Mit grossen schritten

Schweinepest kommt näher

von Redaktion

von Martina Rathke, Natalie Skrzypczak und Michael Heitmann

Warschau/Prag/Greifswald – Erimar von der Osten bewirtschaftet in der Uckermark in Brandenburg das Waldgut Blumberg. Wenn er durch seinen Wald – rund 30 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – streift, sieht er die Spuren der Wildschweine täglich am Boden. „Sie sind im Wald wertvolle ökologische Dienstleister, weil sie den Boden auflockern“, sagt er. Trotzdem fürchtet der Forstwirt den Moment, an dem er eine tote Sau entdecken sollte, die an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendet ist.

Die Seuche, die seit 2007 in Osteuropa grassiert, ist für den Menschen zwar vollkommen ungefährlich, doch für Wild- und Hausschweine tödlich. Außerdem gibt es gegen die ursprünglich aus Afrika stammende Krankheit keinen Impfstoff. Sollte die hochansteckende Seuche von Tschechien, Rumänien oder Polen nach Deutschland schwappen, kann sie nur durch Bejagung bekämpft werden. Doch alle Bemühungen blieben bislang erfolglos. Im Gegenteil: Der Erreger breitet sich weiter aus.

In polnischen Schweinemastbetrieben wurde das Virus allein in diesem Jahr über 50 Mal bereits nachgewiesen, wie das Warschauer Hauptveterinäramt mitteilt. Zudem seien mehr als 400 Fälle bei Wildschweinen festgestellt worden. Ende Juni schlugen erstmals die Behörden in Tschechien Alarm: Bei zwei verendeten Wildschweinen wurde die ASP entdeckt. Seither wurden 90 Tierkadaver positiv auf das Virus getestet, wie die Veterinärbehörde SVS mitteilte. Die Verwaltungsregion Zlin hat den Krisenfall ausgerufen. Der plötzliche Ausbruch der Krankheit in Südmähren hat Experten überrascht. Kritiker sagen, die Maßnahmen zur Eindämmung kämen nicht schnell genug voran.

In Deutschland nimmt mit jedem weiteren Fall in Polen oder Tschechien der Druck und die Sorge zu. Dabei sehen Experten nicht die Übertragung von Rotte zu Rotte als größtes Problem an. Vielmehr ist es der achtlos am Rastplatz entsorgte Rest eines Wurstbrotes oder anderer kontaminierter Schweineprodukte, an denen sich Wildschweine infizieren können. „So kann der Erreger in kurzer Zeit große Entfernungen zurücklegen“, schreibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Reisende sollten kein Fleisch und keine Wurstbrote aus Osteuropa mitbringen oder unterwegs wegwerfen, erklärte der VerbraucherServiceBayern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat eine Info-Kampagne gestartet. An Grenzübergängen werden Passanten und Autofahrer auf die Gefahren einer Einschleppung hingewiesen. Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern haben Notfallpläne erarbeitet.

Bei einem Ausbruch sind vor allem die Jäger gefragt. Deutschland ist nach Angaben des FLI das Land mit der höchsten Wildschweindichte in Europa. Und obwohl Jäger bereits verstärkt schießen, zeigt die Bestandsentwicklung weiter nach oben. Außerdem hätte ein Ausbruch enorme Konsequenzen für Schweinehalter. Deutschland gehört mit 5,53 Millionen Tonnen Schweinefleisch zu den weltweiten Schwergewichten. Für Landwirte würde der Absatz einbrechen. Auch könnten Exportbeschränkungen drohen.

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