Troisdorf – Es ist so leise, dass man eine Maus in den abgefallenen Blättern rascheln hört. Lautlos steigt der Rauch aus einer Hausruine auf. Der Dachstuhl völlig ausgebrannt, nur ein paar verkohlte Balken sind übrig. Die Hauswände sind geschwärzt. Und sonst? Nur diese unwirkliche Stille.
An diesem Dienstag ist hier an der Stadtgrenze Troisdorf/Siegburg etwas passiert, was man eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, aus Griechenland oder Kalifornien. Ein Böschungsbrand an einer Bahntrasse hat rasend schnell auf angrenzende Häuser übergriffen. Die Polizei meldet viele Verletzte. Die wichtige Bahnstrecke Köln-Frankfurt ist ebenso gesperrt worden wie die B56.
Videos in den sozialen Netzwerken zeigen Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten, verbranntes Buschwerk und Rauchsäulen über der Bundesstraße. Erst nach mehreren Stunden hatten die rund 550 Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle. Auch ein Wasserwerfer der Bundespolizei und ein Hubschrauber wurden angefordert.
„Die ersten Einsatzkräfte hatten quasi eine Feuerwand vor sich“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Durch die Trockenheit und die Hitze der vergangenen Wochen hätten die Flammen sich auf der Böschung sehr schnell ausbreiten können. Anwohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten, Lüftungs- und Klimaanlagen sollten abgeschaltet werden.
„Wir bekamen eine Brandmeldung, dass die Böschung der Bahntrasse gegen 14.30 Uhr in Flammen stand“, berichtete Polizeisprecher Burkhard Rick. „Dieses Feuer hat offenbar auf angrenzende Wohnhäuser übergegriffen. Etwa acht Gebäude sind betroffen, die auch tatsächlich im Vollbrand standen oder noch stehen.“ Es seien mehrere Verletzte gemeldet worden, Dutzende wurden von den Rettungskräften betreut.
„Im Wesentlichen aber Personen, die schockiert waren über die Ereignisse, dann Kreislaufprobleme bekamen auch im Zusammenhang mit der Hitze“, schränkte Rick ein. „Es gibt einige wenige tatsächlich Brandverletzte, auch Schwerverletzte, aber das ist eine sehr geringe Anzahl, die sind dann in umliegende Krankenhäuser gekommen.“
Die Angaben der Behörden zur Zahl der Verletzten gingen auch am Abend noch auseinander. Die Leitstelle, die die Einsätze koordiniert, sprach am Abend von 28 Verletzten. Unter ihnen seien drei Schwerverletzte, sagte eine Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises. Es handele sich dabei um 20 Anwohner, 3 Feuerwehrleute und 5 Polizisten.
Die Stadt Siegburg teilte schon bald naSch Ausbruch des Brandes mit, vermutlich habe ein vorbeifahrender Zug Funken geschlagen und so die Flammen entfacht. Später relativierte die Stadt diese Aussage und betonte, es seien auch andere Brandursachen möglich. Die Bahn warnte vor voreiligen Schlüssen. Man könne zunächst „keine abschließende Aussage“ zu der Ursache für den Böschungsbrand machen, betonte ein Unternehmenssprecher.
Auf welche Einschränkungen sich Bahnreisende einstellen müssen, war für die Bahn am Dienstagabend noch unklar. Experten müssten jetzt feststellen, inwieweit die Schienen und die Technik beschädigt worden seien. ICEs zwischen Köln und Frankfurt würden zunächst umgeleitet und kämen bis zu 90 Minuten verspätet an. Neben den Fernzügen waren zahlreiche Regionalzüge und S-Bahnen betroffen.