Gefangen in der Dunkelheit

Wie lange dauert ihre Rettung?

von Redaktion

Von Christine Frischke und Hathai Techakitteranun

Chiang Rai – Die in einer Höhle im Norden Thailands eingeschlossenen Jugendfußballer sind von Tauchern lebend entdeckt worden – doch auf ihre Rettung aus dem überfluteten Höhleninneren müssen sie warten. Es werde am Dienstag noch nicht möglich sein, die zwölf Jungen und ihren Trainer zu bergen, sagte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osotthanakorn. Der Wasserpegel sei noch zu hoch und die Jungen körperlich noch zu geschwächt, um zu schwimmen oder zu tauchen. Zugleich wies Narongsak Berichte entschieden zurück, wonach die Rettung mehrere Monate dauern könnte. Das Militär hatte angegeben, die Buben würden mit Lebensmitteln für vier Monate versorgt.

Die Rettungskräfte im Norden Thailands arbeiten unermüdlich, um die in einer Höhle eingeschlossenen zwölf Jugendfußballer und ihren Trainer zu befreien. „Macht euch keine Sorgen! Es geht ihnen jetzt gut“, sagte der Kommandeur der thailändischen Marinetaucher, Arpakorm Yookongkaew, am Dienstag. Wahrscheinlich alberten die Jugendlichen gerade mit seinem Rettungsteam herum. Doch nach Spaß klingt das alles nicht.

Sobald die zwölf Jungen und ihr Trainer ausreichend gestärkt seien, würden sie aus dem überfluteten Hohlraum herausgeholt, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Passakorn Boonyalak. Doch zunächst müsse möglichst viel Wasser aus der Höhle abgelassen werden. Inzwischen installierten die Retter Telefonleitungen in der Höhle.

Auch Höhlenretter Martin Groß aus Baden-Württemberg verfolgt den Rettungseinsatz in Thailand.

-Welche Möglichkeiten haben die Retter in Thailand, um die Jugendlichen und ihren Trainer aus der Höhle zu holen?

Groß: Es wird immer wieder berichtet, dass der Wasserspiegel mit Pumpen gesenkt werden soll. Das Höhlensystem ist meines Wissens aber so groß, dass es damit nicht getan ist. Der Zufluss ist stärker als alle Pumpen, die man dort reinstellen könnte. Man könnte auch abwarten, bis das Wasser von sich aus weiter zurückgeht. Eine andere Möglichkeit wäre, die Jugendlichen zu stabilisieren und sie selbst raustauchen zu lassen. Das ist aber recht aufwendig. Die Strecke unter Wasser müsste dafür mit Leinen versehen werden, und die Eingeschlossenen bräuchten Neoprenanzüge. Selbst in einem 20 Grad warmen Wasser würden sie sonst schnell ihre Kräfte verlieren.

-Was schätzen Sie, wie lange die Rettungsaktion dauern wird?

Das hängt stark von den klimatischen Bedingungen ab. Ich müsste vor Ort sein, um das beurteilen zu können. Die vier Monate, die gerade durch die Medien geistern, sind aber unrealistisch. Für die Eingeschlossenen wäre das eine psychische Katastrophe. Da müsste auf jeden Fall vorher eingegriffen werden. Im Notfall durch eine Rettungsbohrung, mit der man sich von oben Zugang verschafft.

-Hätten Sie vorher damit gerechnet, dass man die Mannschaft nach neun Tagen noch lebend findet?

Als Höhlenretter fiebert man natürlich mit, dass eine Rettung möglichst gut und schnell über die Bühne geht. In Thailand war das größte Problem eher das fehlende Licht. Stellen Sie sich ein zusammengewürfeltes Team vor, das im Dunkeln ausharrt und nicht weiß, ob es gerettet wird oder nicht. Das geht extrem auf die Psyche und macht einen fertig.

-Wie sollte die Mannschaft in der Höhle weiter versorgt werden?

Am wichtigsten ist die psychische Stabilität. Jemand sollte bei ihnen bleiben, mit ihnen reden und von der Situation ablenken. Außerdem brauchen sie gutes Essen, das Kraft gibt, und sauberes Trinkwasser. Verletzungen sollten möglichst vor Ort versorgt werden, damit sie sich nicht entzünden.

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