Handysüchtiger als die Polizei erlaubt

von Redaktion

Rom – Es ist ein bekanntes Gefühl. Man steht mit Bekannten herum, das Gespräch kommt zum Erliegen, es wird still. Aber anstatt die Stille zu ertragen, bewegt sich die eigene Hand wie ferngesteuert in die Hosentasche und zückt das Smartphone. E-Mails checken, Nachrichten beantworten, eine App öffnen. Bloß nicht gar nichts machen! So ging es auch drei italienischen Carabinieri, die diesen Sommer allzu entspannt ihren Dienst versahen und tief versunken über den Bildschirmen ihrer Mobiltelefone meditierten.

Ein anonymer Beobachter hielt die Szene (per Smartphone) fest und löste Empörung im ganzen Land aus. Die Beamten, die eigentlich zur Sorge um die öffentliche Sicherheit besonders aufmerksam sein müssten, erliegen der höheren Kraft der elektronischen Schaltkreise in ihren Händen. Das Generalkommando der zum italienischen Militär zählenden Carabinieri reagierte nun mit einem Handyverbot für die Beamten, zumindest was den privaten Gebrauch der Geräte angeht.

Im Dienst sei „höchste Aufmerksamkeit“ gefordert. Das „kompulsive Kontrollieren von Chats, Nachrichten und Applikationen“ beeinträchtige die Konzentration und die „Effizienz der Aktivität“ der Carabinieri. Nachteilig wirke sich die unkontrollierte Benutzung der Smartphones nicht nur auf die Sicherheit der Öffentlichkeit, sondern auch auf die des unkonzentrierten Polizeipersonals selbst aus. Nicht zu vernachlässigen sei auch die negative Außenwirkung dieser Phänomene. Tatsächlich machen sich viele Italiener gerade über die einst als Inbegriff der Integrität und Vertrauenswürdigkeit geltende Institution lustig.

Dabei halten die Beamten den meisten von uns einen Spiegel vor. Das britische Marktforschungsinstitut YouGov hat jüngst die bemerkenswerten Ausmaße des Phänomens eruiert. 53 Prozent aller Smartphone-Nutzer bekommen laut einer Untersuchung Angstzustände, sobald ihre Mobiltelefone keine Batterie, keinen Kredit oder keine Daten mehr haben. Auf die drei entspannten Carabinieri auf dem Foto trifft das offenbar nicht zu.

JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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