Stockholm – Das abwechselnde Wohnen bei beiden Elternteilen tut Scheidungskindern gut, wie zwei neue Studien aus Schweden bestätigen. Ihnen geht es besser als denen, die nur bei einem Elternteil leben. Teilweise geht es diesen Kindern sogar genauso gut wie Kindern in klassischen Kernfamilien.
Doch im deutschsprachigen Raum ist es noch immer selten, dass Scheidungskinder abwechselnd bei beiden Elternteilen leben. Oft ist es die Mutter, die nach einer Scheidung die Hauptlast trägt. „Nur in relativ progressiven und gebildeten Gegenden ist das stärker üblich“, sagt Kinderpsychologin Malin Bergström vom Karolinska Institut in Stockholm. In Schweden hingegen gebe es eine andere Regel, für die sich immer mehr geschiedene Eltern entscheiden – dies auch in unterschiedlichen sozialen Schichten, so Bergstöm.
In einer neuen Studie hat Bergström 3656 Kindergartenkinder zwischen drei und fünf Jahren untersucht und je nach Wohnsituation verglichen. Dabei zeigte sich, dass es den Scheidungskindern, die abwechselnd bei den Eltern wohnen, besser geht als denen, die nur bei einem Elternteil wohnen. Es gehe den abwechselnd wohnenden Kindern mindestens fast so gut wie den Kindern, deren Eltern nicht geschieden sind. Bergstöm und ihr Team hatten zuvor Kinder zwischen zehn und 18 Jahren untersucht und ähnliche Ergebnisse erzielt.
Der Soziologe Jani Turunen von der Uni Stockholm untersuchte 807 Kinder. Diese Studie ergab sogar, dass abwechselndes Wohnen auch dann besser ist, wenn die getrennten Eltern sich streiten.
Warum abwechselndes Wohnen besser ist, ist umstritten. Bergström: Zum einen gehe es den Eltern dabei besser, weil sie die Last teilen – psychologisch, zeitlich und wirtschaftlich. Und zum anderen hätten die Kinder nicht das Gefühl, von einem Elternteil verlassen zu werden. „Für das Wohlbefinden der Kinder ist es nicht wichtig, immer am gleichen Ort zu wohnen. Wichtig ist die tiefe, kontinuierliche Beziehung zu beiden Eltern.“ André Anwar