Darmkrebs: Sterblichkeit in Deutschland besonders niedrig

von Redaktion

München – Die Krebssterblichkeit in der EU ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Günstig ist die Entwicklung demnach vor allem bei Darmkrebs – und hier schneidet Deutschland im EU-Vergleich besonders gut ab, wie jetzt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Annals of Oncology“ schreibt.

Das Team um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand veröffentlicht seit 2011 Daten zur Krebssterblichkeit, jeweils mit Schwerpunkt auf einer bestimmten Tumorart: heuer für Darmkrebs. Dabei stellen die Wissenschaftler auf Basis von WHO-Zahlen seit 1970 sowie der jüngsten Entwicklung Prognosen zur Mortalität auf – sowohl für die EU als auch für die sechs bevölkerungsreichsten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien. „In der EU sinkt die Darmkrebs-Sterblichkeit bei Männern seit 1993 und bei Frauen über den gesamten Zeitraum seit 1970“, bestätigt Studienleiter La Vecchia.

Zwar sei die absolute Zahl der Todesopfer wegen der höheren Zahl älterer Menschen gestiegen. Aber: Altersbereinigt fiel die Mortalität seit 2012 um knapp 6,7 Prozent bei Männern und um 7,5 Prozent bei Frauen. Damit sterben derzeit pro Jahr knapp 16 von 100 000 Männern und gut 9 von 100 000 Frauen an Darmkrebs in der EU.

Unter den sechs größten Mitgliedstaaten schneidet Deutschland hier besonders gut ab. Zum einen liegt die Mortalität derzeit sowohl bei Männern (12,4 pro 100 000) als auch bei Frauen (7,4 pro 100 000) am niedrigsten. Auch ist die Entwicklung seit 2012 am günstigsten: ein Rückgang der Sterblichkeit bei Männern um über 14 und bei Frauen um gut 15 Prozent.

Lina Jansen vom Deutschen Krebsforschungsinstitut (DKFZ) spricht in diesem Zusammenhang von einem sehr positiven Trend. „Das zeigt die Wirkung der Darmkrebs-Vorsorge, die 2003 eingeführt wurde“, sagt die Epidemiologin. Dass die Darmkrebs-Sterblichkeit hierzulande besonders stark zurückgegangen ist, führt sie vor allem darauf zurück, dass Darmspiegelungen in Deutschland stärker genutzt werden als in vielen anderen EU-Staaten. Aber auch die Therapie habe sich verbessert, betont Jansen. Zudem sei die Zahl der Raucher gesunken. Das wirke sich deutlich auf die Sterblichkeit aus – mit einigen Jahren zeitlicher Verzögerung. Walter Willems

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