Im BerlineR TIERGARTEN

Ausweisung gescheitert – Mord

von Redaktion

Berlin – Mittlerweile hat Klaus Rasch seine Frau beerdigt. An einem Spätsommertag im September hatte sich Susanne F. mit ehemaligen Kommilitoninnen im „Schleusenkrug“ getroffen. Es sind von dort aus nur wenige Meter vom Bahnhof Zoo im Herzen West-Berlins zum Rand des Tiergartens, wo sich der Biergarten befindet. Deren Angestellte gehen den Weg nur zu zweit, denn er ist beleuchtet, aber trotzdem unheimlich.

Nach 22 Uhr verabschiedete sie sich von ihren Freundinnen. Sie sei eine angstfreie Frau gewesen, die sich in Berlin immer sicher gefühlt habe. erklärt ihr Ehemann. Die promovierte Kunsthistorikerin veraltete das Schloss Glienicke und das Jagdschloss auf der Pfaueninsel. Ihr Kollegen charakterisieren sie als sanften und freundlichen Typ.

Es sieht so aus, als habe Ilyas A. sein Mordopfer zufällig ausgewählt hat. Den Weg zum Bahnhof Zoo sind auch am Tatabend hunderte Menschen entlang gegangen. Susanne F. hatte vielleicht nur das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Als ihr Mann am nächsten Morgen wach wurde und merkte, dass seine Frau noch nicht heim gekommen war, gab er eine Vermisstenanzeige auf. Die Polizei startete eine Suchaktion mit Hunden, auch er selbst sei „durch jedes Gebüsch“ gekrochen. Aber vergeblich. Erst drei Tage nach der Tat finden Spaziergänger nahe des Biergartens die Leiche im Gebüsch. Sei wurde erwürgt, anscheinend wegen 50 Euro und wegen eines Handys.

Das führte die Ermittler relativ schnell zum mutmaßlichen Täter Ilyas A., der als Flüchtling aus Tschetschenien nach Deutschland gekommen war und hier schon mehrfach als Straftäter auffiel. Denn am Morgen nach dem Verschwinden seiner Frau bekommt Klaus Rasch von ihrem Handy eine SMS: Seine Frau sei jetzt wieder erreichbar. Der Täter hatte wohl versucht, die SIM-Karte zu aktivieren, um das Gerät dann benutzen zu können. Mit den Handydaten gelang es der Polizei, Ilyas A. in Polen aufzuspüren, wo er festgenommen und nach Berlin überstellt werden konnte. Seine DNA wurde mittlerweile an der Kleidung der Ermordeten entdeckt.

Eigentlich hätte Ilyas A. längst Deutschland verlassen haben sollen. Mit 13 ist er mit seinen Eltern im November 2012 nach Deutschland gekommen, sie beantragen für ihn Asyl. Doch die deutschen Behörden erklärten sich nicht zuständig und schieben die Familie nach Polen ab. woher sie eingereist war. Ilyas A. kommt alleine zurück und. startet eine kriminelle Laufbahn. Mit 15 stiehlt er ein Fahrrad, im Juni 2015 überfällt er drei Rentnerinnen auf brutale Weise, darunter eine 98-Jährige. Dafür wird er wegen Raubs mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Laut „Bild“-Zeitung will die Ausländerbehörde ihn nach der Verbüßung seiner Strafe „aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ ausweisen.

Doch weil er noch volljährig ist, wird er im Dezember 2016 nicht ausgewiesen. Denn im Heimatland muss sich jemand um den Minderjährigen kümmern. Doch aus Russland kommt keine Rückmeldung, Ilyas A. wird geduldet. Dann wird er am 10. August 18 Jahre alt – und wieder scheitern die Behörden. Aber sein fester Wohnsitz ist nicht bekannt.

Am Rande des Weges, wo Susanne F. ermordet wurde, hat Klaus Rasch eine Botschaft hinterlassen. „Hier wurde am Freitag, den 8.9.17, meine über alles geliebte Frau Susanne gefunden“, steht auf einem eingeschweißten Blatt Papier mit dem Foto einer lächelnden Frau. „40 gemeinsame und glückliche Jahre – mal eben so ausgelöscht“.

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