Zwei Menschen sterben durch Böller

Silvesterfeiern: Attacken auf Einsatzkräfte

von Redaktion

Berlin – Millionen Menschen in Deutschland sind mit fröhlichen Silvesterpartys und knallbuntem Feuerwerk ins Jahr 2018 gestartet. Bei der größten Silvesterparty Deutschlands am Brandenburger Tor in Berlin feierten mehrere Hunderttausend. Hier und in weiteren Großstädten wurden nur vereinzelt sexuelle Übergriffe auf Frauen gemeldet. Zwei junge Männer in Brandenburg starben in der Silvesternacht aber bei Unfällen mit Böllern, zahlreiche weitere Menschen wurden durch – oftmals illegale – Knaller verletzt.

Auf der Domplatte in Köln herrschte vor einer Konzertbühne der Polizei zufolge eine entspannte Atmosphäre. Beim Jahreswechsel vor zwei Jahren waren am Kölner Hauptbahnhof viele Frauen sexuell bedrängt und beraubt worden, die Vorkommnisse machten weltweit Schlagzeilen. Diesmal gab es in Nordrhein-Westfalen laut Polizei kaum Probleme mit großen Gruppen junger Männer. In neun Fällen ermitteln die Beamten wegen mutmaßlicher Straftaten mit sexuellem Hintergrund – meist geht es um den Vorwurf der Belästigung.

In ganz NRW seien in der Silvesternacht 16 Straftaten angezeigt worden, die aus Gruppen von mindestens drei Personen heraus verübt wurden, wie das Amt für Zentrale Polizeiliche Dienste mitteilte. Im vergangenen Jahr gab es noch 38 solcher Delikte. Insgesamt habe die Polizei in NRW 41 (Vorjahr: 25) Anzeigen wegen Sexualdelikten aufgenommen – darunter auch sexuelle Beleidigungen.

Bei der großen Silvesterparty auf der Festmeile am Brandenburger Tor gab es nach Polizeiangaben 13 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe. Sieben Verdächtige werden festegenommen. Erstmals gab es auf der Festmeile ein Zelt für Frauen, die sexuell belästigt wurden, mit geschulten Helfern des Roten Kreuzes.

Tödlich endete die Silvesternacht für einen 35 Jahre alter Mann in Gusow bei Frankfurt/Oder. Er erlag beim Böllern trotz sofortiger Erster Hilfe seinen schweren Verletzungen. In Kleinmachnow bei Potsdam starb ferner ein 19-Jähriger: Er wollte selbst gebautes Feuerwerk zünden und wurde am Kopf getroffen. Außerdem wurde auf einer Silvesterfeier im niedersächsischen Löningen ein 22-Jähriger lebensgefährlich verletzt, als ein Böller zu früh an seinem Gesicht explodierte. Und ein 14-jähriges Mädchen im thüringischen Triptis muss laut Polizei um sein Augenlicht fürchten, nachdem ein Böller in eine Menschengruppe geworfen wurde. Die Wucht der Explosion habe ihr die Brille „weggesprengt“. Bei dem Sprengkörper soll es sich Ermittlungen zufolge um einen verbotenen sogenannten Polen-Böller handeln. Im Unfallkrankenhaus Berlin war das Team der Handchirurgie durchgehend in drei Operationssälen im Einsatz. Mindestens fünf Patienten hätten schwere Amputationsverletzungen durch Böller erlitten.

Feuerwehr wird mit Schusswaffen bedroht

In Leipzig haben Randalierer Polizisten in der Silvesternacht mit Böllern und Steinen attackierten. Über Lautsprecher hätten die Beamten die Angreifer verwarnt, erklärte die Polizei. Da sie sich weiterhin widersetzt hätten, habe man Wasserwerfer eingesetzt. Mehrere Personen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen.

An weiteren Orten gab es Angriffe auf Rettungskräfte: Die Besatzung eines Rettungswagens der Berliner Feuerwehr wurde am Neujahrsmorgen von Unbekannten mit Schusswaffen bedroht. Feuerwehrleute alarmierten die Polizei, diese stellte zwei scharfe Schusswaffen sicher. Die Feuerwehr Berlin nannte am Morgen die Zahl von acht Angriffen auf Einsatzkräfte und 57 Angriffen auf Einsatzfahrzeuge mit erheblichen Sachschäden – dies mache „sehr nachdenklich und betroffen“. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), sagte: „Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an.“ Deshalb müssten die Straftäter die ganze Härte des Gesetzes erfahren.

Am Brandenburger Tor unterhielten Stars die Besucher. Um 0.00 Uhr erleuchtete ein riesiges Feuerwerk den Nachthimmel. Auch in Hamburg feierten die Menschen laut Polizei meist friedlich. Allzu dick anziehen mussten sich die Feiernden draußen nicht: An vielen Orten war es zum Jahreswechsel fast schon frühlingshaft. Am Silvesternachmittag wurde im badischen Rheinfelden mit 16,1 Grad am Rekord gekratzt. Wärmer war es an Silvester zuletzt 1961.

Als eines der ersten Babys des neuen Jahres kam Alvin Karl in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern zur Welt. Sieben Minuten nach Mitternacht wurde der 3950 Gramm schwere und 54 Zentimeter große Junge geboren, wie Hebamme sagte. Die 36-jährige Mutter und ihr Sohn seien beide gesund und wohlauf.

Schon Stunden vor den Feiern in Deutschland hatte das Jahr 2018 in vielen Teilen der Welt bereits begonnen. Zuerst war es im Pazifik um 11.00 Uhr MEZ so weit, später begrüßte Australien mit einem spektakulären Feuerwerk in Sydney das neue Jahr. Mit 1360 Kilogramm Konfetti und 25 000 Luftballons haben rund zwei Millionen Menschen am New Yorker Times Square das neue Jahr begrüßt. Sie trotzten der eisigen Kälte von minus 12,7 Grad Celsius. In Rio de Janeiro feierten hingegen Millionen Menschen am Strand. Und in Dubai hat das neue Jahr mit einer außergewöhnlichen Lichtshow rund um den höchsten Wolkenkratzer der Welt begrüßt. Der 828 Meter hohe Burj Khalifa wurde zur „Leinwand“ für die knapp sechsminütige Show. Mit der Performance „Light Up 2018“ will der Betreiber Emaar ins Guinness Buch der Rekorde kommen.

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