Wieder Ärger bei United Airlines

Hund stirbt in Flugzeug-Gepäckfach

von Redaktion

von Friedemann Diederichs

Washington – Die US-Fluggesellschaft United Airlines hat einen denkbar schlechten Ruf. Erst im April letzten Jahres zeigte ein Handy-Video, wie die Airline einen Mann gewaltsam aus seinem Sitz in einem überbuchten Jet entfernen ließ. Dabei floss auch Blut. Die voll bezahlten Sitze brauchte United angeblich für Angestellte, die nach Hause wollten. Das Video sorgte für massive Proteste, und die Airline einigte sich mit dem Reisenden außergerichtlich.

Nun hat United erneut großen Ärger. Tierfreunde in den USA äußern seit Dienstag hunderttausendfach Unmut im Internet über einen schier unglaublichen Vorgang. Flugbegleiter zwangen am Montag bei einem Trip von Houston nach New York entgegen der geltenden Regularien eine Passagierin dazu, ihren zehn Monate alten Junghund – eine französische Bulldogge – im unbelüfteten Gepäckfach über den Sitzen zu verstauen. Die Frau protestierte Augenzeugen zufolge zunächst, doch die Flugbegleiter blieben hart – und versicherten der Passagierin, ihr Hund sei dort gut aufgehoben. In der ersten Stunde des Fluges habe der Junghund noch Geräusche von sich gegeben und gewimmert, so Maggie Gremminger, die über den Vorgang auf Twitter berichtete und eine Reihe hinter der Hundebesitzerin saß. Doch der Eigentümerin wurde offenbar untersagt, aufzustehen und nach dem Tier zu sehen.

Als der Jet nach dreieinhalb Stunden sein Ziel erreichte, lag der Hund leblos in seinem Transportbehälter – er war erstickt. „Ich habe das Kind der weinenden Frau gehalten, als diese verzweifelt versuchte, den Hund im Gang wiederzubeleben,“ berichtete die Augenzeugin. Mehrere Passagiere seien ebenfalls tief betroffen von den Ereignissen gewesen, so Gremminger. Und: „Ich bin angeekelt und verstört vom Verhalten der Crew“. Kleine Hunde dürfen bis zu einem bestimmten Gewicht im Passagierraum mitfliegen und müssen dabei in von der Airline zugelassenen Transportbehältern eingesperrt werden. Diese Behälter müssen unter den Vordersitz passen. Beide Bedingungen hatte die Passagierin erfüllt.

Die Regeln aller Fluggesellschaften sehen dazu vor, dass keinerlei Lebewesen in der Gepäckablage deponiert werden dürfen. Warum die Crew dennoch die Reisende dazu zwang, den Hund in diesem für ihn so tödlichen Bereich zu deponieren, ist unklar. Und die Passagierin kannte offensichtlich die Regeln nicht gut genug, um sich zu widersetzen oder von Bord zu gehen. Auch andere Mitreisende fanden nicht den Mut, zu protestieren.

United Airlines war nach den ersten Internet-Nachrichten über den Skandal, der schnell alle großen TV-Sender erreichte, um Schadensbegrenzung bemüht und sprach von einem „tragischen Unfall, der nie hätte geschehen dürfen“. United bestätigte in der Stellungnahme, dass Tiere niemals in der Gepäckablage deponiert werden dürfen, und übernahm die „volle Verantwortung“. Man werde den Vorfall untersuchen, so die Airline. Ob Mitglieder der Kabinencrew für ihr Fehlverhalten gefeuert wurden, ist bisher nicht bekannt.

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 18 Haustiere während des Transports mit United gestorben – so die von der Airline offiziell gemeldeten Fälle. Bei der Hundebesitzerin bemüht sich United unterdessen um Wiedergutmachung. Wie es heißt, seien die Ticketkosten und auch die Gebühr für den Tiertransport in Höhe von umgerechnet 100 Euro zurückerstattet worden. Doch das letzte Wort dürfte wohl erst bei der nun absehbaren Zivilklage gesprochen werden.

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