Köln – Als Boris Becker im April Sportbotschafter eines der ärmsten und zerrissensten Länder der Welt wurde, fragten sich nicht nur seine Fans: Wieso macht er das? Am Freitag gab es eine mögliche Antwort – die das Denkmal von Deutschlands Tennis-Idol weiter ins Wanken bringt: Becker nutzt seinen Status als „Sonderattache für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union“ der Zentralafrikanischen Republik, um in seinem laufenden Insolvenzverfahren in Großbritannien Anspruch auf diplomatische Immunität zu erheben.
Becker selbst gab sich in einem seiner seltenen Statements alle Mühe, dem Winkelzug seiner Anwälte den Ruch eines dreisten Taschenspielertricks oder einer letzten Verzweiflungstat zu nehmen: „Die Entscheidung, ein Insolvenzverfahren gegen mich zu eröffnen, war gleichermaßen ungerechtfertigt wie unrechtmäßig“, schreibt Becker: „Ich habe diplomatische Immunität geltend gemacht, denn dazu bin ich verpflichtet, um diese Farce zu einem Ende zu bringen.“
Beckers Anwalt beeilte sich zu betonen, dass es mitnichten so sei, dass sein Mandant das diplomatische Amt überhaupt nur übernommen habe, „um auf diese Weise das Insolvenzthema zu lösen“. Becker sei von der Aufgabe „nach wie vor inhaltlich überzeugt“. Becker habe vergeblich versucht, mit der Gläubigerbank zu einer vernünftigen Lösung zu kommen, die Bank habe sich aber „jeglichem vernünftigen Kompromiss“ verweigert. „Deshalb dieser Schritt, der zugegebenermaßen ungewöhnlich ist“.
Seit dem 21. Juni 2017 spitzt sich Beckers Lage finanziell zu. Damals erklärte der Londoner High Court of Justice den im Stadtteil Wimbledon gemeldeten Becker für pleite. Mit der Forderung der Privatbank Arbuthnot La–tham & Co. wegen eines ausstehenden Kredits in Höhe von 3,5 Millionen Euro fing alles an, mittlerweile soll es mehr als ein Dutzend weitere Gläubiger geben. sid