Wasserburg/Reitmehring – Gehen die Bahnschranken hinunter, bilden sich die langen Autoschlangen. Als Staufalle ist der Bahnübergang Reitmehring schon berüchtigt. Pendlern, die auf der B304 in Richtung München unterwegs sind, graut vor der Stelle. Noch dazu schneidet sie den Wasserburger Stadtteil in zwei Teile. All das soll aber mal der Vergangenheit angehören. Eine Brücke und ein Tunnel sollen den Bahnübergang ersetzen. Ein Jahrhundertprojekt. Das nun die letzte gerichtliche Hürde genommen hat.
Gegen das Vorhaben
vorgegangen
Anlieger waren in den vergangenen Jahren gegen das Vorhaben vorgegangen. Landwirte und der Betreiber einer Gärtnerei waren gegen den Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern vor Gericht gezogen. Sie sahen sich durch Immissionen, die aus der Bautätigkeit resultieren, und die lange Bauzeit bedroht. Auch die Firma Meggle hatte geklagt. Allerdings letzten Endes erfolglos. Im Frühjahr 2025 waren die Kläger bereits vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München gescheitert. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Meggle spielte die letzte juristisch mögliche Karte: eine Beschwerde gegen diese Nichtzulassung der Revision. Diese ging im Juli 2025 beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein. Und ist jetzt aber vom Tisch.
„Am 15. Juli erging der Beschluss, die Nichtzulassungsbeschwerde zurückzuweisen“, teilt eine Sprecherin des Bundesverwaltungsgerichts mit. Damit ist das gerichtliche Verfahren abgeschlossen. Der Planfeststellungsbeschluss für die Beseitigung des Bahnübergangs ist rechtskräftig. Eine Stellungnahme zu dieser Entscheidung lehnte die
Meggle Group ab. „Zu rechtlichen Angelegenheiten äußert sich Meggle grundsätzlich nicht öffentlich“, teilt Pressereferent Maximilian Boening mit.
Die Richter haben ihr letztes Wort in der Sache gesprochen. Baurecht ist also geschaffen. Trotzdem dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis die Bagger anrollen. Zunächst müsse die Projektorganisation aufgestellt werden. Weitere Planungs- und Vorbereitungsschritte seien nötig, erklärt das Staatliche Bauamt Rosenheim in einer Pressemitteilung. An nächster Stelle ständen weitere Abstimmungen mit der Deutschen Bahn sowie der Stadt Wasserburg. „Ein konkreter Zeitplan für die weiteren Schritte beziehungsweise den Baubeginn lässt sich derzeit noch nicht abschließend benennen“, so der Sprecher des Staatlichen Bauamts. Wann der Spatenstich für das Mammut-Projekt erfolgen kann, steht und fällt auch mit der Finanzierung.
Bürgermeister Bastian Wernthaler hatte zuletzt bereits darauf hingewiesen, dass es darauf ankomme, wann der Bund das Projekt in seinem Haushaltsplan berücksichtige. 44 Millionen Euro sind nach aktuellem Stand für die Maßnahme einkalkuliert. Die nun geschaffene Rechtssicherheit sei viel wert, betont er. Die Stadt Wasserburg hoffe jetzt darauf, dass der Bund das Vorhaben, nach der langen Zeit der Planung, klar priorisiere.
Daniela Ludwig, Bundestagsabgeordnete für Stadt und Landkreis Rosenheim erläutert, der Ball liege zunächst beim Staatlichen Bauamt. Dies habe zunächst alle weiteren Vorarbeiten abzuschließen. Sobald dies geschehen sei „und eine endgültige Kostenschätzung vorliegt, werde ich unverzüglich das Gespräch mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger suchen.“
„Ich freue mich wirklich sehr“, sagt Ludwig, „dass das Verfahren nach so vielen Jahren endlich abgeschlossen ist.“ Es ist in ihren Augen so wichtig, weil mit der Beseitigung des Bahnübergangs ein besserer Verkehrsfluss erwartet werde. „Die B304 ist für unsere Region von hoher Bedeutung, weil sie wichtige Wirtschaftsräume miteinander verbindet“, sagt die Innenstaatssekretärin.
Interessen der Anwohner nicht vergessen
Sosehr er sich wünscht, dass das Projekt möglichst zügig voranschreitet: Wasserburgs Bürgermeister Wernthaler weist jedoch auch darauf hin, die Interessen der Anlieger nicht zu vergessen. „Die Maßnahme muss so geplant werden, dass die unmittelbar betroffenen Unternehmen und Anwohner möglichst wenig belastet werden“, so der Rathauschef. „Hier bedarf es enger Absprachen und effektiver Maßnahmen der Verkehrsleitung, gerade hinsichtlich der Zu- und Abfahrt zu großen Betriebsstätten!“
Der bauliche Eingriff in die Örtlichkeit wird massiv sein. Der Bahnübergang wird komplett verschwinden. Künftig soll eine Brücke über die Gleisanlagen führen. In Richtung Wasserburg schließen ein Trog und ein gut 130 Meter langer Tunnel an.
Die Ortsstraßen sollen mit Rampen an die neue Trasse der B304 angebunden werden. Der überörtliche Verkehr erhält eine direkte Anbindung an die B15 in Richtung Rosenheim. Insgesamt umfasst das Baufeld eine Strecke von rund 1,4 Kilometern.