Pinguin-Drama: 18 000 Küken verhungerten in der Antarktis

von Redaktion

Dumont D’Urville – Es war ein trostloses Bild, das sich den Forschern der Umweltschutzorganisation WWF in der Antarktis bot. Tausende und abertausende tote Pinguinküken, ungezählte nicht ausgebrütete Eier und tausende entkräftete Elterntiere – eine Kolonie von 40 000 Adeliepinguinen in der Antarktis in der Nähe von Dumont D’Urville hat ihren kompletten, frisch geschlüpften Nachwuchs und viele erwachsene Tiere verloren. Nur zwei von 18 000 Küken haben überlebt. Der französische Biologe Dr. Yan Ropert-Condert veröffentlichte Bilder vom Pinguin-Drama und sagte zu den Ursachen: „Es kamen viele Faktoren zusammen, damit es zu diesem katastrophalen Brutversagen kommen konnte.“

Der Hauptgrund liegt bereits sieben Jahre zurück: Im Januar 2010 wurde die Eiszunge des Mertz-Gletschers (siehe Grafik) von einem gigantischen Eisberg gerammt und brach ab. Es entstand ein 400 Meter hoher Eiskoloss von der Fläche des Saarlandes, der seitdem an der Küste der Antarktis entlang schrammt. Der Gigant zerbricht und treibt in bislang eisfreie Bereiche und beeinflusst dort die Bildung von Meereseis.

Adeliepinguine brüten nicht auf dem Eis, sondern wandern ins Inland bis zu eisfreien Geröllfeldern. Dort bauen sie aus Steinchen kleine Nester, in denen die Eier nicht fortrollen können. Ein Partner brütet das Ei aus, während der andere zum Futterholen davonläuft. Drei Wochen nach dem Schlüpfen zieht auch das nun sehr hungrige zweite Elternteil los zum Jagen. Die Küken bleiben allein zurück, sie drängen sich in Gruppen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen.

In diesem Jahr war der Weg zum offenen Meer über 100 Kilometer länger als in den Jahren zuvor! Bis die Pinguineltern von ihrer überlangen Wanderung wieder bei ihren Familien waren, waren die jungen Küken bereits verhungert.

Dr. Yan Ropert-Coudert spricht einfach von Schicksal: „Es ist das zweite Mal in 40 Jahren, dass wir so etwas sehen. Es muss eine bestimmte Mischung aus Temperatur, Windrichtung und -stärke zusammenkommen.“ Und das Pech, dass sich nicht irgendwo ein Wasserloch auftut, ein Polynia, wo das Eis aufbricht und die Pinguine zum Jagen gehen können. Solche Ereignisse zeigen laut den Forschern, wie zerbrechlich das Ökosystem in der Antarktis ist, die in den vergangenen Jahren auch zunehmend unter einer Erwärmung des Wassers leidet.

Welche Auswirkungen das auf den Krill haben wird, ist noch nicht erforscht. Krill, diese winzige Krebse, sind die Nahrungsgrundlage in den Eismeeren, werden aber auch von Fischfangflotten geschätzt. Bei der Antarktis-Konferenz in Hobart (Tasmanien) fordert der WWF, dass große Gebiete vor Krill-Fischerei geschützt werden

Susanne Stockmann

Artikel 2 von 9