Bonn – Untersuchungen in einigen Regionen Deutschlands belegen einen immensen Insektenschwund in den vergangenen Jahrzehnten. Detailanalysen zeigen nun, welche Arten besonders im Sinkflug sind. „Es ist ein Rückgang, der sich durch ganz unterschiedliche Gruppen zieht“, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, am Mittwoch in Bonn.
So seien 96 Prozent der Köcherfliegenarten rückläufig. Bei Wildbienen nähmen die Bestände bei 52 Prozent aller Arten ab. „Auch bei den Laufkäfern und bei den Ameisen haben wir sehr hohe Gefährdungsgrade und Rückgänge zu verzeichnen.“ Neben vielen Verlierern gebe es auch einige Gewinner wie bestimmte Libellenarten. Der Entomologische Verein Krefeld (EVK), der seit 1989 Insektenbestände misst, hatte bereits zuvor ermittelt, dass die Gesamtmasse flugfähiger Insekten an untersuchten Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg in den vergangenen drei Jahrzehnten im Mittel um mehr als 75 Prozent abgenommen hat. Die Bestände seien „unstrittig stark rückläufig“, bestätigte Jessel. Anschaulich könne man das als Normalbürger am „Windschutzscheibeneffekt“ sehen: Anders als vor 20 oder 30 Jahren kleben nach einer längeren Autofahrt kaum noch Mücken und Fliegen auf der Scheibe. Das sei natürlich noch kein wissenschaftlicher Beweis, aber anschaulich für jedermann.
Der Insektenrückgang habe viele Ursachen, die ineinandergriffen. Hauptverursacher sei aber die intensive Landwirtschaft. „Wir brauchen dringend eine Wende in der Agrarpolitik hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft“, forderte Jessel. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze mahnte einen Wandel beim Umgang mit Pestiziden an. Der natürliche Lebensraum der Insekten schwinde „beängstigend schnell“. Als eine weitere Ursache für den Insektenrückgang nannte Jessel Lichtverschmutzung.