Mühldorf – Kaum ein Landkreis wächst so rasant wie Mühldorf: ein begehrtes Zuzugsgebiet. Doch reicht der Wohnraum? Und wie steht es um weitere Themen, die für das Wohnen, Leben und Arbeiten wichtig sind? Antworten und Prognosen von Landrat Max Heimerl.
Nicht nur in München, auch im Landkreis Mühldorf klagen viele über große Probleme bei der Wohnungssuche. Günstig wohnen ist das Megathema der Gegenwart und Zukunft. Wie ist der Landkreis aufgestellt? Kann er allen, die zuziehen möchten, überhaupt passenden Wohnraum bieten?
Wir sind ein wachsender Landkreis: Laut Bayerischem Landesamt für Statistik ziehen voraussichtlich etwa 4.200 Personen bis zum Jahr 2034 beziehungsweise etwa 7.600 Personen bis zum Jahr 2044 zu. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,3 Personen folgt sehr vereinfacht ein Bedarf an Wohnraum für 1.830 Haushalte (2034) beziehungsweise von 3.300 Haushalten bis 2044. Wenn man diese Zahlen mit den jährlichen Baugenehmigungen beziehungsweise Baufertigstellungen von Wohnungen der vergangenen zehn Jahre (jeweils etwa 6.500) vergleicht, sehen wir uns im Landkreis Mühldorf insgesamt gut gerüstet für den Bevölkerungszuwachs. Wir können es schaffen, mit Unterstützung der Kommunen. Unsere Kreiswohnungsbaugesellschaft ist in fünf von 31 Gemeinden tätig, es gibt Überlegungen, Kommunen im Landkreis als Dienstleister bei kommunalen Wohnbauprojekten zu unterstützen.
Hat der Bauturbo gewirkt?
Der Bauturbo soll in erster Linie die Wohnbauvorhaben beschleunigen und den Bürgerinnen und Bürgern insbesondere dort, wo sonst umfangreiche Bauleitpläne aufgestellt oder geändert werden müssen, die Umsetzung der Wohnbauvorhaben erleichtern. Der Bauturbo ist das wirkungsvollste Instrument zur Beseitigung der Bürokratie, das wir derzeit kennen. Er ist übrigens auch ein stärkendes Element für unsere Demokratie – weil er spürbare Entlastung bringt und das Vertrauen in den Staat und seine Handlungsfähigkeit stärkt.
Wichtig für das Wohnen, Leben und Arbeiten in der Zukunft ist der Hitzeschutz. Das hat der Sommer 2026 deutlich gezeigt. Deutschland, so heißt es immer wieder aus Reihen der Wissenschaft, ist nicht ausreichend vorbereitet auf ein Leben und Arbeiten bei Temperaturen weit über 30 Grad. Verwaltungen, Schulen, Kitas, Seniorenheime, Unternehmen, Städte und Gemeinden: Was muss getan werden, damit wir den Klimawandel aushalten?
Die Prognosen sind eindeutig: Wir werden solche Hitzewellen häufiger erleben. Deshalb bauen wir bei Generalsanierungen und Neubauten Kühlsysteme und Lüftungsanlagen ein. Jüngstes Beispiel: das neue Sonderpädagogische Förderzentrum in Aschau. Doch es steht auch fest: Wir können nicht alle Räume auf 20 Grad herunterkühlen. Wir benötigen eine Kombination aus technischen, baulichen und organisatorischen Maßnahmen. Da helfen auch kleinere: der Umbau eines Pausenhofs wie derzeit in Waldkraiburg, neue Sonnensegel wie am Gymnasium Mühldorf.
Wichtig auch für das Wohnen: die Energieversorgung. Als großer Coup gilt die Gründung des Landkreiswerks. Doch seit dem Start ist wenig zu hören. Was tut das Landkreis-werk, wann gibt es erste Ergebnisse, mit denen die Bürger etwas anfangen können?
Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung des Landkreiswerkes. Nach der Gründung im Juli 2025 galt es, die Organisation und die notwendigen Strukturen aufzubauen. Das Landkreiswerk ist nun voll arbeitsfähig.
Wir haben bereits 25 Träger vereint (24 Kommunen und den Landkreis). Wir kommen inhaltlich gut voran. Viele wichtige Arbeiten finden derzeit im Hintergrund statt. Dort entsteht die Grundlage für den späteren Erfolg. Die ersten sichtbaren Projekte werden Schritt für Schritt folgen. Unser Ziel ist klar: die Energiewende kommunal gestalten, regionale Wertschöpfung sichern und Bürger sowie Kommunen und die Wirtschaft an der Energiezukunft beteiligen.
Heike Duczek