nach Sturm „Friederike“

Eine halbe Milliarde Euro Schäden

von Redaktion

von Julia Naue und Angelika Mayr

Berlin – Orkan „Friederike“ hat in Deutschland mindestens acht Menschen das Leben gekostet, darunter zwei Feuerwehrleute. Mehrere Leute wurden verletzt. Der schwere Sturm am Donnerstag habe rund eine halbe Milliarde Euro Schaden angerichtet, wie aus Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Die Bahn hatte den Fernverkehr deutschlandweit eingestellt. Am Freitag kam er langsam wieder ins Rollen. Auch die Wetterlage entspannte sich – allerdings bleibt es ungemütlich.

„Friederike“ gilt als der schwerste Sturm in Deutschland seit „Kyrill“, der auf den Tag genau elf Jahre zuvor über das Land hinweggefegt ist. Allerdings war „Kyrill“ verheerender, er schlug mit mehr als zwei Milliarden Euro Schaden zu Buche und kostete elf Menschen das Leben.

Glück im Unglück hatte am Donnerstag der kleine Anton: Der Orkan hatte zwar den Wagen seiner Eltern, aber ihn selbst nicht aufhalten können. Seine Mutter brachte ihn in Köln im Auto zur Welt. Papa und Mama waren auf dem Weg zur Entbindung in die Klinik, als eine sturmbedingte Straßensperrung die Weiterfahrt verhinderte, berichtete die Feuerwehr. Der kleine Bub erblickte noch vor Ankunft von Rettungsdienst und Notarzt das Licht der Welt. Über den Notruf hatte der Leitstellendisponent am Telefon Anweisungen gegeben. Anschließend durfte der Papa mit Hilfe der eingetroffenen Einsatzkräfte Antons Nabelschnur durchtrennen.

Mit erheblichen Einschränkungen mussten Reisende auch am Freitag rechnen, da zahlreiche Bahnstrecken noch gesperrt waren, erklärte die Deutsche Bahn. Am Morgen standen an vielen Bahnhöfen im ganzen Land viele Menschen ratsuchend an Service-Ständen und Infotafeln. Nach Angaben der Deutschen Bahn hatte „Friederike“ Millionenschäden am Schienennetz angerichtet. An mehr als 200 Streckenabschnitten seien Reparaturen notwendig. Bahnreisende oder Mitarbeiter seien nicht zu Schaden gekommen. Erstmals seit „Kyrill“ 2007 rollte am Donnerstag im ganzen Land kein Zug mehr.

„Friederike“ fegte von Westen her über Deutschland. Auf dem Brocken im Harz seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometern gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse“, sagte Sturmexperte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Um Mitternacht hob der DWD die letzten Warnungen auf. Für das Wochenende erwarteten die Experten vor allem Wolken und Regen-, Schnee- und Graupelschauer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich via Twitter bei den Rettungskräften und sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. „Ich danke den 1000 ehrenamtlichen THWlern sowie allen anderen Einsatzkräften, die sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben.“ Der Sturm habe gezeigt, wie wichtig das Technische Hilfswerk (THW) für das Zusammenleben sei.

Polizei und Rettungskräfte waren während des Orkans im Dauereinsatz und am Tag danach mit Aufräumen beschäftigt. In den betroffenen Regionen wurden die Einsatzkräfte oft alarmiert, weil Bäume umgestürzt waren oder Dächer abgedeckt wurden. Es kam zu vielen Verkehrsunfällen und Straßensperrungen. Der Landesbetrieb Wald und Holz in Nordrhein-Westfalen warnte: Generell sollten Spaziergänger vorsichtig sein, wenn sie in Wäldern und Parks unterwegs sind. Abgebrochene Äste könnten herabfallen, auch manche Bäume könnten Tage nach dem Sturm umfallen.

Zahlreiche Haushalte hat das Orkantief in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg von der Energieversorgung abgeschnitten. Folge seien zahlreiche Stromausfälle gewesen, berichtete die Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz. Demnach waren am Donnerstag bis zu 140 000 Kunden ohne Strom, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren. Bis zum Abend reduzierte sich die Zahl laut einer Sprecherin auf 65 000 Kunden. 350 Mitarbeiter arbeiteten daran, auf andere Leitungen umzuschalten.

Auch in anderen Ländern wütete „Friederike“. In Belgien und den Niederlanden kamen ebenfalls Menschen ums Leben. In Polen gab es mehrere Verletzte. Zwei Menschen wurden verletzt, als heftiger Wind zwei Busse in West- und Zentralpolen von der Straße abbrachte, wie Rettungskräfte mitteilten. Außerdem rissen heftige Böen mit Geschwindigkeiten von etwa 100 Stundenkilometern hunderte Bäume heraus und beschädigten Häuser. Die Feuerwehr habe landesweit zu rund 700 Einsätzen ausrücken müssen, hieß es. Nach Angaben des Sicherheitszentrums der Regierung waren zwischenzeitlich etwa 50 000 Menschen ohne Strom.

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