Lebensmittelproduzenten reagieren

Der Abschied vom Zucker fällt schwer

von Redaktion

Von Erich Reimann

Düsseldorf – Egal, ob Butterkekse, Frucht-Joghurt oder Frühstücksmüsli: Bei immer mehr Produkten versuchen große Markenhersteller, den Zuckergehalt zu reduzieren. Zumindest ein bisschen.

Allein im August kündigten zwei der größten Anbieter von Molkereiprodukten auf dem deutschen Markt neue Rezepturen an, die ganz oder teilweise auf zusätzlichen Zucker verzichten. Matthias Rensch vom Deutschen Milchkontor versprach, das Unternehmen werde bei den Produkten seiner wichtigsten Marke Milram „den zugesetzten Zucker stufenweise reduzieren, damit sich die Konsumenten an weniger Zucker gewöhnen“. Das Unternehmen macht dabei keinen Hehl aus seinen Beweggründen. „Immer mehr Konsumenten achten auf eine gesundheitsbewusste Ernährung und greifen dabei häufiger zu Produkten mit möglichst wenig Zucker.“

Konkurrent Arla bringt in diesen Tagen einen Frucht-Joghurt auf den Markt, der ganz auf zugesetzten Zucker und sonstige Zusatzstoffe verzichtet. In Summe enthält er nach Unternehmensangaben nur noch halb soviel Zucker wie ein „normaler“ Fruchtjoghurt. Die Zutatenliste auf zwei Produkte – Früchte und Joghurt – zu verringern, sei aber nicht einfach, betont Arla-Deutschland-Chef Markus Mühleisen. „Denn Fruchtjoghurts ohne Zuckerzusatz schmecken schnell säuerlich.“ Der Schritt sei auch nicht ohne Risiko: „Der Geschmack ist lecker, aber er ist anders. Außerdem sind die Produkte etwas teurer.“

Dass der Molkereiriese dazu bereit ist, das Risiko einzugehen, hat einen einfachen Grund: Der Absatz von gezuckerten Frucht-Joghurts ist nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen seit 2012 um 20 Prozent eingebrochen. Deswegen experimentieren auch andere Markenhersteller – teils durch Veränderung ihrer herkömmlichen Rezepturen, teil durch zusätzliche Angebotsvarianten.

Die Markenhersteller stehen unter Druck – wegen der öffentlichen Diskussion über die Schädlichkeit von Zucker. Aber auch, weil die großen Handelsketten mit ihren Eigenmarken eine Vorreiterrolle beim Thema übernommen haben. So will Rewe heuer bei rund 100 Eigenmarken-Produkten neue zuckerreduzierte Rezepturen einführen. Edeka hat schon vor drei Jahren damit begonnen, den Zuckergehalt in zahlreichen Produkten zu senken, meist sogar um mehr als 20 Prozent. Auch Lidl und Aldi werkeln an ihren Rezepturen.

Doch gibt es ein Problem: den Verbraucher. Wie eine Studie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ergab, versuchen zwar fast 60 Prozent der Verbraucher, ihren Zuckerkonsum zu reduzieren. Doch nur jeder fünfte ist bereit, dabei Einbußen beim Geschmack hinzunehmen. Wer den Zuckergehalt seiner Produkte zu sehr reduziert, läuft also Gefahr, Kunden zu verlieren.

Der Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das Engagement der Handelsketten mit gemischten Gefühlen. Prinzipiell seien die Bemühungen zu begrüßen. Doch müsse man prüfen, ob unter dem Strich dabei etwas herauskomme. Schließlich mache auch eine kräftige Reduzierung des Zuckergehalts aus einer Kalorienbombe noch keinen gesunden Snack: „Wenn man in ein hochgezuckertes Müsli 20 Prozent weniger Zucker reintut, wird es nicht viel gesünder“, meint er. Valet plädiert deshalb für die Einführung einer Ampel-Kennzeichnung, die es dem Verbraucher auf den ersten Blick ermöglicht, den Zuckergehalt einzuordnen.

Angesichts der zahlreichen Hürden hoffen manche auf ein Wunder der Wissenschaft, um das Zuckerproblem zu lösen. So arbeitet der Kölner Zuckerhersteller Pfeiffer & Langen (Diamantzucker) an einem „Zucker ohne Kalorien“ – der sogenannten Allulose. Dabei soll die Molekülstruktur von Rübenzucker so verändert werden, dass der Zucker zwar noch geschmeckt werden kann, der Körper ihn aber nicht mehr verarbeiten kann. Es wäre der Traum jeder Naschkatze.

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