Forscher fordern Handelsverbot

Pilz aus Asien bedroht Frösche und Lurche

von Redaktion

Leipzig – Ein extrem aggressiver und tödlicher Pilz bedroht die Bestände von Fröschen und weiteren Amphibien weltweit. Ein großes, internationales Forscherteam fordert aufgrund seiner neuen Erkenntnisse ein Ende des weltweiten Handels mit Amphibien. Der Pilz stammt von der koreanischen Halbinsel und hat sich vor allem über den Amphibienhandel weltweit verbreitet.

„Von den knapp 8000 bekannten Amphibienarten sind bereits mindestens 120 durch den Pilz ausgelöscht worden. Er ist der Sargnagel für die Amphibien“, sagte der an der Studie beteiligte Biologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Dirk Schmeller. Durch den Handel seien neue besonders gefährliche Linien entstanden. Das könne sich künftig noch beschleunigen.

Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) nistet sich in der Haut von Amphibien ein, stört die Hautatmung seiner Opfer, bringt ihren Stoffwechsel durcheinander – und vernichtet so in kürzester Zeit ganze Bestände.

Da der Handel mit Amphibien der wichtigste Verbreitungsweg sei, ist ein Verbot der einzige Ausweg für die Forscher. Denn es gibt immer neue Linien des Pilzes, und diese werden immer aggressiver, sie können auch Amphibien infizieren, die Resistenzen entwickelt haben. So hatten Wissenschaftler entdeckt, dass in Panama einige Amphibien eine gewisse Immunität gegen den Pilz entwickelt hatten. „Diese erfreuliche Entwicklung könnte eine neue Pilzvariante aber sehr rasch wieder zunichtemachen“, betonte Schmeller.

Nicht nur in Übersee richtet dieser Pilz enormen Schaden an. Seit den frühen 2000er-Jahren verbreitet er sich auch in Europa, etwa Spanien, Frankreich und Deutschland. Der Biologe Schmeller befürchtet, dass der Feuersalamander in einigen Jahren in Deutschland in der freien Natur nicht mehr zu sehen ist. Er wird derzeit in einigen europäischen Ländern und in Deutschland vor allem in Nordrhein-Westfalen durch den Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) bedroht. Dieser sei mit Bd verwandt, stamme ebenfalls aus Asien und werde auch über den Handel mit Amphibien verbreitet.

Besondere Gefahr durch aus Terrarien entlaufene Tiere

Schmeller hat mit dem Verbot auch die weltweite Privathaltung im Blick. „Die Tiere werden privat nicht immer richtig gehalten und können fliehen. Und ist der Erreger erst einmal in der Natur, ist er nur sehr, sehr schwer zu bekämpfen“, erläuterte Schmeller. Zoos könnten bei einem Handelsverbot mit dem bereits vorhandenen Bestand zurechtkommen. Da die Forscher alle bekannten Bd-Varianten nicht nur bei wild lebenden Tieren nachgewiesen haben, sondern auch bei gefangen gehaltenen, ist für sie der Handel der wichtigste Verbreitungsweg.

Amphibien leisten in der Natur einen sehr wichtigen Beitrag, erklärte der Biologe. „Sie halten etwa die Population von Insekten und vor allem von krankheitsübertragenden Moskitos in Schach.“

Die Forscher aus rund 40 Instituten hatte per Genanalyse herausgefunden, dass der Ahn der besonders gefährlichen Pilzlinie BdGPL (Global Panzootic Lineage) vor 50 bis 120 Jahren auf der koreanischen Halbinsel entstanden ist. Mehr als 500 Amphibien-Arten habe diese Variante bisher infiziert. In Versuchen habe sie sich nicht nur als besonders ansteckend, sondern auch als besonders tödlich erwiesen.  dpa

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