachter aus Kliniken und Rettungsdienst hätten den Ablauf verfolgt. Durch ihre Rückmeldungen hätten die Strukturen noch feiner an den Bedarf angepasst werden können. Die ILS habe die Patientenbelegung der Klinik über Funk gesteuert, das Landratsamt den Leiter Rettungsdienst gestellt, das Romed-Klinikum Rosenheim den Ärztlichen Landesbeauftragten Rettungsdienst als Beobachter.