In Alicante bereits Strände gesperrt

Gefährliche Giftqualle vor Mallorca

von Redaktion

Palma – Mit bis zu 50 Meter langen Tentakeln schwebt sie lautlos durch die Weltmeere, und wer ihren Weg streift, dem drohen höllische Schmerzen. Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) mit ihrem irisierenden, meist blau schimmernden Körper ist eine der giftigsten Quallenarten der Welt. Jetzt wurde vor Beginn der Sommersaison auf Mallorca ein totes Exemplar vor der Küste der Inselhauptstadt Palma entdeckt. Der Fund löste einigen Wirbel aus. Die Stadtverwaltung startete mit einem großen Schiff Suchaktionen, die auch in den nächsten Tagen anhalten sollen, und bat die Regionalregierung um Unterstützung. Ein Badeverbot solle geprüft werden, falls weitere Tiere auftauchen. Der Notdienst bat Strandgäste um extreme Vorsicht.

Für den Menschen verläuft eine Begegnung mit dem Nesseltier – anders als für kleinere Fische – nur selten tödlich. Außerdem: Man kann die Gefahr im Fall der Portugiesischen Galeere schon im Vorfeld gut erkennen, wie Winfried Hochstetter, Leiter des Aquariums Wilhelmshaven, erklärt: „Das Gute ist, dass man sie vorher sieht, denn sie hat eine Gasblase, die aus dem Wasser herausguckt.“

Mallorca ist nicht allein mit seinem Quallen-Dilemma: Exemplare waren im April vor den Balearen-Inseln Formentera und Ibiza gesichtet worden. Auf Formentera wurden damals rund hundert Tiere eingesammelt. Und vorige Woche waren in der Provinz Alicante an der Costa Blanca ebenfalls mehrere Physalia physalis angespült worden. Ein Elfjähriger wurde am Arm gestochen und ins Krankenhaus gebracht. Die Folge: Auf einer Länge von knapp 120 Kilometern wurden am Wochenende Strände gesperrt.

Die Behörden dort erwägen den Einsatz von Netzen und Drohnen. Hochstetter: „Man kennt das aus Australien, wo es ein Problem mit Würfelquallen gibt: Solche Netze funktionieren.“ Dennoch, sollten noch mehr Quallen entdeckt und noch mehr Strände gesperrt werden, sind das keine guten Vorzeichen für den Sommer, denn Touristen sorgen in Spanien immerhin für rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Dabei ist diese Qualle eigentlich gar keine Qualle, auch wenn sie so aussieht. Die Portugiesische Galeere ist ein Wunderwerk der Natur, nämlich eine riesige Polypenkolonie, in der jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt – sei es zum Fressen, zur Verdauung, zur Fortpflanzung oder zur Abwehr von Feinden. So sehr sind die Organismen miteinander verwoben, dass sie alleine nicht mehr lebensfähig wären.

Kennzeichen ist die bis zu 30 Zentimeter messende sackförmige Gasblase, die wie ein Segel funktioniert und für den Auftrieb des Tieres sorgt. „Bei Kontakt mit den Nesselzellen an den Fangarmen explodieren diese und injizieren mit einer Art Harpune Gift unter die Haut“, erläutert Hochstetter Die Folge: stark brennende Wundmale, die wie Striemen nach Peitschenhieben aussehen. Das Fachmagazin „Toxins“ berichtet auch von Kopfschmerzen, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Bei Allergikern ist ein allergischer Schock möglich, der im schlimmsten Fall zum Tode führt. Laut Hochstetter. kämen im Mittelmeer Portugiesische Galeeren immer mal wieder vor. „Aber die Fahrt zum Meer ist wahrscheinlich gefährlicher als die Qualle“, meint er und rät, vor jedem Bad einfach die Wasseroberfläche abzusuchen.

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