Scheidungen auf niedrigstem Stand seit 25 Jahren

Das verflixte sechste Jahr

von Redaktion

Wiesbaden – Es gibt Brücken in Deutschland, die ächzen unter der Last der Liebesschlösser. Die Kölner Hohenzollernbrücke etwa muss wegen des seit einigen Jahren etablierten Brauchs mehr als 22 Tonnen Gewicht zusätzlich tragen. Zum Ritual gehört es, dass verliebte Paare den Schlüssel ins Wasser werfen – als Zeichen dafür, dass diese Beziehung niemals auseinandergeht. Doch das Leben spielt oft anders: Gerichte haben im vergangenen Jahr 153 500 Ehen beendet. Damit ist die Zahl der Scheidungen auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Gegenüber 2016 ist sie um knapp 9 000 oder 5,5 Prozent zurückgegangen. Niedriger als 2017 war die Zahl zuletzt 1992 mit 135 000 Fällen. Die Höchstzahl im Nachkriegsdeutschland hatte es 2004 mit rund 213 700 gegeben.

Zwar kann der endgültige Anteil an Scheidungen für einen Ehejahrgang erst nach Ablauf einer langen Zeitspanne bestimmt werden. Dennoch wird weiter mehr als jede dritte Ehe geschieden. So beträgt die Rate für die im Jahr 1992 geschlossenen Ehen 2017 – also nach 25 Jahren – bisher 393,2 Scheidungen je 1000 Ehen. Dabei wird es nicht bleiben, weil auch in den kommenden Jahren weitere Ehen dieses Jahrgangs geschieden werden.

Vom „verflixten siebten Ehejahr“ kann nach Angaben der Statistiker schon seit zehn Jahren nicht mehr die Rede sein. Seit 2008 landet der größte Anteil der Ehen nach sechs Jahren vor dem Richter. 2017 lag die Zahl der Scheidungen hier bei gut 8000, was 5,1 Prozent aller Scheidungen entspricht. Da der Auflösung der Ehe im Regelfall ein Trennungsjahr vorausgeht, hat das Sprichwort ausgedient.

Nach Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung unterliegen Ehen in den ersten Jahren einem besonders hohen Risiko. Allerdings hat es sich in den vergangenen Jahrzehnten verringert. Auf der anderen Seite landen länger andauernde Ehen immer öfter vor dem Richter: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Ehescheidungen nach einer Dauer von 25 und mehr Jahren von 14 000 (1992) auf 27 000 fast verdoppelt. Im Durchschnitt blickten die Paare auf 15 Jahre Ehedauer zurück. Etwa die Hälfte der Paare hatte minderjährige Kinder. Insgesamt waren 2017 knapp 124 000 Minderjährige betroffen.

Ob hinter diesen Zahlen langfristige Trends stecken? Zumindest bei den seit Beginn des 21. Jahrhunderts geschlossenen Ehen scheint sich ein Rückgang der Scheidungshäufigkeit abzuzeichnen. Außerdem sind Ehen von Paaren, die unter dem durchschnittlichen Heiratsalter geheiratet haben, besonders scheidungsanfällig. Und: Wer jetzt heiratet, macht es später und bewusster als früher. Der letzte Trend: Zwar ist die Scheidungshäufigkeit in Städten höher als auf dem Land. Doch scheinen sich die Zahlen anzunähern.  kna

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