Hamburg/Bad Hersfeld – Weitere Frauen haben in der „Zeit“ dem Regisseur Dieter Wedel teils lange zurückliegende sexuelle Übergriffe und Schikanen vorgeworfen. Man habe dem 75-Jährigen daraufhin Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, schreibt die Wochenzeitung. Wedels Anwalt habe darauf verwiesen, dass sein Mandant aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage sei.
Am Montag war bekannt geworden, dass Wedel mit Herzbeschwerden im Krankenhaus liegt. Am selben Tag trat er als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. Er sprach von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person und kündigte an, sich nicht mehr öffentlich äußern zu wollen.
In der aktuellen „Zeit“ beschreibt die Schauspielerin Esther Gemsch einen Vergewaltigungsversuch, bei dem Wedel sie 1980 gewürgt haben soll. Wegen der erlittenen Verletzungen habe sie damals die Dreharbeiten für „Bretter, die die Welt bedeuten“ abbrechen müssen. Eine weitere, heute 74-jährige Schauspielerin schilderte anonym, sie sei 1975 von Wedel in einem Wald vergewaltigt worden. Die Schauspielerin Ute Christensen berichtete von Demütigungen und Mobbing bei Dreharbeiten 1981. Sie sei schwanger gewesen, habe einen Nervenzusammenbruch erlitten und ihr ungeborenes Kind verloren. Bereits Anfang Januar hatten drei Ex-Schauspielerinnen Wedel beschuldigt, er habe sie in den Neunzigerjahren sexuell bedrängt.
Iris Berben hatte schon vorher in der „Zeit“ berichtet, wie Wedel sie in den Siebzigerjahren am Set der Serie „Halbzeit“ demütigte. Wedel habe ihr einen großen Film in Aussicht gestellt, darüber könne man gemeinsam im Restaurant sprechen. Sie habe geantwortet, dass sie gerne dabei sei, aber eine Bitte habe: „Ob ich meinen Mann kurz anrufen könne, ,der würde Sie so wahnsinnig gerne kennenlernen‘.“ Wedel habe sich dann nie mehr wegen des Filmprojekts gemeldet, sie aber am Set eine Szene „sicher mehr als dreißig Mal“ wiederholen lassen. „Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen.“
Wegen eines Falls im Sommer des Jahres 1996, bei dem Wedel eine der Frauen zum Sex in einem Münchner Hotel gezwungen haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft München.
Wedels Ex-Partnerin Ingrid Steeger (70, „Klimbim“) hatte den Regisseur gegen die Vorwürfe wegen angeblicher sexueller Übergriffe verteidigt. „Er hat es nicht nötig, Frauen zu vergewaltigen, die werfen sich ihm eh alle zu Füßen“, sagte sie der „Abendzeitung“.