Massaker von Las Vegas

Freundin des Schützen soll Ermittlern helfen

von Redaktion

Von M. Bialecki, G. Chwallek, S. L. Grahn und A. Engler

Las Vegas – Nach dem Massenmord bei einem Konzert in Las Vegas erhoffen sich die Ermittler von der Freundin des Schützen Antworten. Medienberichten zufolge traf Marylou D. am Dienstagabend in Los Angeles von den Philippinen ein. Sie gilt unter Ermittlern als „Person von Interesse“. So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht als Tatverdächtige eingestuft werden. Vielleicht kann sie erklären, welches Motiv der Attentäter von Las Vegas gehabt haben könnte.

Der 64-jährige Stephen Paddock hatte am Sonntagabend von seinem Zimmer im 32. Stock eines Hotels auf Besucher eines Open-Air-Konzerts gefeuert. Nach Aussage des zuständigen Gerichtsmediziners hatten bisherige Angaben über 59 Tote den Schützen in der Zählung eingeschlossen. Paddock hatte sich selbst getötet, als eine Spezialeinheit der Polizei sein Hotelzimmer gestürmt hatte. Die Zahl der Verletzten korrigierte Bezirkssheriff Joseph Lombardo mit gut 500 leicht nach unten.

US-Präsident Donald Trump reiste nach Las Vegas, um Hinterbliebene und Angehörige zu treffen. „Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für mich, auch persönlich“, sagte er. „Wir sind für euch da.“ Zur Waffenproblematik in den USA äußerte er sich nicht. Hoffnungen auf eine strengere Waffengesetzgebung sind gering: Umfragen zufolge gibt es in der US-Bevölkerung keine klare Mehrheit für härtere Gesetze. Vor allem aber sprechen die politischen Mehrheiten der Republikaner und die starke Waffenlobby gegen echte Änderungen.

Zunächst besuchten Trump und seine Frau Melania Patienten in einem Krankenhaus, anschließend kamen sie mit Ersthelfern zusammen, die nach dem Verbrechen auf einem Konzertgelände Beistand geleistet hatten. Überlebende lud Trump ins Weiße Haus ein. Den Ärzten und Krankenpflegern bescheinigte er, einen „unglaublichen Job“ geleistet zu haben. „Wir haben ein großartiges Land“, sagte der US-Präsident.

Die Ermittler konzentrieren sich derweil auf Paddocks Freundin. Sie habe einen australischen Pass und sei zuletzt am 25. September aus Tokio kommend in Manila gelandet, zitierte CNN eine Sprecherin der philippinischen Einwanderungsbehörde. Zuvor war bekanntgeworden, dass Paddock etwa 100 000 Dollar auf die Philippinen überwiesen hatte. Zunächst lagen aber keine Angaben darüber vor, wann er das Bankgeschäft erledigte und an wen das Geld konkret ging.

Derweil häufen sich die Hinweise darauf, dass Paddock seine Tat „umfassend“ vorbereitet hatte, wie es Lombardo formulierte. Nach weiteren offiziellen Angaben fand die Polizei neben mehr als 20 Schusswaffen in der Hotelsuite im Mandalay Bay Hotel auch eine Kamera, die im Guckloch der Eingangstür installiert war. Zwei weitere waren im Flur angebracht. Nach Polizeiangaben sollten sie Paddock offenkundig beim Eintreffen von Polizisten vorwarnen. An zwölf Waffen seien zudem Vorrichtungen entdeckt worden, die das Abfeuern von Schüssen beschleunigen können.

US-Fernsehsender zeigten offensichtliche Polizeiaufnahmen aus dem Hotelzimmer, die nach der Tat gemacht wurden. Darauf sind unter anderem Waffen und zahlreiche Hülsen zu sehen. Ein Foto soll den leblosen Körper des Schützen auf dem Boden zeigen. Wie die Aufnahmen zu den Medien gelangten, wurde nicht bekannt. Lombardo nannte den Vorgang „besorgniserregend“. Die Polizei leitete eine interne Untersuchung ein.

Insgesamt stellte die Polizei nach jüngsten Angaben im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und in Reno 47 Schusswaffen sicher. Sie seien in Utah, Kalifornien, Texas und Nevada gekauft worden. Außerdem wurden tausende Schuss Munition und Sprengstoff entdeckt – ein gewaltiges Arsenal.

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